Anfang Oktober fand in Martigny im Wallis, zwischen dem Amphitheater und dem Messezentrum «La Foire du Valais», die wichtigste Publikumsmesse der Westschweiz statt. Auch die Eringerzucht war an der Messe präsent. Viele Züchterfamilien führten zirka 115 Eringer-Jungstiere auf den Schauplatz. Es herrschte ein emsiges Treiben, die Tiere, geboren zwischen dem 5. September 2020 und dem 1. März 2021, waren zum Teil nervös und etwas übermütig. Die vielen Helferinnen und Helfer hatte alle Hände voll zu tun, um ihre Lieblinge in Schach zu halten. Der OK-Präsident Benoît Berguerand und sein Team boten überall ihre Unterstützung an. Die ersten «Schlachtenbummler» trafen ein, stellten Stühle und Tische auf und begrüssten sich überschwänglich.

«Eringervieh gehört zu mir»

Inmitten des fröhlichen Trubels bewegt sich Fabien Sauthier, seit März Präsident des Schweizerischen Eringerviehzuchtverbands (SEZV). Er ist die Ruhe selbst, beantwortet Fragen von Journalisten, zeigt ihnen die für sie besten Plätze, bleibt hier stehen für ein Fachgespräch mit Züchterinnen und dort für einen Schwatz mit Bekannten, nimmt Anrufe entgegen und unterhält sich mit den drei Richtern, welche die Jungstiere punktieren werden. Es ist offensichtlich, er fühlt sich wohl in dieser Umgebung. Er nimmt sich Zeit fürs Publikum, streicht dort einer Eringerkuh über den Kopf und klopft einem jungen Stier auf den Rücken. 

Eringer gehören seit Kindheit zu seinem Leben

«Ich liebe diese Tiere», sagt er lachend, «seit ich denken kann. Eringervieh gehörte schon immer zu meinem Leben.» Sein Vater war Uhrmacher, die Familie hielt daneben einen kleinen Bauernhof. Fabien machte eine Lehre als Schreiner, daneben galt es, auch daheim anzupacken. Später bewarb er sich beim Militärdepartement in Saint-Maurice, Abteilung Sicherheit, wo er 25 Jahre arbeitete. 1997 stirbt plötzlich sein Bruder, der einen Betrieb hält mit 50 GVE Eringervieh, an einem Herzinfarkt. Während dessen 13-jähriger Sohn Sébastien die Schulzeit beendet und die bäuerliche Aus- und Weiterbildung absolviert, engagiert sich sein Onkel Fabien, neben seinem Vollzeit-Beruf, auf dem Hof als Betriebsleiter. Daneben ist er Präsident der Milchgenossenschaft Vollèges, Mitglied im Organisationskomitee der Ringkuhkämpfe Vollèges-Levron und unterstützt den FC Vollèges.

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Der Einstieg in die Politik

2008 steigt Fabien Sauthier als Gemeinderat seiner Wohngemeinde Vollèges in die Politik ein, später in die Gemeinde Val de Bagne, die durch den Zusammenschluss von mehreren Dörfern neu entstanden ist. Ab 2011 betreibt er während fünf Jahren zusammen mit seiner Frau Christine ein Café. Heute fungiert er als Präsident der Raiffeisenkasse des Bezirks Entremont. Auf die Frage, weshalb er sich angesichts seiner reich befrachteten Liste von Engagements um das Präsidium des SEZV beworben habe, sagt er: «Ich fühle mich in der bäuerlichen Umgebung wohl. Krankheitshalber musste ich mich in den letzten Jahren etwas zurückziehen. Nun habe ich mein berufliches und gesellschaftliches Leben neu organisiert und kann mit 60 Jahren nochmals durchstarten.» Der Eringer-Verband zählt schweizweit 12 000 Grossvieheinheiten und 800 Mitglieder, rund zehn Prozent sind davon ausserhalb des Kantons Wallis. Als vorläufig wichtigste Aufgaben sieht er als Präsident, die Rasse Eringer zu festigen und zu schützen, das gelte übrigens für alle Ur-Rassen, seien es Kühe, Schafe oder Ziegen.

