Nicole und Bernhard Knechtle hatten jahrelang das Gasthaus Aescher im Alpstein geführt – bis ihr Herzblut für die Gastronomie unter dem touristischen Rummel unterging. «Es gab kaum mehr Platz für uns als Familie», erzählt Nicole Knechtle. Sie beschlossen, ins Tal nach Weissbad zu ziehen, wo sie 7 ha Land von ihrer Grossmutter übernehmen konnten. Dieses war zuvor verpachtet und konventionell bewirtschaftet worden.
Mischkulturen und grosse Vielfalt an Pflanzen
Ein Haus und eine kleine Scheune waren bereits vorhanden. Alles andere entwickelte sich: «Wir wollten etwas Neues aufbauen», erzählt Nicole Knechtle, die einst nach ihrer KV-Ausbildung eine Zweitlehre als Landwirtin angehängt hatte. «Es zog uns zu den Tieren und zum Anbau von Gemüse und Obst.»
2022 fingen sie an, den Betrieb von Grund auf neu aufzubauen. Dabei setzten sie von Beginn weg auf die Permakultur. Knechtles lasen sich in das Thema ein, probierten erste Ackerkulturen aus und pflanzten Obstbäume, Gemüse sowie Kräuter. Dabei setzen sie auf Mischkulturen und eine grosse Vielfalt an Pflanzen. «Die Idee dahinter ist unter anderem, dass Pflanzen mit tiefen Wurzeln jene unterstützen, die mit Wasserknappheit weniger gut zurechtkommen», so Knechtle. Nicht nur ein umsichtiges Wassermanagement gehöre zu den Eckpfeilern der Permakultur, sondern auch das Zusammenspiel von Sonne und das gezielte Platzieren von Bäumen, die Schatten spenden und auch als Windschutz dienen.

Robuste Rassen wie das Rätische Grauvieh
Zudem holten sie die ersten Tiere auf den Hof. Die Rinder, Schweine, Schafe und Hennen hielten sie zunächst in mobilen Ställen. «Unser Ziel ist es, den Kreislauf zu schliessen», hält die Mutter von vier Kindern fest. Den Humus bauen Knechtles mit dem Kompost der Liegeflächen aus dem Laufstall auf. Die Tiere füttern sie mit dem, was der Boden hergibt. Daher setzen sie auf robuste Rassen wie das Rätische Grauvieh, das Schwarze Alpschwein oder das Shropshire-Schaf. Bernhard Knechtle als gelernter Metzger verarbeitet die Tiere direkt auf dem Hof.
Ohne Tunnels und Vliesabdeckung
In den vier Jahren seit Beginn hat sich Stück für Stück zusammengefügt. Nicht alles klappte auf Anhieb: «Herausfordernd war vor allem das Planen der Standorte», räumt Nicole Knechtle ein. So hätten sie zuerst herausfinden müssen, wo die besten Lagen für Bäume und Gemüsebeete seien. «An den Hängen ist es zwar sonnig, doch werden die Nährstoffe abgeschwemmt», erklärt sie.
Das Gemüse müsse ohne Tunnels und Vlies auskommen. Daher müsse man darauf achten, dass die Pflanzungen nicht zu viel Wind ausgesetzt sind. Zudem sei im Frühling der Bodenfrost auf 950 m ü M. ein grosses Thema.
Sie nennt ein weiteres Beispiel: Die Sauen mit ihrer Wühlaktivität liessen sich für die Bodenbearbeitung einsetzen. «Allerdings muss man sie zum richtigen Zeitpunkt umsiedeln, sonst bleibt nur noch Matsch übrig», sagt die Landwirtin lachend. Auch mit dem Getreide-Anbau konnten sie bereits Erfahrungen sammeln. Als Mitglied beim Verein «Alpsteinkorn» beteiligen sie sich an Feldversuchen, wie etwa dem Anbau von Ackerbohnen und Süsslupinen im Gemenge.

