Bereits seit April 2020 befassen sich Forscher(innen) vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Agridea und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) mit der Thematik Nutzungsdauer von Schweizer Milchkühen. Im Zentrum steht die Frage, warum knapp die Hälfte der Schweizer Milchkühe weniger als drei Laktationen genutzt werden, obwohl eine lange Nutzungsdauer aus vielerlei Hinsicht wünschenswert wäre.
Wissen aus 20 Jahren Herdebuchdaten
Die Auswertungen von Herdebuchdaten über 20 Jahre zeigen, dass die Milchleistung bis mindestens zur fünften Laktation ansteigt. Hingegen lag die durchschnittliche Nutzungsdauer bei den verbreiteten Milchkuhrassen in der Schweiz im Jahr 2019 zwischen 3 und 3,8 Laktationen. Somit wird das Milchleistungspotenzial nicht vollständig ausgeschöpft.
Die Auswertungen der Herdebuchdaten skizzieren auch ein Bild der langlebigen Kuh. Diese hat zwar eine niedrigere Einstiegsleistung, zeichnet sich aber vor allem durch eine hohe Lebtagesleistung, bei guter Eutergesundheit, mit von Beginn an niedrigeren Zellzahlen und einer langen Fruchtbarkeit aus.
Rückmeldungen aus der Praxis
Übereinstimmend mit der Auswertung der Herdebuchdaten zeigte auch der Austausch mit Landwirt(innen) in projektbezogenen Arbeitskreisen, dass vor allem Fruchtbarkeits- und Eutergesundheitsprobleme die zwei häufigsten Abgangsursachen auf Schweizer Milchviehbetrieben ausmachen. Weitere genannte Gründe waren Leistungsschwäche, ein unruhiges Gemüt und der Aspekt, ob ein Tier zur Betriebsstrategie passt.
Dementsprechend erfolgt auch die Remontenauswahl bzw. die Entscheidung, welche Tiere auf dem Betrieb verbleiben dürfen. Fruchtbare, gesunde sowie funktionale, ruhige und problemlose Tiere, die ins Betriebskonzept passen, werden bevorzugt – so die Rückmeldung der teilnehmenden Landwirt(innen).
Vergleich von Betrieben
Ein im Projekt durchgeführter Vergleich zwischen Betrieben mit langer (im Mittel 5,3 Laktationen) und kurzer Nutzungsdauer (im Mittel 3,1 Laktationen) zeigte, dass Erstere häufiger Laufstallsysteme anstatt Anbindeställe, geräumigere Liegeboxen mit Kalk-Stroh- bzw. Mist-Stroh-Matratze nutzten. Die Betriebe mit langer Nutzungsdauer setzten zudem ganzjährig auf eine weniger proteinbetonte Fütterung, die mit einer geringeren Stoffwechselbelastung der Leber mit Ammoniak einhergeht.
Darüber hinaus spielt auch ein hoher Remontierungsdruck eine bedeutende Rolle für die Nutzungsdauer. So führt dieser häufig dazu, dass Kühe, neben Gesundheitsproblemen, auch gemerzt werden, um Platz für Erstkalbinnen zu schaffen. Der Praxisvergleich zeigte in diesem Punkt, dass Betriebe mit langer Nutzungsdauer besonders die Rinder, aber auch häufig die Kühe mit Fleischrassen belegen.
Was sind Ihre Erfahrungen?
Das Ziel der Forscher(innen) ist es, aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Projekt, praxistaugliche Strategien zur Verlängerung der Nutzungsdauer zu entwickeln. Um die bisherigen Erkenntnisse breiter abzustützen, wird die Hilfe von Landwirt(innen) benötigt. Es werden Antworten zu folgender Frage benötigt: Welche Bedeutung hat die Nutzungsdauer für Ihren Betrieb und welche Remontierungsstrategie verfolgen Sie?
Die Online-Befragung dauert nur wenige Minuten. Wenn Sie hier klicken, gelangen Sie direkt zur Umfrage, wo Sie Ihren Input ins Projekt einbringen können.

