Es läuft gut – trotzdem hört der Bäuerinnen-Partyservice Seeland auf

Nach 30 Jahren endet das Seeländer Angebot, weil sie keine Nachfolgerinnen finden. Zu Spitzenzeiten bewältigte das Team jährlich 300 Anlässe.

Seit 30 Jahren begeistert der Bäuerinnen-Partyservice Seeland die Gäste mit regionalen und saisonalen Speisen. Doch Ende des Jahres ist Schluss. Margrit Meuter und Ursi Burgdorfer, zwei der Gründungsmitglieder, blicken gemeinsam zurück auf die Anfänge, Veränderungen, Wachstum und Höhepunkte – und erklären auch, warum der Schlussstrich gezogen wird.

Die Frage nach dem Warum ist schnell beantwortet. Lediglich zwei der sechs mitarbeitenden Frauen sind noch nicht pensioniert. Trotz mehrjähriger intensiver Suche und gut gefüllter Auftragsbücher konnten keine Nachfolgerinnen gefunden werden. Zwar gibt es Bäuerinnen, die gewillt sind, im Partyservice regelmässig mitzuarbeiten. Doch die Verantwortung für das Geschäft will niemand übernehmen.

«Für uns ist die Zeit vorbei, wir merken das Alter.»

Ursi Burgdorfer hat den Partyservice mitgegründet und löst ihn auch wieder auf.

«Für uns ist die Zeit vorbei, wir merken das Alter», erklärt die 69-jährige Ursi Burgdorfer. Und Margrit Meuter, 72 Jahre alt, nickt zustimmend. Sie hadert etwas mit der Situation und erklärt: «Es nagt an mir, es waren schöne Jahre.» Beide sind wehmütig.

Trotzdem überwiegt die Erleichterung darüber, künftig mehr Zeit für sich, für Velotouren und die Familie zu haben. Denn nach anfänglich wenigen Aufträgen hatte das Angebot Fahrt aufgenommen und entwickelte sich zu einem gut laufenden Unternehmen. Jahrelang waren die Frauen daher mit Kochen, Backen, Servieren und Abwaschen beschäftigt und bewältigten zu Spitzenzeiten jährlich rund 300 Anlässe.

Margrit Meuter (links) und Ursi Burgdorfer freuen sich auf mehr freie Zeit. Doch das Ende macht beide auch wehmütig. (Bild: Andrea Wyss)

So begann alles

Begonnen hatte die Geschichte im Seeländer Dorf Vinelz BE am Bielersee, wo Margrit Meuter und Ursi Burgdorfer Nachbarinnen sind. Die Kinder waren schon etwas grösser und es seien Kapazitäten vorhanden gewesen, erinnert sich Margrit Meuter. Zunächst wurde mit einer dritten Familie mehrmals der 1. August-Brunch auf dem Hof organisiert. Doch das reichte den beiden Frauen nicht und sie besuchten den Kurs «Bäuerinnen tun sich zusammen».

Daraus entstand die Idee, einen Bäuerinnen-Partyservice anzubieten. Im Jahr 1996 erfolgte der Startschuss. Für das nötige Startkapital sollte jede der Frauen 200 Franken zur Verfügung stellen.

Die eigene Küche als Produktionsstätte

Da die Werbetrommel nicht gross gerührt wurde, waren die ersten Jahre von lediglich fünf bis sechs Anlässen pro Jahr geprägt. Während vieler Jahre bestand das Team aus sechs Frauen. Zu Beginn des Bäuerinnen-Partyservice Seeland backte und kochte jede in ihrer eigenen Küche.

Manche trafen sich bei Familie Meuter in der Küche und arbeiteten gemeinsam. Später wurde an zwei Standorten regelmässig gekocht. Das heisst in Vinelz und im Epsachmoos.

Seit Beginn des Partyservices trägt jede der Frauen gleich viel Verantwortung und ist abwechselnd für einen ganzen Auftrag, also vom Schreiben der Offerte, und Planen, bis zum Stellen der Rechnung, zuständig. Einzig die Führung der Buchhaltung, Lohnabrechnungen und das Bezahlen der Rechnungen laufen seit jeher über Ursi Burgdorfer. Die Büroarbeiten so schlank wie möglich zu halten, lautet das Credo.

Der Erfolg hat Auswirkungen

Die geleisteten Arbeitszeiten jeder Bäuerin und gelieferten Waren wie Desserts, Brot etc. werden auf Rapportblättern dokumentiert und monatlich abgerechnet. Auslagen für den Zukauf von neuem Material wie Geschirr, Wärmebehälter etc., werden laufend aus der Kasse bezahlt, wie auch die jährliche dreitägige Reise der Frauen, um den Kopf zu lüften.

Bleibt Ende des Jahres noch etwas übrig, wird dies nach einem speziellen Verteilschlüssel auf die Frauen aufgeteilt. «Das hebt den Stundenlohn noch etwas an», erklärt die Büroverantwortliche Ursi Burgdorfer. Das Vorgehen ohne Geschäftsführung mutet etwas unkonventionell an. Ursi Burgdorfer sagt jedoch dazu: «Jede hat Stärken und Schwächen, wir akzeptieren das. Viele Jahre lang haben wir damit gut harmoniert und es hat funktioniert.»

