Man stelle sich zwei Landwirtschaftsbetriebe vor: Dieselbe Futterration, eine vergleichbare Topografie, dieselbe Tiergenetik – und doch unterscheidet sich die Milchleistung um 2,5 kg Milch pro Tier und Tag. Wie kommt es zu einem solchen Unterschied?
Zwei Silagen untersucht
Daniela Marthold, Technical Sales Manager des Futterzusatzstoffherstellers Lallemand Animal Nutrition, präsentierte an der Trinova-Milchviehfütterungs-Tagung in Sursee LU unter dem Thema «Faserverdaulichkeit» Versuchsergebnisse eines Praxistests, bei dem zwei unterschiedliche Grassilagen untersucht wurden.
«Seit eh und je wird die Weender-Analyse (Grundfutteranalyse) angewendet, die zwar weltweit standardisiert ist, aber den Faseranteil des Futters nicht genauer definiert», erklärt Marthold. «Einzig der NDF-Gehalt (Zellwände ohne Inhaltsstoffe) wird beachtet, davon aber nicht der genaue Anteil, welcher tatsächlich verdaut werden kann.» Der NDF-Gehalt beider Betriebe im Beispiel sei gleich, der Prozentanteil der NDFd (verdaulicher Anteil der Zellwände) unterscheide sich jedoch um 20 Prozentpunkte.
Die Erntetechnik ist entscheidend
Doch wie lässt sich die Verdaulichkeit des betriebseigenen Futters erhöhen? Daniela Marthold erwähnt dabei folgende Einflussfaktoren und wie diese bei der Ernte beeinflusst werden können:
Schnittlänge: Häufig ist die Schnittlänge eher zu lang, aus Angst vor einer allfälligen Pansenazidose. Kürzere Silage sorgt für eine schnellere Futteraufnahme. So ist die Wiederkauzeit länger, wodurch der pH-Wert besser abgepuffert wird. Es braucht jedoch ein gesundes Mittelmass im Bereich von 10 bis 40 mm tHL (theoretische Häcksellänge).
Schnitthöhe: Die Schnitthöhe darf nicht unter 6 cm betragen. Ansonsten führt der reduzierte Nachwuchs zu einem höheren Anteil an unverdaubarem NDF. Allfällige Verunreinigungen begünstigen zudem Nacherwärmungen. Zudem stimmt das Blatt-/Stängelverhältnis nicht, so steigt zwar die TS-Aufnahme, aber nur mit unverdaubarem NDF.
Schnitttechnik: Grundsätzlich ist die NDF-Aufnahme auf der Weide besser, da die Zellwandintegrität nicht durch die Liegezeit, Konservierung und aerobe Instabilität geschädigt wird. Fasern mit stark beschädigten Zellwänden sinken im Pansen nach unten (schwimmen nicht im Pansensaft) und werden somit nicht gut wiedergekäut. Somit gilt: Je höher die Zellwandintegrität, desto mehr NDF kann die Kuh aufnehmen. Konkret heisst dies, vom Schnitt bis zum zugedeckten Silo darf nur eine Zeitspanne von einem Tag vorliegen und der TS-Gehalt darf nicht zu hoch sein, damit das Silo besser verdichtet werden kann.
Auswirkungen von zu langen Häckselstrukturen
Doch warum kann eine Silage auch zu lange Häcksellängen beinhalten? «Je länger die Futterpartikel sind, desto schlechter die Bedingungen für den Pansen», so Daniela Marthold. «Bei einem Pansen-pH-Wert von 5,8 für mindestens vier Stunden am Tag spricht man von einer ‹subklinischen Azidose›.» Die Dauer, in der dieser Wert erreicht wurde, war bei dem von Marthold vorgestellten Versuch bei längerer Silage (44 mm) doppelt so lang. Diese Form der Azidose habe in diesem Fall nichts mit Stärke oder Zucker zu tun, sondern mit der Futterselektion (länger gehäckseltes Futter lasse sich besser selektieren), aber auch dem Futtertischmanagement.
Weitere Ursachen für Pansenazidose
Eine «subklinische Azidose» könne auch durch verdorbene Silage entstehen, so Daniela Marthold. Bei einem weiteren Versuch wurde von 0 bis 75 % verdorbene Silage in die Fütterung eingebracht. Erst ging die Futteraufnahme zurück (zwischen 0,5 bis 1,3 kg TS pro Tier und Tag). Innerhalb von 24 Stunden ändert sich das Verhältnis der Pansensäuren, was dazu führt, dass sich unerwünschte Mikroorganismen schneller vermehren können. Also nicht solche, die Fasern abbauen. Dieser Effekt verstärkt sich immer mehr, wenn dadurch der pH-Wert immer stärker gesenkt wird, und somit unerwünschte Mikroorganismen bevorzugt werden.
Einsatz von Siliermitteln
«Der Einsatz von Siliermitteln kann die Mikrobiologie der Silage verbessern. Er hilft, die Diversität der Bakterienpopulation zu reduzieren, somit können die Fermentationsbedingungen im Pansen verbessert werden.» Weiter könne mit dem Einsatz von Siliermitteln die aerobe Stabilität gesteigert werden, was zu einer verbesserten Zellwandintegrität führe. Dieser Prozess beginne etwa zwei bis vier Wochen nach dem Silieren.
«Vom Tag der Silierung bis etwa zum 16. Tag merkt man noch keinen Unterschied. Etwa nach zwei Wochen aber, übernehmen die zugesetzten Milchsäurebakterien in der Silage die Oberhand», sagt Marthold. «Sie verdrängen dann die unerwünschten Mikroorganismen.» So habe man eine geringere Pansenbelastung, was zu einer verbesserten Pansenfermentation führe und womit sich die NDF-Verdaulichkeit verbessern würde.
Wie lässt sich nun der Anteil unverdaubarer NDF verringern? Es sind viele Punkte im Fütterungsmanagement zu beachten. Die Erntetechnik und Futterkonservierung tragen einen grossen Anteil bei.

