Die Mineralstoffversorgung in der Mutterkuhhaltung war am Dienstag, 27. September 2022 Thema am Online-Fachabend vom Strickhof in Lindau ZH. Wie im Pflanzenbau gilt auch in der Mutterkuhhaltung das Gesetz des Minimums: Sind genügend andere Nährstoffe vorhanden, aber es fehlen Mineralstoffe, sind diese limitierend, das heisst, die Kuh oder das Kalb kann nicht mehr produzieren, als die vorhandenen Mineralstoffe zulassen. Es lohnt sich deshalb, in der Mutterkuhhaltung eine genügende Versorgung zu gewährleisten.
Mangel schwer erkennbar
Sanja Stuber, Fachlehrerin Fütterung am Plantahof, sagte, grundsätzlich sei ein Mineralstoffmangel sehr schwer erkennbar. Oftmals deuten nur sogenannte versteckte Symptome auf einen Mangel hin, so zum Beispiel wenn eine Kuh weniger Milch gibt, das Kalb weniger wächst oder die Tiere krankheitsanfälliger sind oder weniger fressen. Ausserdem können bei Mangelerscheinungen Fruchtbarkeits- und Klauenprobleme auftreten.
Dennoch gibt es laut Studer neben den versteckten auch offene Symptome wie Lecksucht, also wenn das Tier an Stangen, Holz und Steinen leckt. In diesem Fall sei definitiv ein Mangel vorhanden, so die Expertin. Die erkennbaren Symptome sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs.
Grundfutter als Basis
Ob und welche Mineralien ergänzt werden sollen, kommt auf das Grundfutter, die Jahreszeit und das Tier an. Folgende Grundsätze können laut Sanja Stuber beachtet werden:
- Grundfutter: Ist ein ausgewogener Wiesenbestand mit 20 % Klee, 20 % Kräuter und 60 % Gras vorhanden, ist ein ausgewogener Mineralstoff empfohlen, bei klee- und kräuterreichen Wiesen sowie extensiven Weiden empfiehlt Stuber einen phosphorreichen Mineralstoff. Bei einer Maissilage in der Ration sollte ein kalziumreicher Mineralstoff gewählt werden. Sie betont jedoch, dass es dabei unumgänglich ist, vorgängig eine Analyse der Mineralstoffgehalte im Grundfutter zu machen.
- Leistung: Je höher die Leistung, desto höher der Mineralstoff-bedarf.
- Tiere beobachten: Kontrollieren, ob das Mineralfuttermittel auch gefressen wird. Im Zweifelsfall kann das Blut oder das Fell analysiert werden.
- Viehsalz: Natriummangel hat vor allem Fruchtbarkeitsstörungen zur Folge. Viehsalz ist deshalb unverzichtbar.
- Galtphase: Einen Mineralstoff mit möglichst wenig Kalzium und Phosphor verfüttern.
- Jahreszeit: Im Frühjahr sollte wegen der Gefahr von Weidetetanie ein magnesiumreicher Mineralstoff gewählt werden.
- Kälber: Vor allem die ersten Wochen sind heikel. Eisen und Selen sollten nach der Geburt oral oder über eine Spritze verabreicht werden. Sobald Raufutter gefressen wird, ist der Bedarf an Mineralien normalerweise gedeckt. Ein Selenmangel wird meistens von der Mutter auf das Kalb übertragen.
- Wechselwirkungen: Mineralstoffe können sich gegenseitig hemmen. So muss bei einem Kali-Überschuss auf dem Betrieb im Frühling ein besonderes Augenmerk auf eine genügende Magnesiumzufuhr gelegt werden, da zu viel Kalium die Magnesiumaufnahme hemmt. Es muss auch darauf geachtet werden, dass nicht überdüngt wird.
Unbedingt im Mineralstoff sollte Selen enthalten sein, betont nebst Sanja Stuber auch Tierarzt Beat Berchtold. Selen ist, wie Jod, in den Schweizer Böden wenig enthalten. Ein Mangel kann zu Totgeburten führen. Nicht nur Mängel können jedoch zu Problemen führen. Ein Eisenüberschuss zum Beispiel führt zu Nachgeburtsverhalten. Die Ursache davon können verrostete Tränken sein.
Ad libitum gute Möglichkeit
Fazit: Es ist ungünstig, so Sanja Studer, ein Tier das ganze Jahr hindurch mit dem gleichen Mineralstoff zu füttern. Dass Jahreszeit und Fütterung einen grossen Einfluss auf die Versorgung mit Mineralstoffen haben, bemerkt auch Flavio Ferrari, der am Strickhof Wülflingen für die Fleischrinderzucht verantwortlich ist. Ihm fällt auf, dass bei der Umstellung von der Sommer- zur Winterfütterung die Kühe sehr viel mehr lecken als vorher, sagt er. Bei der Verabreichung des Mineralfutters hat er gute Erfahrungen damit gemacht, einen Teil ins Futter zu mischen und einen Teil separat ad libitum zur Verfügung zu stellen, falls es Tiere gibt, die einen Mehrbedarf haben.
Der nächste Strickhof Fachabend findet am 25. Oktober 2022 zum Thema Hof- und Weidetötungen statt, weitere Infos und die Anmeldung finden Sie auf der Website des Strickhofs.

