Der australische Rinderzüchter Jon Wright hält nichts von der «Angusifizierung», die aktuell im Land stattfindet. Er setzt bei der Züchtung auf Futtereffizienz. Die Rasse seiner Stiere und Kühe, eine Kreuzung aus Angus-Bullen und Shorthorn-Kühen, nennt er deshalb «blue-E». Das Blau im Namen spielt auf die leicht bläuliche Fellfarbe seiner Tiere an. Das «E» steht für Effizienz.
Auf dem 1200 Hektar grossen Betrieb Coota Park im australischen Bundesstaat New South Wales führt er Futterversuche durch, um genau zu überprüfen, welche Kreuzungen das Futter am effizientesten verwerten. Die auf der Farm erhobenen Daten werden im Anschluss mithilfe verschiedener Universitäten an ein kanadisches Institut übermittelt, das dann die Resultate der Messungen liefert. Ihre Datengrundlage basiert auf einem Untersuchungszeitraum von 25 Jahren.

Täglich 80 Tiere auswerten
Um genau testen zu können, wie viel ein spezifisches Tier frisst und wie hoch die Tageszunahme ist, sind die Versuchstiere mit einem ID-Transponder ausgestattet. Die Messstation auf der Farm kann täglich Daten von 80 Tieren messen. Der Transponder misst die Kauaktivität 24 Stunden lang. Zum Ermitteln der gefressenen Menge misst das Team auf dem Betrieb die Differenz im Futtertrog.
Das eingesetzte Futter besteht zu 70 % aus Hafervollkorn und zu 30 % aus Luzerne. Durch den hohen Haferanteil stellt die Ration eine gute Energiequelle dar, während die Luzerne den Proteingehalt erhöht.

Laut Jon Wright besteht die australische Rinderpopulation momentan zu 70 % aus Angus-Tieren, was seiner Meinung nach «ein wenig verrückt» ist. Australien habe sich sozusagen «in ein Silo mit einer einzigen Rasse gequetscht.» Das Marketing der Rasse habe sehr schnell viele Leute erreicht, was den «Angus-Boom» zur Folge gehabt habe. Wichtig sei jedoch nicht eine Reinrassigkeit, sondern ein Züchten auf leichtere Kühe, die auch weniger Futter benötigen.
Züchten auf geringere Methan-Ausscheidung
Die Zuchtziele des Betriebes Coota Park sind die Nutzung des Heterosiseffekts, eine hohe Fleischqualität und eine gute Marmorierung, gute Fruchtbarkeit und schliesslich eine hohe Futtereffizienz mit damit einhergehender Reduktion der Methan-Emissionen.
Der Betriebsleiter möchte sich weniger auf die äusseren Faktoren und vielmehr auf die nachhaltigen Zuchtwerte fokussieren. «Eine 600 Kilogramm schwere Kuh, deren Kalb gerade abgesetzt wurde, würde bis zu 18 Kilo pro Tag fressen, wenn man sie liesse. Sie würde sich und ihre Trächtigkeit aber mit fast halb so viel Trockensubstanz erhalten können», sagt Jon Wright. Für die Reduktion der Futteraufnahme selektiert er Tiere, die futtereffizient sind, und setzt ergänzend entsprechende Management-Strategien um.
In Australien habe man bisher bewusst auf Farbe und grosse Tiere mit einer ausgeprägten Fleischmarmorierung gezüchtet, hält Wright fest. Dabei seien noch viele andere Zuchtmerkmale wichtig, um unter den vorherrschenden Bedingungen erfolgreich Rinder halten zu können. Er kämpft auch gegen den Mythos an, dass Kühe fett sein müssen, um fruchtbar zu sein. Er will seinen Kunden beweisen, dass es auch anders geht.

«Der Klimawandel wirkt sich weiter auf uns aus»
Jon Wright ist sich der klimatischen Situation bewusst: Er weiss, dass die Fleischindustrie in Australien in Zukunft noch stärker unter Beschuss geraten wird. «Der Klimawandel wirkt sich weiterhin auf uns aus», sagt der Rinderzüchter. Fleisch zu produzieren werde teurer und der Preis im Laden werde wohl entsprechend steigen. Auch wegen der hohen Methan-Emissionen sieht Wright sein Geschäft zunehmend in Gefahr.
Doch die zieht auch von anderswo herauf: «Unsere grösste Bedrohung ist die Geflügel-, Schweine- und Lammindustrie, nicht der Veganismus oder künstliches Fleisch», so Wright. Denn die Lammproduktion verursache nur halb so viel Methan-Emissionen pro produziertem Kilogramm Fleisch. Demgegenüber sei die australische Beefproduktion für zehn Prozent der gesamten Methan-Emissionen verantwortlich.
Jon Wright fragt sich als Rinderzüchter und Unternehmer, wie offen und zahlungswillig Australierinnen und Australier sind, «emissionsarmes Fleisch» zu kaufen. Momentan laute die Philosophie der Produzenten eher: «Ich liefere einfach ins Ladenlokal, auch wenn niemand den Mehraufwand für die Produktion von emissionsarmem Fleisch entschädigen will.»
Wenn das Fleisch die «soziale Lizenz» verliert
Jon Wright ist aber überzeugt, dass die Branche von sich aus emissionsärmer produzieren muss, ansonsten würden die Konsumenten auf die erwähnten Ersatzprodukte ausweichen. Er spricht dabei von einer sogenannten «sozialer Lizenz», die das Rindfleisch verlieren würde, also einem irreversiblen Image-Schaden, wenn sich die Produzenten nicht bemühten, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. «Wir müssen unseren eigenen Nacken schützen», so der Farmer.
In diesem Zusammenhang spricht er auch von dem methanreduzierenden Futterergänzungsmittel Bovaer. Diese Methoden würden lediglich vom Problem ablenken und dienten als Symptombekämpfung, so der Rinderzüchter. Darum beharrt er auf seinem Ansatz: auf Futtereffizienz züchten.

