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Ernte startet mit vollen Lagern – Getreide vorerst auf dem Betrieb behalten?

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) empfiehlt, die Sammelstellen zu entlasten. VGS und Fenaco GOF betonen, das Vorgehen sei gut abzusprechen. Bei einer Lagerung auf dem Betrieb muss zudem auf Hygiene geachtet werden.

Regen ist derzeit rar und für die kommende Woche sind wieder Temperaturen um 30 Grad prognostiziert. Swiss Granum geht in ihrer Schätzung zwar von einer guten Ernte 2026 aus. «Doch die Wetterbedingungen Mitte Juni könnten sich negativ auswirken», gibt der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) in seinem aktuellen Marktbericht zu bedenken. Hitze und Trockenheit sind zu diesem Zeitpunkt nicht ideal. Landwirte berichten von ersten Weizenparzellen, die notreif sind.

Geschätzt 135 000 t Getreide in den Lagern

Ein definitives Bild von Erträgen und Qualitäten der heurigen Ernte zeigt sich erst nach deren Abschluss. Dennoch hält der SGPV fest: «Die Lagerbestände aus früheren Ernten sind auf einem enorm hohen Niveau und erfordern Deklassierungen sowie eine gute Logistik durch die Sammelstellen.» Der Verband schätzt, dass noch fast 135 000 t Getreide am Lager liegen. Um die Sammelstellen während der Erntezeit nicht zu überlasten und ihnen eine optimale Abwicklung der Anlieferungen zu ermöglichen, werden die Produzenten laut Marktbericht gebeten, so viel Ware wie möglich bei sich zu behalten. Die Lieferungen sollten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Keine allgemeine Empfehlung des VGS

«Die Lager sind derzeit voller als normal», bestätigt Diane Gossin vom Verband der Getreidesammelstellen der Schweiz (VGS), dem rund 40 private Unternehmen angeschlossen sind. «Die Platzverhältnisse unterscheiden sich jedoch erheblich von Sammelstelle zu Sammelstelle», ergänzt Gossin. Daher könne man keine allgemeine Empfehlung zur Hoflagerung abgeben. Einzelne Sammelstellen sollten dies tun, wenn es ihnen diene.

Fenaco GOF erschliesst neue Lagermöglichkeiten

Auch in den rund 100 Getreidesammelstellen im Maxi-System von Fenaco GOF seien die Lagerkapazitäten bereits gut bis sehr gut ausgelastet, gibt Sarah Rust, Leiterin Qualitätsmanagement, Maxi und Betriebe, Auskunft. «Aktuell erschliessen wir deshalb verschiedene ausserordentliche Lagermöglichkeiten, um die Erntemengen 2026 zeitgerecht aufnehmen zu können – sofern diese wie prognostiziert eintreffen», so Rust.

Kurzfristig könne eine Lagerung von Getreide auf dem eigenen Betrieb eine Entlastung der Sammelstelle darstellen, fährt sie fort. «Wichtig ist, dass auch bei einer Lagerung auf dem Betrieb auf gute Lagerbedingungen geachtet wird.» Schädlingsbefall und Qualitätseinbussen sind unbedingt zu vermeiden, wobei diese Verantwortung bei den Produzent(innen) liege. Das Vorgehen und die Eignung einer vorübergehenden Lagerung auf dem Betrieb wären für alle Produkte vorab mit der lokalen Sammelstelle abzusprechen.

Bodenunterschiede sind auf den Weizenfeldern gerade sehr auffällig. Mancherorts kommt es zur Notreife.(Bild: Jil Schuller)

Tipps für ausreichende Hygiene bei Hoflagerung

Sowohl Fenaco GOF als auch der VGS verweisen auf die Gute Sammelstellenpraxis, deren Grundsätze auch für die Lagerung durch den Betrieb oder auf einem Transportmittel übernommen werden könnten. Demnach sind sämtliche für die Lagerung vorgesehenen Behältnisse (Wagen, Silos, Böden usw.) vorher gründlich zu reinigen. Die Lagerung hat sauber, getrennt von anderen Produkten oder Gegenständen sowie trocken und vor direktem Sonnenlicht geschützt zu erfolgen. Das Erntegut muss vor Tieren wie Vögeln oder Mäusen sowie dem Zutritt durch Unbefugte geschützt werden. Gemäss VGS sollte das Getreide möglichst im Kipper bleiben, um das Risiko von Schäden durch Nagetiere zu reduzieren. Brotgetreide sollte unbedingt mit einem Vlies abgedeckt werden. Das beuge Verunreinigungen durch Vogelkot vor und vermeide gleichzeitig die Bildung von Kondenswasser.

