«Ich hatte schon immer Angst, dass es Krieg geben könnte, aber dass es so schnell gegangen ist, hat mich überrascht», sagt Peter Murri.

Seit 25 Jahren

Der pensionierte Bauer aus Signau im Kanton Bern engagiert sich schon seit fünfundzwanzig Jahren mit seinem Hilfswerk «Estherdebora» und dessen Team in der Ukraine. Regelmäs­sig ist der 77-Jährige im Land unterwegs.

Dort unterstützt das Hilfswerk von Armut betroffene Familien, kranke Menschen, Kinderheime, Spitäler, Gefangene und viele, die an Not leiden. Die Hilfe besteht vor allem darin, Lebensmittel zu bringen und wo es nötig und sinnvoll ist, auch Geld. 2017 begleitete ihn die BauernZeitung auf eine seiner Reisen.

Vor allem Lebensmittel

Der Krieg bewegt Peter Murri: «Diese unsinnige Brutalität kränkt mich.» Zuletzt war er selbst letzten Sommer im Land. Vergangenes Wochenende brachte ein Team seines Hilfswerks einen Bus mit Hilfsgütern an die Grenze. Die lokalen Helfer des Hilfswerks konnten die Waren an der Grenze dann abholen und verteilen.

Das Hilfswerk

Hilfswerk Estherdebora
3534 Signau
IBAN: CH25 8088 2000 0028 5502
www.estherdebora.ch

«Es braucht vor allem Lebensmittel direkt in der Ukraine», sagt Peter Murri. Seinem Team vor Ort in der Stadt Uschhorodin Oblast Transkarpatien gehe es noch gut, dort ist es noch nicht zu Kriegshandlungen gekommen, aber es habe gleich viele Flüchtlinge wie Einwohner-(innen) in der Stadt.

Leere Gestelle

«Unsere Leute verteilen Lebensmittel, einerseits, was wir in der Schweiz eingekauft haben, aber sie holen auch Waren in der Slowakei und bringen sie über die Grenze. In Transkarpatien sind die Lebensmittelgestelle fast leer. Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein, aber wir helfen, so gut es geht», erzählt Peter Murri.

Die Flüchtlinge haben unter anderem auch Fässer zu improvisierten Kochherden umfunktioniert und kochen auf der Strasse. Mittlerweile sind Familien, die er kennt, in der Schweiz angekommen oder nach Israel ausgereist.

«Ich halte viel von Selenski»

Peter Murri bewundert den Kampfgeist und Durchhaltewillen von Präsident Wolodimir Selenski, der in der Hauptstadt Kiew ausharrt: «Ich halte viel von ihm.». Die Hoffnung auf Frieden hat der Emmentaler noch nicht aufgegeben: «Ich hoffe immer noch auf ein Wunder.»

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Panzer als Altmetall-Lager

In den letzten Tagen waren in den Sozialen Medien Filme und Fotos von ukrainischen Bauern zu sehen, die mit ihren Traktoren russische Panzer abschleppen.

Die Bilder sind nicht genau verifizierbar, aber gemäss diverser Quellen dürften sie authentisch sein. Dort, wo lediglich der Treibstoff fehlt, zeigt die ukrainische Armee Interesse. Der Grossteil des militärischen Gefährts dürfte aber als Altmetall-Lager dienen.

Laut dem deutschen Magazin Katapult ist eine Tonne Eisen in der Ukraine rund 300 Franken wert, da kommt bei einem Panzer einiges zusammen. Weniger geeignet sind die Panzer mit einem Gewicht von mehreren Dutzend Tonnen wohl für die Feld­arbeit.

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AP anpassen?

Der Krieg in der Ukraine dürfte umfangreiche Auswirkungen auf die Welternährungslage haben. Dass die Preise steigen, ist bereits klar. Sollte in der Ukraine nicht gesät werden können und Russland sanktioniert bleiben, wird auch die Versorgungslage in Schwellen- und Drittweltländern leiden. Vor diesem Hintergrund wird der Ruf nach Anpassung der nationalen Agrarpolitik lauter. 

Nationalrätin Esther Friedli etwa hat uns zwei Interventionen für die Fragestunde zugestellt: Sie will vom Bundesrat wissen, ob der Selbstversorgungsgrad nicht gesteigert werden müsste und ob man die Entwicklungshilfe nicht stärker auf landwirtschaftliche Produktion ausrichten müsste.