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So starten Tränker gesund in die Mast

Das Einstallen in die Mast ist eine besonders heikle Phase. Gezielte Strategien und bewusste Tierbeobachtung können dabei helfen, gesundheitliche Probleme früher zu erkennen und deutlich zu reduzieren.

Auf dem Föhrenhof in Wohlen AG ist die Munimast mit 340 Mastmuniplätzen (inkl. Tränker) ein wichtiger Betriebszweig. Zu den häufigsten Problemen in der Kälberhaltung zählen diätetische Durchfallerkrankungen, Ohrenentzündungen (Mykoplasmen) und Lungenentzündungen.

Um diesen möglichst entgegenzuwirken, setzt Betriebsleiter Thomas Isler verschiedene Massnahmen um. Er füttert den Kälbern in der ersten Woche nach dem Einstallen nebst der Milch nur Heu. Die Kälbermischung erhalten sie erst ab der zweiten Woche. Die Kälber starten so mit der Fütterung, die sie vom Geburtsbetrieb kennen, und können sich langsam an die neue Fütterung gewöhnen.

So starten Tränker gesund in die Mast

«Die Kälber sollen sich langsam an die neue Fütterung gewöhnen.»

Thomas Isler, Landwirt

Das Immunsystem von Anfang an stärken

«Was beim Einstallen gemacht wird, hat Einfluss auf die gesamte Mast», sagt Raphael Graf, Verkaufsleiter Kälber bei der UFA AG.

Raphael Graf macht auf das Immunloch aufmerksam, in welchem sich die Kälber in der Regel genau beim Umstallen vom Geburts- auf den Mastbetrieb befinden. Dazu kommt, dass die Kälber aus verschiedenen Herkunftsbetrieben kommen, was zu erhöhtem Keimdruck führt. Auch Transportstress kann sich zusätzlich auf die Gesundheit der Kälber auswirken.

Umso wichtiger ist es deswegen, das Immunsystem der Kälber zu stärken. Dabei ist eine bedarfsgerechte Fütterung besonders wichtig. «Vollmilch allein reicht nicht aus, um den Eisen- und Selenbedarf zu decken», so Graf. Nach der Antibiotikabehandlung ist die zusätzliche Gabe von Eisen besonders wichtig, damit der Hämoglobingehalt steigt und mehr Sauerstoff zu den Organen transportiert wird. So kann das Immunsystem rasch wieder zu Kräften kommen. Graf empfiehlt deswegen, den Tränkern zu Beginn zusätzlich zur Milch ein Wirkstoffkonzentrat (Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine) zu verabreichen.

Raphael Graf nennt ausserdem zwei Grundsätze, welche von Anfang an entscheidend sind für gesunde Kälber:

Intensive Aufzucht (metabolische Programmierung): Tränkemenge hoch halten, damit Zellvermehrung und Wachstum gefördert werden; durch hohe Energiezufuhr wird das Immunsystem unterstützt.

Stress reduzieren: Nach dem Einstallen nie zwei Parameter gleichzeitig wechseln (Bsp.: keine Gruppenwechsel gleichzeitig mit der Futterumstellung).

Eine weitere mögliche Ursache für diätetischen Durchfall neben der Fütterung selbst ist der Biofilm, der sich im Boiler beim Tränkeautomaten bilden kann. Thomas Isler entkalkt die Tränkeautomaten regelmässig. Durch die Entfernung des Kalks wird die Angriffsfläche für Erreger reduziert und die Heizleistung bleibt konstant. Um den Problemen mit Mykoplasmen entgegenzuwirken, setzt er einen Lebendimpfstoff ein.

In den letzten Jahren sind die beiden Probleme massiv zurückgegangen. Dies zeigt sich auch bei der Reduktion des auf dem Föhrenhof eingesetzten Antibiotikums. Probleme mit Labmagenerkrankungen und Magen-Darm-Verwicklungen gibt es praktisch keine mehr, vor allem seit in der ersten Woche nach dem Einstallen neben der Milch nur Heu gefüttert wird.