«Bei Futtergetreide sind die Risiken einer Hoflagerung geringer als bei Mahlgetreide», sagt Diane Gossin. Eingelagert werden sollte ihr zufolge ausschliesslich trockenes Getreide. Sie empfiehlt, im Zweifelsfall den Feuchtigkeitsgehalt anhand eines Musters bei der Sammelstelle messen zu lassen. «Eine Lagerung auf dem Betrieb muss vorgängig immer mit der lokalen Sammelstelle abgesprochen und deren Hinweise zur Qualitätssicherung eingeholt werden», betont Sarah Rust. Wichtig sei, dass Überlegungen zur Lagerung auf dem eigenen Betrieb seitens Produzent(innen) frühzeitig gemacht und – wie erwähnt – abgesprochen werden. Dies, um Risiken zu reduzieren und den gewünschten Effekt der temporären Lagerung zu realisieren.

2027 weniger TOP-Weizen anbauen

Um die hohen Lagerbestände zu steuern und einen Preisdruck auf die Produzenten zu vermeiden, müssten unbedingt Massnahmen im Hinblick auf die Anbauflächen getroffen werden, so der SGPV.  So seien die Flächen von TOP-Weizen zugunsten von Klasse I und II zu reduzieren. «Die neuen Richtpreise verkleinern den Unterschied zwischen den Klassen und machen die Sorten der unteren Klassen attraktiv, insbesondere für Produzenten mit tiefen Proteinwerten», heisst es im aktuellen Marktbericht des Verbands. Sofern es die Fruchtfolge zulässt, seien andere Kulturen – namentlich Ölsaaten – zu bevorzugen. «Ölsaaten sind rentabel und eignen sich hervorragend als Vorfrucht für Getreide», argumentiert der SGPV. Die Empfehlungen der Sammelstellen sollten befolgt werden, da diese die Vermarktungsmöglichkeiten kennen. Weiter rät der Verband, einen Teil des Brotweizens 2027 durch Futterweizen zu ersetzen. Dies insbesondere, wenn die Ernte im Betrieb verwendet werden kann (Lohnmischer oder Kundenkonto).

Obwohl das Potenzial für Futterrohstoffe – vor allem für Futterweizen, Körnermais und Körnerleguminosen – gross sei, sei es ratsam, sich vor einer Ausdehnung der Futtergetreideflächen bei den Abnehmern zu erkundigen. Bei Gerste sollten die Sorten in erster Linie nach Hektolitergewicht gewählt werden, schreibt der SGVP, da hier hohe Werte vorausgesetzt würden. «In Anbetracht mangelnder Rentabilität und der aufgrund starker Importkonkurrenz zu tiefen Preise sollte Futtergetreide in der Fruchtfolge keine Priorität haben», schliesst der Verband.

Auch die Preise für Bio-Brotgetreide sinken

Nach den allgemeinen Richtpreisen für Brotgetreide von Swiss Granum veröffentlicht Bio Suisse die Richtpreise für den Bio-Bereich. Auch hier seien die Verhandlungen von intensiven Diskussionen geprägt gewesen, teilt die Labelorganisation mit. Die Wichtigkeit einer Einigung sei jedoch von allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette betont worden. Für 2026 liegt der Richtpreis für Bio-Weizen nun bei 106,5 Fr./dt, für Bio-Dinkel bei 110,50 Fr./dt, für Bio-Roggen bei 95 Fr./dt und für Bio-Speisehafer bei 87 Fr./dt.

Langfristig sei Bio-Brotgetreide sehr gefragt, heisst es in der Mitteilung weiter. Aber auch der Schweizer Bio-Bereich sieht sich mit Importkonkurrenz konfrontiert, die Knospe-Verarbeitungsmengen zeigten eine sinkende Tendenz. Angesichts der Gesamtlage – auch mit gestiegenen Produktionskosten bei den Landwirt(innen) – seien die beschlossenen Bio-Richtpreise als Kompromiss zu verstehen.

Bio Suisse geht mit Vorbehalt hinsichtlich des Wetters von einer durchschnittlichen Ernte aus. Der steigende Anteil von inländischem Weizen in der Vermahlung lasse weniger Spielraum, um je nach Jahr bestimmte Chargen mit schlechten Qualitäten mit gezielt qualitativ hochwertigem Importweizen aufzumischen. «Dies bedeutet für die ganze Wertschöpfungskette, die Anstrengungen für eine gute Qualität der Schweizer Ware zu intensivieren», so Bio Suisse.   

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