Seit 2012 begleitet Ralph Manz als Wolfmonitoring-Beauftragter der Fachstelle Kora die Rückkehr der Wölfe in der Schweiz. Nun ist Schluss: Er verlasse Kora per Ende Januar 2024 und wechsle zu Pro Natura Oberwallis, gab Manz am Donnerstag an der Fachtagung Herdenschutz in Köniz BE bekannt.

Führen Abschüsse zu mehr Rissen?

Manz reagiert damit auf den Entscheid des Bundesrates, schon ab Dezember die präventive Entnahme von Wolfsrudeln zu erlauben. «Die Revision Rösti tue ich mir nicht mehr an», sagte Lanz vor Vertretern des Herdenschutzes: «Ich habe miterleben dürfen, wie der Woflsbestand angestiegen ist und möchte das ,was jetzt kommt, in dieser Nähe nicht mehr miterleben». 

Manz nutzte die Gelegenheit für scharfe Kritik an der geplanten drastischen Reduktion der Wolfpopulation – und stellte deren Nutzen für die Tierhaltung in Frage. Ein ganzes Rudel auf einen Schlag zu erlegen, sei praktisch unmöglich. Die Wildhut müsse die Tiere in einem Moment erwischen, in dem das ganze Rudel beisammen sei – und genau in diesem Augenblick alle Tiere gleichzeitig abschiessen. Gelinge dies nicht, könnten die Überlebenden entkommen – darunter unerfahrene Wölfe, die eher zu Rissen von Nutztieren neigten.  [IMG 2]

«Rudel, die Störungen unterliegen, machen häufiger Risse», befürchtet er: «weil die adulten Wölfe fehlen, die sagen,  wann, wo und was gejagt wird».  In der Schweiz bestehe die Beute zu 90 Prozent aus Schalenwild. Manz verwies auf Untersuchungen in Lettland. Diese zeigten, dass «Revierverschiebung, Rudelzerstörung und vorzeitige Ausbreitung junger Wölfe» häufig zu Problemen führten.

  AboNeue JagdverordnungJetzt geht es dem Wolf an den Kragen – oder doch nicht?Mittwoch, 8. November 2023Im Umgang mit dem Wolf habe die Landwirtschaft drei «Lebensversicherungen», so Manz und nannte gesunde Schalenwildbestände, implementierten Herdenschutz in der Fläche und ein intelligentes Management als Garanten für die Koexistenz von Raub- und Nutztier. «Ob das Management, das wir jetzt bestreiten werden, intelligent ist, werden die nächsten Jahre zeigen», sagte er.

Fehlende Gelder ein «Fiasko«

Isa Steenblock vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) zeigte sich dagegen optimistisch, dass mit der auf 2025 geplanten definitiven Inkraftsetzung der neuen Jagdgesetzgebung etwas Ruhe einkehren werde. Nach einer zehnjährigen Pionierphase sei es nun Zeit für den Übergang in einen geregelten Betrieb. Für Diskussionen sorgte an der Tagung vor allem die fehlende Planungssicherheit aufgrund der immer wieder stockenden Finanzierung des Herdenschutzes durch den Bund. Im Sommer sei es zu einem Stillstand gekommen, weil das vom Parlament gesprochenen Geld «schon Ende Mai ausgegeben war», räumte Steenblock ein. 

Heinrich Wachter von der kantonalen Koordinationsstelle Herdenschutz Luzern sprach von ein einem «Fiasko». Das Geld sei nach dem «Windhundprinzip» verteilt worden. Steenbock wies die Verantwortung dafür von sich. Nicht das Bafu, sondern die Politik entscheide, wieviel Geld zur Verfügung stehe.

Kein Herdenschutz nur für Direktzahlungen

AboSofortmassnahmenKein Geld mehr für den HerdenschutzFreitag, 30. Juni 2023Zu Reden gab auch die im landwirtschaftlichen Verordnungspaket  2023 vorgesehenen Zusatzbeiträge von 250 Franken pro Normalstoss für Alpen, die einzelbetrieblichen Herdenschutzkonzepte umsetzen. Bei der Berechnung sei darauf geachtet worden, dass es keine Doppelfinanzierung gebe für Kostenstellen, für die bereits Herdenschutzbeiträge entrichtet werden, erklärte Andrea Koch vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW.

Bedingung für die Zusatzbeiträge sei das Vorhandensein eines anerkannten Herdenschutzkonzepts. Wo es – wie beim Rindvieh – kein offiziell anerkanntes Konzept gebe, könnten die Kantone selbst über die Gültigkeit von Massnahmen entscheiden. «Wir wollen nicht, dass man Herdenschutz betreibt, nur um Direktzahlungen auszulösen», sagte Koch. In Gebieten ohne Gefährdung durch den Wolf sei der Zusatzbeitrag deshalb auch kein Thema.