Einstallen in die Mast

Das Einstallen der drei bis fünf Wochen alten Kälber ist eine besonders heikle Phase. Tipps für einen erfolgreichen Start in die Mast: Vor dem Einstallen - Reinigung/Desinfektion der Einstallbucht. - Genügend Stroh von bester Qualität. - Günstiges Stallklima schaffen: Viel frische Luft ohne Zugluft, wenig Ammoniak, wenig Temperaturschwankungen. Beim Einstallen - Einstalluntersuchung in Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt. - Zügig Antränken mit konstanter TS-Konzentration (120 bis 130 g/l), um Flüssigkeitsverlust auszugleichen und um die Verdauungsorgane nicht zu überlasten. In der ersten Mastwoche - Eisen- und Selenversorgung sicherstellen. - Zusätzlich zur Tränke ein Wirkstoffkonzentrat einsetzen. - Laufend Körpertemperatur kontrollieren. www.diegruene.ch/ufa-gesunde-kaelber

Die Kälber bewusst statt unbewusst beobachten

Thomas Isler hat 2024 einen neuen Kälberstall gebaut, in dem er mit Kleingruppen arbeitet. Der Stall ist dreiteilig mit je zwei Abteilen für jeweils 20 Tiere. Der Kälberstall ist möglichst vom Maststall und die Stallabteile auch untereinander abgetrennt, damit Krankheiten weniger übertragen werden können.

So starten Tränker gesund in die Mast

«Besonders wichtig ist, zu erkennen, was gut läuft, dies beizubehalten und wenn nötig zu verstärken.»

Raphael Graf, UFA

Wichtige Vorteile durch die kleineren Gruppen sieht Isler bei der besseren Tiergesundheit. Zudem ist es einfacher, für eine Gruppengrösse von 20 Tieren Lieferanten zu finden als bei grösseren Gruppen. Ein Nachteil der Kleingruppen ist der Arbeitsaufwand, vor allem, weil eine höhere Anzahl an Einstallungen nötig ist als bei grösseren Gruppen. Dafür ist die Tierbeobachtung bei kleineren Gruppen übersichtlicher. Raphael Graf macht darauf aufmerksam, die Kälber gezielt und systematisch zu beobachten, um gesundheitliche Probleme möglichst früh zu erkennen und entsprechend einzugreifen.

Unbewusste Tierbeobachtung bedeutet:

  • Fokus auf Routinearbeiten wie Tränken und Misten.
  • Kälber im Vorbeigehen überprüfen.
  • Nur offensichtlich «kranke» Tiere werden behandelt und untersucht.

Eine bewusste Tierbeobachtung hingegen beinhaltet:

  • Kälber gezielt und systematisch beobachten: die Temperatur messen, das Gewicht und die Zunahmen kontrollieren.
  • Kleine Veränderungen (wie eine reduzierte Sauggeschwindigkeit) bei individuellen Tieren anschauen und dokumentieren: Mehrere Personen laufen bei den Kälbern vorbei und sehen Unterschiedliches.
  • Erkennen und verstehen, was gut läuft.

«Besonders wichtig ist, zu erkennen, was gut läuft, dies beizubehalten und, wenn nötig, zu verstärken», fasst Graf zusammen.

Obligatorische Kälberimpfung

Seit dem 1. Juli 2025 müssen alle Kälber, die den Geburtsbetrieb vor dem Alter von 57 Tagen verlassen, gegen fieberhafte Atemwegserkrankungen geimpft werden. Die zweite Impfung muss auf dem Folgebetrieb innerhalb von 28 Tagen nach dem Einstallen erfolgen. Das Hauptziel ist es, Infektionskrankheiten vorzubeugen und somit den Antibiotikaeinsatz bei Kälbern zu senken. Quelle: Schweizer Bauernverband (SBV)