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Der Melkroboter läuft mit 75 Kühen auf Hochtouren

Auf dem Betrieb Ibenmoos laufen 75 laktierende Milchkühe an einem Melkroboter. Das System bewährt sich auf dem Betrieb dank gut funktionierendem Tierverkehr und dem Einhalten der Melkfrequenzen.

Kurz & bündig

- Rolf und Toni Kaufmann melken mit dem Melkroboter in 24 Stunden eine Milchmenge von rund 3000 kg. - Seit Februar 2026 haben die beiden Brüder einen neuen Melkroboter in Betrieb, vor allem aufgrund der technischen Weiterentwicklungen. - Mit 75 Kühen ist der Roboter stark ausgelastet. Faktoren wie ein gut funktionierender Tierverkehr sind besonders wichtig, damit die Melkfrequenzen eingehalten werden können.

Holstein, Red Holstein, Einkreuzungen und einzelne braune Kühe: Die Milchviehherde von Rolf und Toni Kaufmann aus dem luzernischen Kleinwangen ist bunt durchmischt.

Die beiden Brüder haben den Betrieb Ibenmoos im Jahr 2004 gekauft. Zuvor war ihr Vater Pächter des Betriebs gewesen. Seit 2013 melken die beiden Brüder mit einem Melkroboter. Diesen nahmen sie zusammen mit dem neuen Milchviehstall in Betrieb, welcher Platz für 80 Kühe bietet.

Beim neuen Stall legten Rolf und Toni Kaufmann besonders viel Wert auf einen hohen Stall mit viel Luft. Seit dem Neubau wurde wenig verändert, einzig die Boxenbügel wurden erneuert. Zusätzlich wurden Grossraumlüfter nachgerüstet.

Aktuell laufen 75 laktierende Kühe am Roboter. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 11 500 kg Milch pro Kuh und Laktation. Rolf und Toni Kaufmann produzieren mit ihrer Milchviehherde in 24 Stunden rund 3000 kg Milch: für Schweizer Verhältnisse eine überdurchschnittliche Leistung.

Mit der aktuellen Milchleistung sind Rolf und Toni Kaufmann zufrieden. Bei der Zucht setzen die beiden auf leistungsstarke Kühe mit guter Melkbarkeit.

Die Brüder Rolf (links) und Toni (rechts) Kaufmann setzen seit dem Jahr 2013 einen Melkroboter auf ihrem Betrieb ein.
Die Brüder Rolf (links) und Toni (rechts) Kaufmann setzen seit dem Jahr 2013 einen Melkroboter auf ihrem Betrieb ein.

Neuer Melkroboter seit diesem Jahr in Betrieb

Seit Februar 2026 ist auf dem Betrieb Ibenmoos ein neuer Melkroboter in Betrieb. Rolf und Toni Kaufmann haben sich für einen DeLaval VMS V300 entschieden. Dies vor allem aufgrund der technischen Erneuerungen. Besonders heben die beiden das Progesteron- und Zellzahl-Messgerät hervor. «Durch die konstante Überwachung können wir bei einem Problem schnell reagieren», sieht Rolf Kaufmann als grossen Vorteil.

Der Roboter ist mit der neusten Technik ausgerüstet.
Der Roboter ist mit der neusten Technik ausgerüstet.

Beim neuen Roboter wurde zudem ein «Flow Responsive Milking» eingebaut. Dabei wird das Vakuum an der Zitze konstant gehalten, was bei höheren Milchflüssen für einen schnelleren Milchentzug sorgt. Die Geschwindigkeit wird individuell für jede Kuh und jeden einzelnen Viertel angepasst. Das System führt zu kürzeren Melkzeiten, reduziert die Ansetzzeit der Melkbecher und ermöglicht damit einen schnelleren, sanfteren und vollständigeren Melkvorgang.

Dank der neuen Technik hat sich die durchschnittliche Boxenzeit während einer Melkung (vom Betreten bis zum Verlassen des Melkroboters) um eine Minute verkürzt. «Im Schnitt benötigt eine Kuh für eine Melkung 6 Minuten», so Rolf Kaufmann. Die Verkürzung der Boxenzeit ist wiederum hilfreich für das Einhalten der Melkfrequenz.

