«Der Zürcher Bauernverband reagiert auf die aktuelle Energiekrise. Wir möchten die Chancen aufzeigen und signalisieren, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung sein will», sagte Martin Haab, SVP-Nationalrat und Präsident des ZBV, am 11. November 2022 vor den Medien. Auf der ZBV-Geschäftsstelle wurden für ein «Team Umwelt» zusätzliche Mitarbeitende angestellt. Sie bearbeiten Themen wie Biodiversität, nachhaltige Energie und Klima.
Die administrativen Hürden sind hoch
Allfällige amtliche Hürden sollen die Landwirte nicht abschrecken, um das Energiepotenzial von Biogas, Holz oder Photovoltaik auszuschöpfen. Ferdi Hodel, ZBV-Geschäftsführer, stellte einige Energieprojekte von ZBV-Mitgliedern vor, welche bereits heute einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.
- Auf einem Milchwirtschaftsbetrieb, der zusätzlich ein Restaurant führt, wurde in eine Holzschnitzelfeuerung investiert. Damit können grosse Mengen an Heizöl eingespart und einige Einfamilienhäuser in der Region mit Energie beliefert werden. Für die Errichtung eines Holzschnitzel-Schopfs war ein separates Bewilligungsverfahren erforderlich.
- Ein zweites Projekt, eine kleine Biogas-Anlage auf einem Biobetrieb, wird mit den hofeigenen Stoffen gespiesen. Hierfür wurde bereits 2017 ein Baugesuch eingereicht und die Anlage 2022 in Betrieb genommen. Die Auflagen für den Bau der Anlage wurden als hoch beschrieben. Unterstützend wirkten dabei das Amt für Umwelt und die Klimastiftung Schweiz mit.
- Ein dritter Landwirtschaftsbetrieb, mit Schwergewicht auf Legehennen-Haltung und Ackerbau, errichtete eine Photovoltaik-Anlage und nutzt 60 % des Stroms für die konstante Energieversorgung im Stall. Die restliche Energie wird an das EKZ geliefert. Seit 2022 verfügt der Betrieb zusätzlich über eine Wärmepumpe. Der Betriebsleiter bezeichnete die Einspeisevergütung mit 5 Rappen als sehr tief. Damit würden die Netzausbaukosten nicht gedeckt. Er räumte jedoch ein, dass die Vorzüge der Anlage überwiegen.

Einsparung von 50'000 Tonnen CO2 wären möglich
Gastreferent Christoph Koller, Dozent für erneuerbare Energien an der ZHAW, stellte seine Potenzialanalyse für Photovoltaik ohne Netzausbau vor. Er hat errechnet, dass die Gesamtfläche aller Dachflächen auf den landwirtschaftlichen Betrieben im Kanton Zürich 7,2 km2 beträgt. Das bestehende Netz liesse einen Ausbau der Photovoltaik auf etwa 10 Prozent dieser Dachflächen zu.
«12,6 Prozent aller Haushalte in der Stadt Zürich könnten mit elektrischer Energie aus der Landwirtschaft versorgt werden.»
Christoph Koller, Dozent für erneuerbare Energien ZHAW
Die Ausbaukosten würden 90 Mio Franken betragen und es könnten 50'000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Würde das elektrische Verteilnetz bei den Betrieben um den Faktor 2 ausgebaut, könnten 25 Prozent aller Haushalte in der Stadt Zürich mit elektrischer Energie aus der Landwirtschaft versorgt werden.
Das theoretische Potenzial von Biogas sei deutlich grösser als bei Photovoltaik, meinte der Referent. Beim Holz sei die Situation so, dass die Bestände im Kanton Zürich bereits zugewiesen seien und es hier kein oder nur ein sehr geringes freies Potenzial gebe.
ZBV präsentiert Forderungskatalog
Ferdi Hodel erläuterte das Beispiel eines erschwerten Energieprojekts in der Landwirtschaft. Der Betriebsleiter eines Hofs mit Pensionspferden, Ackerbau und Kunstwiesen wollte auf der West-Fassade eine Photovoltaikanlage errichten. Die alte KEV-Anlage diente als Betriebsgrundlage.
Für die Fassaden-Photovoltaik brauchte es eine Ausnahmebewilligung. Der Betriebsleiter schilderte im Video, dass die Fassaden-Anlage ein grösseres Zeitfenster abdeckt. Hodel erklärte: «Die saisonale Speicherung ist noch nicht gelöst und die raumplanerische Vorgabe lautet, dass Fassaden-Photovoltaikanlagen nur auf Holz möglich ist.»
So gehört es unter anderem zum Forderungskatalog des ZBV, dass die Energieproduktion gegenüber ästhetischen Kriterien Vorrang erhält. Als wirtschaftlichen Forderungen des ZBV wurden die kantonale Förderung der Netzausbaukosten und eine höhere Einspeisevergütung genannt.
«Wir suchen mit der Verwaltung nach Lösungen, um eine maximale Ausschöpfung erneuerbarer Energiebewirtschaftungen in der Zürcher Landwirtschaft zu erreichen.»
Ferdi Hodel, Geschäftsführer ZBV
Selbstverständlich wolle man nicht bis in den hintersten Winkel neue Anlagen errichten, sondern nur dort, wo es sinnvoll sei.

