Im Oktober und November fanden in zwei Sitzungen die Lohnverhandlungen für die landwirtschaftlichen Angestellten statt. Schlussendlich konnte man sich einigen, dem gingen aber lange Diskussionen über fehlende Arbeitskräfte und deren Abwanderung, die Teuerung und die gestiegenen Produktionskosten voraus.
Die Wertschätzung muss steigen
So stellt sich die Arbeitsgemeinschaft Berufsverbände Landwirtschaftlicher Angestellter (ABLA) immer wieder die Frage, warum neben höheren Löhnen auch bessere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmende in der Schweizer Landwirtschaft angebracht sind. Kurz gesagt: Weil die Situation so ist, wie sie ist. Die Arbeit des Arbeitnehmenden muss mehr Wert haben, ebenso wie die Erzeugnisse der Landwirte. Die Wertschätzung muss zwingend erhöht werden.
Die Landwirtschaft ist unattraktiv
Die Arbeitsbedingungen in der Schweizer Landwirtschaft sind unattraktiv. Viele Arbeitsstunden (49,5 bis 66 Stunden pro Woche je nach Kanton), tiefe Löhne, oftmals kein 13. Monatslohn, hohe körperliche Belastung, Arbeiten während 5,5 Tagen pro Woche, auch an Samstagen und Sonntagen, bei jedem Wetter. Die Landwirtschaft hinkt bezüglich vieler Dinge in den Angestelltenverhältnissen hinterher.
Alternativen sind leicht zu finden
Matchentscheidend ist oftmals nicht nur der Lohn, sondern auch die Arbeitszeit. Für viele Lehrabgänger ist sie ein Grund, nicht weiter in der Landwirtschaft tätig zu sein. Der Fachkräftemangel in den anderen Handwerksbranchen, verbunden mit besseren Arbeitsbedingungen, verstärkt die Abwanderung zusätzlich: Lehrabgänger finden mühelos eine Anstellung in einer anderen Branche. Durch ihre vielseitige Ausbildung sind sie Multitalente, die auf dem Arbeitsmarkt gefragter denn je sind. Betriebe sollen junge Landwirte fordern und fördern. Ihnen soll neben mehr Verantwortung auch genügend Spielraum in möglichst vielen Bereichen geboten werden.
Die Landwirtschaft ist ein grosses Konstrukt. Bewegt sich ein Rad darin, müssen sich auch alle anderen Räder bewegen. Genau das ist die Schwierigkeit.
Die dauerhafte Lösung
Gerade jetzt mit der Teuerung sowie den hohen Treibstoff- und Düngerpreisen zeigt sich einmal mehr, dass der Landwirt diese Kosten nicht einfach auf seine Produkte abwälzen kann. Die grossen Wiederverkäufer bestimmen den Preis und der ist grösstenteils einfach unterirdisch.
Nur dank ausländischer und familieneigener Arbeitskräfte (Eltern, Kinder, Grosseltern) ist die Situation auf den Betrieben nicht noch prekärer. Doch was, wenn die ausländischen Arbeitskräfte ausbleiben, die Eltern kürzertreten wollen oder versterben? Die Arbeitsbedingungen müssen ganz klar wieder attraktiver werden. Nur so kann das Problem auf die Dauer entschärft werden. Damit das geschehen kann, müssen alle ihren Beitrag dazu leisten:
Der Arbeitgeber: Indem er auch den Lohn bezahlt, den die Arbeit wert ist und der hoch genug ist, damit der Angestellte vernünftig davon leben kann.
Der Konsument: Indem er bewusst regionale Produkte einkauft, am besten direkt beim Bauern.
Der Grosshandel: Indem er wirklich angemessene Preise für die Erzeugnisse des Landwirts bezahlt und mit den Verhandlungspartnern auf gleicher Augenhöhe diskutiert.
Die Bauernverbände: Indem sie die Bevölkerung über die Landwirtschaft aufklären und ihnen die Möglichkeit für Einblicke in die Landwirtschaft bieten.
Und natürlich auch der Angestellte: Indem er seine Arbeit mit grossem Einsatz verrichtet und auch zu Kompromissen bereit ist.