Sie prägten den Partyservice viele Jahre lang (hinten v. l.): Rosmarie Fankhauser, Annemarie Helbling, Regula Schwab, Monika Weber, (vorne v. l.): Rosmarie Weber, Ursi Burgdorfer, Esther Ballif, Margrit Schumacher, Margrit Meuter. (Bild: Bäuerinnen Partyservice Seeland)

Von mobilen Öfen zur eigenen Küche

Mit den Jahren wuchsen der Kundenstamm und das Einkommen, sodass die einfache Gesellschaft steuerpflichtig wurde und eine GmbH gegründet wurde. Auch die Zubereitung in den Privatküchen wurde logistisch und aus Sicht der Lebensmittelgesetzgebung zum Problem.

Ursi Burgdorfer und Margrit Meuter schauen sich an und lachen. Beide haben ein Bild von Zeiten im Kopf, in denen jede einen Backofen in der eigenen Küche und dann noch mobile Öfen auf der Terrasse in Betrieb hatte, in denen gleichzeitig Braten und Gratins brutzelten.

Abhilfe schuf der Einbau einer Küche neben dem bereits bestehenden Partyraum auf dem Hof der Familie Meuter. Zwar musste Johann Meuter zunächst davon überzeugt werden, die Hühner auszuquartieren. Doch da ihm der Trubel sonntags früh in der heimischen Küche zunehmend zu viel wurde, liess er sich überzeugen. Familie Meuter richtete die Küche auf eigene Kosten ein und der Partyservice bezahlt seitdem Miete für die Benutzung.

Altbundesrat Samuel Schmid bleibt in Erinnerung

Im Gespräch ist deutlich zu merken: Ursi Burgdorfer und Margrit Meuter verstehen und schätzen einander. Mit dem Bäuerinnen-Partyservice Seeland haben sie viele schöne Zeiten und Begegnungen erlebt, aber auch Herausforderungen gemeistert. Immer wieder schauen sie sich an und lachen, wenn sie die Schreibende an Erinnerungen teilhaben lassen. Gefragt nach Höhepunkten überlegen sie nicht lange.

Die Antwort kommt von beiden rasch: Altbundesrat Samuel Schmid. Für ihn konnten sie vor Jahren ein Essen ausrichten. Dies öffnete den Seeländerinnen die Türe ins Bundeshaus. Seitdem durften sie immer wieder Caterings ins Bundeshaus liefern, was sie sichtlich stolz macht. Auch das Ausrichten der Anicom-Tagung während mehrerer Jahre mit Znüni und serviertem Mittagessen für 300 Personen in Kirchberg BE, zählt zu den bleibenden Erinnerungen, auf die sie stolz zurückblicken.

Arbeiten bis spät in die Nacht

Doch es gab auch Pannen, die damals kein Anlass zur Freude waren, im Nachhinein aber lachend erzählt werden. Die Rede ist von verschütteter Milch, die von der Küche bis ins Wohnzimmer reichte. Von einem Auto, dessen Inneres durch einen Unfall mit Pilzsauce verunstaltet war.

Von einem Anlass, bei dem die zur Verfügung gestellten Gerätschaften allesamt älteren Datums waren und der Backofen bei jedem Öffnen der Türe Rost fallen liess. Oder auch von der Salatsauce, die immer mal wieder im Kühlschrank vergessen wird und den Weg zur Kundschaft erst über Umwege findet.

«Nein sagen mussten wir lernen.»

Aufträge abzulehnen, wenn es zu viel wurde, war für Margrit Meuter und ihre Kolleginnen schwierig.

Nach den Herausforderungen gefragt, bleiben die Frauen jedoch lange still und überlegen. Für Margrit Meuter war die jahrelange Arbeitsbelastung mit wenig Schlaf, die sich oftmals auf die Wochenenden konzentrierte, schwierig. «Ich hatte keine festen Zeiten für Feierabend im Partyraum Chuestau», erzählt sie.

Feierte eine Gesellschaft bis spät in die Nacht, musste danach dennoch das Geschirr wieder gewaschen, die Küche sauber und der Partyraum aufgeräumt werden, wenn am nächsten Mittag bereits die nächsten Gäste auf den Partyservice warteten. Beide Frauen bezeichnen es auch als grosse Herausforderung, «nein» sagen zu können und Aufträge abzulehnen, wenn es zu viel wurde. «Das war schwierig, besonders wenn ein Auftrag von Bekannten kam. Aber das mussten wir lernen», erzählt Margrit Meuter.

Eine Reise zum Abschluss

Bevor nun aber ganz Schluss ist, gilt es mit dem Bäuerinnen-Partyservice Seeland noch, das viele Material, das sich über drei Jahrzehnte angesammelt hat, zu verkaufen und die GmbH aufzulösen. Wie dann das Ende wirklich aussehen soll, wissen die beiden Frauen und ihre Kolleginnen bisher nicht. Ursi Burgdorfer erklärt: «Wir lassen es auf uns zukommen.»

Margrit Meuter betont: «Wir wollen sicher noch eine Reise machen.» Genaue Pläne stünden aber in den Sternen. «Wir nehmen eins nach dem anderen, wie wir das all die Jahre auch gemacht haben», erklärt sie abschliessend.

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