Mit 75 Kühen ist der Roboter hoch ausgelastet. «Wir hatten sogar schon 80 Tiere am Roboter. Dann muss aber wirklich alles reibungslos funktionieren», weiss Rolf Kaufmann aus Erfahrung.

Tierverkehr muss sehr gut funktionieren

Aufgrund der hohen Auslastung des Roboters ist es besonders wichtig, dass der Tierverkehr gut funktioniert. Dies gelingt bei Rolf und Toni Kaufmann durch gelenkten Tierverkehr, mit dem System «Milk First».

Mithilfe eines Torsystems gehen die Tiere vom Liegen übers Melken zum Fressen. Tiere, welche gerade kein «Anrecht» auf das Melken haben, gelangen direkt zur Fressachse. «Die Tiere können aber immer entscheiden, ob sie liegen oder fressen wollen», sagt Rolf Kaufmann. Generell läuft der Roboterbetrieb ruhig ab, das System funktioniert auf dem Betrieb auch mit der hohen Tierzahl gut.

Die durchschnittliche Anzahl Melkungen liegt auf dem Betrieb Ibenmoos bei 2,5 pro Kuh pro Tag. Die totale Anzahl Melkungen liegt in 24 Stunden bei rund 187. Dass der Roboter in der Nacht weniger genutzt wird, entspricht nicht der Erfahrung der beiden Brüder. «Die Auslastung ist sehr konstant, auch in der Nacht», so Rolf Kaufmann.

«Der Roboter soll nicht länger als eine Stunde pro Tag stillstehen, auch nicht beim Service», ergänzt er. Aus diesem Grund ist Rolf Kaufmann jeweils beim Service dabei und hilft mit.

Während der Laktation weiden die Kühe zudem nicht, da die Melkfrequenzen ansonsten nicht eingehalten werden können. Während der Galtzeit haben die Kühe freien Zugang zur Weide.

Der Milchviehstall bietet Platz für 80 Milchkühe. Beim Stall wurde viel Wert auf eine hohe Bauweise mit viel Luft gelegt.
Der Milchviehstall bietet Platz für 80 Milchkühe. Beim Stall wurde viel Wert auf eine hohe Bauweise mit viel Luft gelegt.

Neben den 75 laktierenden Kühen am Roboter melken Rolf und Toni Kaufmann aktuell noch weitere Kühe im Melkstand im alten Milchviehstall. Erstlaktierende werden in der Regel zwei bis drei Wochen im Melkstand gemolken, bevor sie zum Roboter wechseln. Auch Kühe, welche über längere Zeit am Roboter «zähmelkig» sind sowie kranke/verletzte Tiere werden im Melkstand gemolken.

«Wir sind 365 Tage auf Pikett», betont Rolf Kaufmann. Bei Ausfällen gibt es weniger Handlungsspielraum, was auch zu mehr Stress für die Betriebsleiter führen kann.

«Weniger Kühe zu halten, ist sicher kein Thema», so Rolf Kaufmann. Es ist auch schon die Überlegung aufgekommen, einen zweiten Roboter zu kaufen. Dazu wären aber bauliche Massnahmen erforderlich.

Aktuell sind die beiden Brüder mit dem Melksystem zufrieden. «Es gibt immer wieder technische Fortschritte. Vieles kann beim Roboter auch nachgerüstet werden», sagt Rolf Kaufmann.

Betriebsspiegel Ibenmoos

Rolf und Toni Kaufmann, Kleinwangen LU LN: 47 ha Kulturen: Kartoffeln, Silomais, Weizen, Kunst- und Naturwiese Tierbestand: 105 Milchkühe Weitere Betriebszweige: Reinigung von Solaranlagen, Lohnarbeiten im Futter- und Ackerbau (Mähen, Silieren, Mais-Säen) Arbeitskräfte: Rolf und Toni Kaufmann, 2 Angestellte (80 und 100 %), saisonale Aushilfen