Eringer haben viele Vorteile

Für seine Rasse Eringer nennt er diese Inhalte: «Produktion, Widerstandsfähigkeit, Reinheit, Geselligkeit und kämpferisches Talent». Weiter gelte es, die Kommunikation zwischen dem Vorstand und der Basis, zwischen den regionalen Vereinen sowie zwischen den Züchterfamilien im Wallis und in den anderen Kantonen zu verbessern. Nicht ohne Stolz erwähnt er die fünf Newsletter, die seit der letzten Delegiertenversammlung per E-Mail an alle Mitglieder verschickt worden seien. Dass er nicht nur ein Mann der Worte ist, beweist er am aktuellen Anlass. Er nimmt sich Zeit für Gespräche und geht stundenlang auf dem Platz, in der Arena und im riesigen Festzelt umher.

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Traditioneller Ringkuhkampf «Foire du Valais»
Am Sonntag, 3. Oktober, fand der traditionelle «Foire du Valais»-Ringkuhkampf statt. 2500 Personen strömten in die Arena des Amphitheaters. Es gewann die 10-jährige Nairobi, zum dritten Mal in Folge. Sie gehört der Familie Jean-Baptiste Pralong, Som-la-Proz, ein Weiler nahe von Orsières. Eringerkühe gehören oft nicht einer Person, sondern der ganzen Familie, die sich an den Tagen der Kämpfe liebevoll um sie kümmern, sie liebkosen und rühmen. «Wir sind alle so stolz», sagt Sabrina Pralong, Cousine von Jean-Baptiste, und man spürt ihr Strahlen durchs Telefon, «dass Nairobi zum dritten Mal diesen wichtigen Kampf gewonnen hat.» Dabei sei zu erwähnen, dass sie mit ihren 619 Kilogramm gegen eine Gegnerin mit 756 Kilogramm gewonnen habe. «Nairobi ist eine tolle Kämpferin», freut sich Sabrina, «sie gewann auch die letzten zwei Male gegen schwerere Kühe.» Dies war der letzte Ringkuhkampf dieses Jahr. Aber die Züchterfamilien und die Liebhaber dieser Rasse träumen bereits vom nächsten Jahr. 

100 Jahre Schweizerischer Eringerviehzuchtverband
Letztes Jahr konnte das 100-Jahr-Jubiläum des schweizerischen Eringerviehzuchtverbands (SEZV) aus bekannten Gründen nicht gefeiert werden. «Wir wollen die geplanten Feierlichkeiten nun nicht weiter hinausziehen, sondern sie dieses Jahr in abgespeckter Form durchführen», hält Präsident Fabien Sauthier fest. Schliesslich sei es wichtig, in die Zukunft zu schauen. So wurde der 79. Zuchtstiermarkt, der üblicherweise in Châteauneuf stattfindet, nach Martigny beim Amphitheater verlegt, neben die berühmte zehntägige «Foire du Valais» (Walliser Messe mit rund 220 000 Besucherinnen). Zudem traten nicht nur Jungstiere auf, es wurden extra für einen Wettbewerb 23 prächtige Kühe aufgefahren. Die vierjährige Kuh Mirza von der Familie ­Jérôme Rossoz wurde als «Miss 100-Jahr-Jubiläum SEZV» gewählt, und zwar vom Publikum. Fabien Sauthier schmunzelt und sagt: «Es war unterhaltsam, von Laien zu hören, weshalb ihnen eine Kuh gefällt.» Die BauernZeitung fragte beim OK-Präsidenten Benoit Berguerand nach, weshalb der Anlass mit «Stiermarkt» (marché de taureaux) überschrieben sei, denn offensichtlich wurden die Tiere taxiert, aber keine ge- oder verkauft. «Bis in die 1980er-Jahre hinein galt der wichtigste Teil des Anlasses dem Handel», erklärt er. Doch heute würden andere Plattformen dafür benützt.