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Schweizer Milchautomat auf Erfolgskurs

Während die meisten Unternehmen über sinkende Aufträge aus dem EU-Raum klagen, kommt Alfred Bruni mit der Produktion kaum nach. Vor allem in Deutschland boomt der Verkauf seiner Milchautomaten.


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Der Milchmarkt ist im Umbruch. Immer mehr Bauern steigen in die Direktvermarktung ein. Zum Beispiel mit einem Verkauf über einen Frischmilchautomaten. Das kommt Alfred Bruni aus Muolen SG zugute, denn er stellt seit 22 Jahren Milchautomaten her. Die Nachfrage nach seinem „Brunimat“ ist in den letzten Jahren stark gestiegen. „Diesen Sommer waren wir richtiggehend am Anschlag. Seit drei Jahren explodiert vor allem die Nachfrage aus Deutschland.“ Rund 300 Automaten verkauft Bruni dieses Jahr.

Schlanke Strukturen - tiefe Preise

Das ist erfreulich, aber auch erstaunlich. Denn erstens macht frische Milch nur gut zehn Prozent des gesamten Milchkonsums aus, weshalb es schwierig bis unmöglich erscheint, die tiefen Milchpreise mit dem Frischmilchverkauf zu kompensieren. Und zweitens hört man immer, dass Schweizer Produkte im EU-Raum zu teuer sind. Bruni schüttelt den Kopf und lacht. Die Milchautomaten seines grössten Mitbewerbers in Deutschland kosten rund doppelt so viel wie seine Qualitätsprodukte aus der Schweiz. Das liegt nicht zuletzt an der schlanken Struktur der Firma und der effizienten Arbeitsweise: „Alles am Brunimat kann im Baukastensystem ersetzt werden. Ich brauche deshalb kein Netz von Servicetechnikern und verzichte in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Verkäufer und Zwischenhändler.“

Technische Probleme, falls es denn je welche gibt, regelt Bruni am Telefon. Statt viel in Werbung zu investieren setzt er auf Mund-zu-Mund-Propaganda und auf eine Webseite, die im Internet auch gefunden wird. Die Produktion ist stark standardisiert, die Herstellung der meisten Einzelteile ist ausgelagert. Ein grosser Metallverarbeiter in Amriswil produziert z.B. die Abfüllbereiche, Steuerungskästen, Rührwerke und andere Edelstahlteile; ein anderes Unternehmen stellt die Leiterplatten her. So kann Bruni mit nur zwei Mann in seiner Werkstatt mehrere Hundert Automaten im Jahr herstellen.

Selbstbewusste Bauern in Deutschland

Auch was den ersten Punkt angeht, hat Bruni andere Erfahrungen gemacht: In Deutschland gibt es einige Bauern, die Milchautomaten als Geschäftsmodell betreiben. „Einer meiner Kunden in Ostdeutschland verkauft seine gesamte Tagesmilch von 1‘200 Liter mit drei Milchautomaten.“ Weil er noch mehrere Anfragen von anderen Verkaufsläden hatte, tat er sich mit einem Berufskollegen zusammen und stellte noch an drei weiteren  Standorten Automaten auf.

„Der verdient damit richtig Geld.“ Diese Automaten stehen häufig im Eingangsbereich von Läden, die mit den Bauern kooperieren. In Deutschland sind das z.B. Edeka-Filialen. Manchmal werden dort auch nur schlichte Zapfstellen installiert, mit denen die Konsumenten die Milch direkt im Laden abfüllen und danach an der Kasse bezahlen können.

Interessant ist für die Bauern beim Absatz nicht nur die Menge, sondern auch der Preis. „In Deutschland hat sich ein Euro pro Liter durchgesetzt“, sagt Bruni. Das ist fast das Vierfache dessen, was die Bauern aktuell von einer deutschen Molkerei erhalten – und es ist einiges mehr als die 65 Cent, die aktuell für abgepackte Vollmilch im Laden verlangt werden. Manche Bauern gehen sogar noch weiter, wie Bruni erzählt: „Ich habe einen Kunden der zehn Automaten für die Stadt Berlin gekauft hat und zwei Euro pro Liter verlangen will.“ Bruni ist skeptisch, „aber der Kunde meinte, die Berliner hätten genug Geld, die würden das schon ausgeben.“

Bescheidene Bauern in der Schweiz

Geld ist hierzulande auch keine Mangelware. Im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen trauen sich die Schweizer Bauern aber offenbar nicht, viel für ihre Milch zu verlangen. Während Vollmilch beim Detailhändler zwischen 1,50 und 1,80 Franken kostet, verkaufen die meisten Bauern die frische Rohmilch am Milchautomaten für 1,20 Fr.

