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Wie geht es meiner Herde? Diese Kuhsignale geben Aufschluss

Christine Neubert gab einen kurzen Einblick in das Thema. Über 70 Teilnehmende wollten wissen, wie sie Unbehagen ihrer Kühe erkennen können.

Die Wirtschaftlichkeit einer Kuh hängt stark von ihrem Wohlbefinden ab. Doch wie erkennt man, ob es einer Kuh wohl ist? Mit dem «Crashkurs», wie Christine Neubert, Beraterin für Tierhaltung am Inforama Zollikofen BE, es nannte, gab es spannende Einblicke in eine andere Betrachtungsweise, die eine Kuh weniger aus arbeitstechnischer oder wirtschaftlicher Sicht, als vielmehr aus Sicht der Kuh betrachtet.

Manchmal braucht es einen erweiterten Blick

Die Erfassung des Gesundheitszustandes einer Herde geschieht meist intuitiv und erfolgt mit der jahrelangen Erfahrung, nicht nach einem bewussten Schema. Normalerweise scannt man die Herde zwar mit geschultem Blick und nimmt wahr, wenn eine Kuh lahmt oder etwa mit einem runden Rücken zeigt, dass es ihr nicht gut geht.

Trotzdem kann es hilfreich sein, in einem ruhigen Moment ausserhalb der Melk- und Fütterungszeiten einen bewussteren Blick auf die Herde zu werfen. Was jemandem Aussenstehenden vielleicht ins Auge fällt, kann bei der eigenen Herde nicht sichtbar sein, weil die normale Betriebsblindheit den Blick auf anderes fokussiert.

Alltägliches fällt einem nicht mehr auf, weil man zu stark aus den Arbeitsabläufen heraus betrachtet. Manchmal braucht es einen erweiterten Blick, um grundlegendere Beschwerden zu erkennen, bevor sie zu Problemen werden, die die Wirtschaftlichkeit schmälern und vielleicht sogar ein Eingreifen eines Tierarztes bedingen.

Die sechs Grundbedürfnisse beobachten

Neubert nennt die sechs Grundbedürfnisse, um zu veranschaulichen, was eine Kuh braucht, damit ihr wohl ist: Futter, Wasser, Licht, Luft, Raum und Ruhe. Doch wie erkenne ich, ob meine Herde diese Bedürfnisse befriedigen kann?

Christine Neubert erklärt das am Beispiel, wie eine Kuh aufsteht oder abliegt. Dann können sich Landwirt(innen) solche Fragen stellen:

  • Kann sie problemlos aufstehen oder wird sie durch Abgrenzungen eingeschränkt? Sind beispielsweise Nackenrohr oder Seitenbügel so dimensioniert, dass die Kuh sich ungestört bewegen kann? Oder muss sie sich verrenken, damit es nur einigermassen geht? (Raum)
  • Oder gibt es Plätze, die unbeliebt sind, wo sich nur die rangniedrigeren Tiere aufhalten? (Ruhe)
  • Gibt es Orte im Stall oder an der Krüpfe, an denen es einen unangenehmen Luftzug gibt oder die Luftqualität schlecht ist? Oft sind die Kühe nur dort, wenn sie müssen. (Luft)
  • Sind die Trinkbecken so eingerichtet, dass rangniedere Tiere freien Zugang dazu haben und nicht verdrängt werden? (Wasser)

Das alles sind limitierende Faktoren, unter denen eine Kuh «unsichtbar» leiden kann und entsprechend weniger leistet und weniger belastbar ist. Zudem ist das Risiko für eine Erkrankung erhöht. Es lohnt sich in jedem Fall, einen ruhigen Moment auszunutzen, um die Herde aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen und vorbeugend zu handeln, indem der Kuhkomfort verbessert wird.