Wöchentliche Gemüsetasche und Selbsternte-Abo
Nicht lange, nachdem die Familie mit dem Anbau von Gemüse und Kräutern angefangen hatte, kam eine Anfrage aus dem Dorf: Ein bestehender Kräutergarten war zur Pacht frei geworden. Knechtles mussten nicht lange überlegen und sagten zu.
Es war klar, dass sie die 80 Aren ebenfalls nach den Grundsätzen der Permakultur bewirtschaften würden. Dazu jedoch stand viel Arbeit an. Sie strukturierten den ganzen Garten um, mit drei Teichen im Wasserkreislauf sowie Kulturen im Terrassenanbau mit Erntewegen den Höhenlinien entlang. Zudem begannen Nicole und Bernhard Knechtle, mit dem lokalen Verein «Der Kulturgarten» zusammenzuarbeiten. Im Rahmen dieses Projekts können die Mitglieder eine wöchentliche Gemüsetasche abonnieren oder ein Selbsternte-Abo lösen. Auf diese Weise helfen rund 40 Personen regelmässig im Garten mit. Indem sie den grössten Teil der Kräuter dem Kräuterschopf in Appenzell liefern können, ergab sich eine weitere Zusammenarbeit.
Ein Flair für multifunktionale Lösungen
«Unser Ziel ist es jedoch, möglichst vieles vom Hof selbst zu verarbeiten und zu vermarkten», sagt Nicole Knechtle. So trocknet sie einen Teil der etwa 10 verschiedenen Kräuterarten und stellt Produkte wie Kräutersalz her. Ebenfalls aus eigener Hand stammen Sirup, Konfitüren und fermentiertes Gemüse.
Daher hat der umfangreiche Stallneubau, den die Familie letztes Jahr realisieren konnte, nicht nur den Tieren mehr Platz geschaffen, sondern auch der Direktvermarktung: Nun steht ein moderner Verarbeitungsraum mit Trocknungsschrank zur Verfügung, dazu kommt ein einladender Hofladen. Da sie in den letzten Jahren wöchentlich an den Wochenmarkt «Ferdinand» in Appenzell fuhren, konnten sie Stammkunden gewinnen, die auch gern kommen, um auf dem Hof einzukaufen. Knechtles haben ein Flair für multifunktionale Lösungen: Der Verkaufswagen für den Markt etwa wird auch für Catering-Einsätze wie etwa Apéros genutzt, die sie ebenfalls anbieten.

Auch Schulkinder dürfen sich im Garten betätigen
«Ein weiteres Anliegen ist es, die Permakultur sowohl in der Bevölkerung als auch in landwirtschaftlichen Kreisen bekannter zu machen», sagt Nicole Knechtle. Deshalb haben sie auch Führungen auf dem Programm und beteiligen sich am Gartenkind-Projekt von Bioterra, bei welchem sich Schulkinder aktiv im Garten beteiligen dürfen. Zudem bieten sie gemeinsam mit «Permaria» einen Lehrgang Permakultur an, der sich unter anderem an Landwirt(innen) richtet.
Die Familie hat innert kurzer Zeit mehrere Betriebszweige und Projekte aufgebaut. «Vor allem letztes Jahr, als der Stallanbau dazu kam, war sehr intensiv», stellt Nicole Knechtle fest. «Nach all dem Vorwärts wollen wir nun das Tempo ein wenig zurücknehmen und vor allem diejenigen Bereiche fördern, die uns am meisten Freude machen.»

Betriebsspiegel Knechtle Permakultur
Nicole und Bernhard Knechtle, Weissbad AI
Betriebsart: biologisch, Demeter-Label
LN: 18 ha (davon 7 ha eigene)
Tierbestand: 13 Mutterkühe mit Kälbern, 4 Schweine, 4 Schafe, 6 Laufenten, 3 Pferde, Katze, Hund und ein Dutzend Kaninchen.
Kulturen: Gemüse, Kräuter, Obst, Getreide, Kartoffeln.
Vermarktung: vor allem Direktvermarktung via Hofladen, Gemüseabo, Fleisch auch an die lokale Gastronomie.
Weiteres: Lehrgang Permakultur, Führungen, Gartenkind-Projekt, Catering.
Arbeitskräfte: 80 Stellenprozente im Sommerhalbjahr, Mitarbeiter(innen) im Stundenlohn.
www.knechtle-permakultur.ch