Das ist etwas mehr als der doppelte Molkereimilchpreis. Selbst bei diesem Preis haben einige Bauern noch Gewissensbisse, wie Bruni sagt: „Ich bekomme immer wieder Anfragen von Bauern, die ihren Kunden am liebsten zu jedem Liter Milch noch einen Gutsch draufgeben würden.“ Das geht nicht, denn die Geräte sind geeicht. Ein verkaufter Liter Milch darf nicht weniger, aber auch nicht mehr als einen Liter Milch
enthalten.

Die bäuerliche Bescheidenheit mag zusammen mit der hohen Ladendichte hierzulande und dem guten Angebot an hochwertiger Milch in den Läden dazu beitragen, dass in der Schweiz verhältnismässig wenig Brunimaten stehen. Dabei könnte gerade unbehandelte Rohmilch eine Nische sein, weil sie bei den Konsumenten immer beliebter wird und kaum erhältlich ist.

Der Kampf mit den Behörden

In Deutschland ist der Rohmilchverkauf nur auf der Hofstatt erlaubt. Die Veterinärämter sind da äusserst pingelig: „Wenn ein Milchproduzent im Dorf wohnt, den Stall aber ausserhalb vom Dorf hat, darf er die Rohmilch nur beim Stall verkaufen.“ An allen anderen Standorten muss er die Milch vor dem Verkauf pasteurisieren. „Das kann ins Geld gehen, denn ein guter Milch-Pasteur kostet rasch einmal über 15‘000 Franken.“

Die Brunimaten sind dagegen vergleichsweise günstig: Sie kosten je nach Modell 5‘000 bis 10`000 Franken. Dass die Bauern damit erfolgreich Milch vermarkten, scheinen manche Milchverarbeiter in Deutschland bereits zu spüren. Das ruft auch die Veterinärämter auf den Plan, die in Deutschland für die Zulassung der Milchautomaten zuständig sind. Sie sind die heimlichen Chefs der Bürokratie. Obwohl das EU-Recht überall gleich ist, legen die Veterinärämter die Vorschriften regional unterschiedlich aus. Bruni seufzt. „Bei manchen muss ein DIN A 4 grosses Plakat aufgeklebt sein, auf dem steht, dass die Milch abgekocht werden muss. Bei anderen reicht ein deutlich kleinerer Hinweis darauf, dass eine Erwärmung auf 72 Grad vor dem Verzehr empfohlen wird.“

Den Herren der Zulassung kommt immer wieder Neues in den Sinn. Erst kürzlich wurden die Milchautomaten rechtlich auf dieselbe Stufe wie Zapfsäulen an der Tankstelle gesetzt. Das bedeutet, dass jeder Milchautomat nun auch noch mit einem Belegdrucker versehen werden muss, der genau Auskunft darüber gibt, wie viele Liter Milch für welchen Betrag zu welchem Zeitpunkt bezogen wurde – und zwar auf den Milliliter genau.

Technisch ist das kein Problem, ob es sinnvoll ist, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Bruni: „Es gibt ja nur Milch und nichts anderes zu zapfen.“ Und wenn der Milchtank einmal leer ist, nimmt der Automat kein Geld mehr an, bei einer Störung stellt er ebenfalls ab. Verglichen mit Deutschland sei das Aufstellen der Automaten in der Schweiz ein Spaziergang, sogar der Verkauf von Rohmilch ist hierzulande erlaubt.

Früher Milchproduzent - heute Milchautomatenproduzent

Brunis Milchautomaten haben sich seit dem ersten Modell 1994 stets weiterentwickelt. Heute gibt es nicht nur Automaten mit Münzsystemen, die nur so viel Milch ausgeben, wie zuvor bezahlt wurde, sondern auch Automaten mit Wechselgeld, die Banknoten einlesen können. „Nach Schweden verkaufe ich fast nur noch Automaten, bei denen man ohne Bargeld bezahlen kann.“ Dort kommt vor allem die Cashcard oder ähnliches zum Einsatz. Das schreckt Vandalen ab. Vandalismus kommt laut Bruni ohnehin selten vor, dennoch hat er auch Brunimaten mit Alarmsystem im Angebot.

Bevor Bruni Milchautomatenhersteller wurde hat der gelernte Landwirt übrigens selbst Milch produziert. Den Betrieb mit rund 40 Milchkühen gab er erst vor etwas mehr als zehn Jahren auf, als das Milchautomatengeschäft immer mehr anzog. In den vergangenen 22 Jahren hat er gegen 3‘000 Brunimaten verkauft, etwa 500 davon stehen in der Schweiz. Rund 800 Stück gingen nach Deutschland. Der Rest steht unter anderem in Schweden, Österreich, Rumänien, Bulgarien – und sogar in Kenia.

Eveline Dudda, lid

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