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Zwei Föten brauchen 66 Prozent mehr Energie

Die Ablammsaison ist bereits im vollen Gange oder steht kurz bevor. Die Auen haben in dieser Zeit einen besonders hohen Nährstoffbedarf, vor allem mit Mehrlingen.

Schafen reicht in der Regel Gras und dessen Konserven wie Silage oder Dürrfutter allein als Futtermittel aus. In gewissen Situationen aber, wie z. B. kurz vor dem Ablammen und während der Laktation, steigt der Nährstoffbedarf der Tiere deutlich an. Vor allem bei Mehrlingsgeburten ist eine gute Versorgung essenziell: «Der Bedarf an Nährstoffen steigt pro Tag von 9 MJ NEL bei einem Lamm auf 15 MJ NEL bei zwei Lämmern an. Das sind somit 66 Prozent mehr, wenn eine Zwillingsgeburt vorliegt», weiss Jonas Salzmann von der UFA AG.

Er empfiehlt deshalb, nach Möglichkeit eine Ultraschalluntersuchung im dritten oder vierten Trächtigkeitsmonat durchführen zu lassen, um die Anzahl der Föten zu bestimmen und das Futter dementsprechend anzupassen. Im Optimalfall sollten Gruppen anhand der Anzahl Lämmer gebildet und unterschiedlich gefüttert werden, sagt er.

Nur das beste Futter für die Aue

Während Auen mit nur einem Lamm im letzten Trächtigkeitsmonat ein Verzehrvermögen von 1,5 kg TS haben, steht Auen mit Zwillingsträchtigkeit nur noch rund 1/3 des vollständigen Pansenvolumens zur Verfügung. «Das entspricht einem Verzehrvermögen von rund 1,2 kg TS», so Jonas Salzmann. Um so wichtiger sei, zu diesem Zeitpunkt nur das beste Grundfutter zu füttern. Was bedeutet das? «Bei Mehrlingsträchtigkeiten sollte die Gesamtration mindestens 5,7 MJ NEL enthalten. Das heisst Heu oder Grassilage zusammen mit Maissilage sind geeignete Raufutter», gibt er an. Dabei liege die Energiedichte bei Heu oder Grassilage bei über 5,4 MJ NEL (1. Schnitt) und enthält +/−130 bis 150 g Rohprotein. Die Maissilage mit 35 Prozent TS besitzt eine Energiedichte von 6,8 MJ NEL.

Am einfachsten liesse sich aber die Nährstoffdichte mit einem energiereichen Ergänzungsfutter anheben, welches spezifisch für Schafe konzipiert ist. Hier ist der Anteil an schnell fermentierbaren Kohlenhydraten reduziert. Was den Vorteil hat, dass die Passagerate im Pansen durch das Kraftfutter nicht beschleunigt wird. PH-Schwankungen sowie der Breinierenkrankheit wird ebenso vorgebeugt.

Ration muss konstant gehalten werden

Eine Fütterungsumstellung sollte über das Ablammen nicht erfolgen, rät Salzmann. D. h. zwischen dem 5. Trächtigkeitsmonat bis zur 6. Laktationswoche sollte die Ration konstant gehalten werden. «Die Pansenmikroben benötigen rund zwei bis drei Wochen, bis sie sich an eine neue Ration angepasst haben. In dieser Umstellungsphase sinkt die Fermentationsleistung im Pansen, und es gelangen zu viele Nährstoffe in den Darm, begründet er. Damit steige die Durchfallgefahr, was zu einer schlechteren Futterverwertung und somit ebenfalls zu einer geringeren Nährstoffabsorption führe. Mit dem Einsatz von Ergänzungsfutter sollte deshalb bereits zu Beginn des fünften Trächtigkeitsmonats begonnen werden. Durch eine kontinuierliche Steigerung bis zum Ab­lammen würden die Auen somit keine Fütterungsumstellung durchmachen.

«Das Schlimmste ist, bis zum Ablammen nichts zu füttern und direkt nach dem Ablammen +400 g Kraftfutter zu verabreichen. 400 g Kraftfutter bei einem Verzehr von +/- 2,4 kg TS machen 16 % des Gesamtverzehrs aus, was eine enorme Fütterungsumstellung ist», so Salzmann. Das selbe gelte auch für jegliches Raufutter.

Kolostrum in den ersten vier Stunden

In den ersten vier Lebensstunden müssen die Lämmer Kolostralmilch erhalten. Laut Jonas Salzmann reichen einmalig rund 150 ml Kolostrum aus, damit das Lamm eine genügende passive Immunität aufbauen kann. Sollte die Milchleistung des Muttertieres nicht ausreichen, hilft es, spätestens nach 14 Tagen Festfutter in Form von Kraftfutter und Raufutter anzubieten. Früher mache es keinen Sinn, da der Pansen von Lämmern als Monogastriern erst in der zweiten bzw. dritten Lebenswoche beginnt zu funktionieren.

Heu anstelle von Emd geben

In einem Lämmerschlupf können die Lämmer gezielt gefüttert werden. «Wichtig dabei ist, dass sie vorzugsweise bestes Heu anstelle von Emd erhalten», so Salzmann. Rohfaserreiches Futter unterstütze die optimale Entwicklung des Pansenvolumens. Zudem biete der Lämmerschlupf die Möglichkeit, den Lämmern spezifisches Lämmerfutter anzubieten. «Die Kombination aus Rau- und Kraftfutter sorgt für eine ausgewogene Fettsäurebildung im Pansen. Propion- und Essigsäure dienen dem Lamm als Energiequelle. Die Buttersäure wird mehrheitlich zur Zelldifferenzierung der Pansenwand benötigt und beeinflusst somit die Entwicklung der Pansenzotten positiv», zählt er die Vorteile des Ergänzungsfutters auf.

Er warnt aber: Die Buttersäurebildung steigt, je höher der Kraftfuttereinsatz ist. Damit nehme die Gefahr einer Pansenazidose zu, was die Pansenwand bzw. die Pansenzotten irreversibel schädigen kann. Man geht sicher, wenn man ein Lämmerfutter wählt, welches leicht gepuffert ist oder einen hohen Rohfaseranteil enthält.

Die Lämmermast ist sehr rentabel

[IMG 2] Lämmer mit einem Lebendgewicht von 15 kg fressen bereits rund 600 g TS pro Tag. Pro 5 kg Zunahme steigt der Verzehr um 0,2 kg TS. Mit 40 kg LG liegt der Verzehr bereits bei 1,6 kg TS. Mit den stabil hohen Markterlösen seit Mai 2020 von weit über Fr. 13.–/kg SG (T3 Lämmer) ist die Lämmermast sehr rentabel. Viele Schafbetriebe spezialisieren sich darauf und zielen auf drei Ablammungen in zwei Jahren. Mit einheimischen, asaisonalen Rassen wie z. B. dem Weissen Alpenschaf (WAS) oder dem Schwarzbraunen Bergschaf (BFS), welche gute Muttereigenschaften aufweisen, ist dies möglich. Nach dem Absetzen können die Lämmer mit Gras- und Maissilage sowie einem passenden Ergänzungsfutter ausgemästet werden. Tageszunahmen von bis zu 350 g sind anzustreben. Da Lämmer auch über das Kompensatorische Wachstum verfügen, können diese gesömmert und im Herbst in kurzer Zeit ausgemästet werden. Jonas Salzmann, UFA AG

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