Biomilch-Umstellung: Neues Faktenblatt zeigt Chancen, Kosten und Stolpersteine

Höhere Produzentenpreise sind ein zentraler Erfolgsfaktor für die Biomilchproduktion. Eine Umstellung will jedoch gut überlegt und vorbereitet sein, heisst es beim BBZN Luzern.

Die Produktion von Biomilch biete für viele Milchviehbetriebe interessante Perspektiven, sagt André Liner, Projektleiter Aktionsplan Biolandbau Kanton Luzern. Eine Umstellung von der konventionellen auf die biologische Milchproduktion will jedoch gut vorbereitet sein. Fütterung, Tierbestand, Infrastruktur und die betriebliche Ausrichtung müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Besserer Arbeitsverdienst möglich

Ein zentraler Erfolgsfaktor der Biomilchproduktion sind die höheren Milchpreise bei gleichzeitig tieferen Strukturkosten. Der Schweizer Produktionspreis für Biomilch weist über den Zeitraum 2021 bis 2025 – trotz saisonaler Schwankungen – ein hohes Mass an Stabilität auf, pendelt häufig um die 95 Rappen und steigt langfristig leicht an.

Gemäss Zahlen von Agridea und das Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) war der Arbeitsverdienst in der Milchproduktion bei den Biobetrieben höher. Im Talgebiet ist dieser Effekt mit rund 6 Franken grösser als im Berggebiet mit etwa 2 Franken pro Stunde.

Im Rahmen des Aktionsplans Biolandbau Kanton Luzern haben das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), das Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) und Bio Suisse gemeinsam ein Faktenblatt zur Biomilchproduktion erarbeitet. Das kostenlose Faktenblatt soll Betriebe dabei unterstützen, die Chancen und Herausforderungen einer Umstellung realistisch abzuwägen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

«Für interessierte Milchproduzentinnen und Milchproduzenten ist es nicht einfach abzuschätzen, worauf sie sich bei einer Bio-Umstellung einlassen», so André Liner. Das Faktenblatt verschaffe einen Überblick und zeige auf, wo möglicherweise vor oder während der Umstellung investiert werden müsse. Sowohl finanziell als auch zeitlich.

Bei hoher Milchleistung wird es schwierig

Geeignet für eine Umstellung sind wenig überraschend insbesondere Betriebe, die bereits naturnah Milch produzieren. Also auf viel Weidefutter setzen, bei wenig Kraftfutter, weidetauglichen Rassen, passenden Stalleinrichtungen.

«Herausfordernder ist es für Betriebe, welche etwa stark auf Milchleistung selektierte Kühe halten», so André Liner weiter. Mit vermehrten Hitzeperioden wird die Weidehaltung nicht einfacher. Dies kann je nach Betriebslage und Arrondierung der Flächen zu einem weiteren Stolperstein werden.

Diese drei Fragen gilt es vor einer Umstellung zu prüfen:

  • Ist meine aktuelle Produktion naturnah, resp. will ich in Zukunft in Einklang mit den Grundsätzen des Biolandbaus produzieren?
  • Ist eine Umstellung arbeitstechnisch machbar und langfristig wirtschaftlich?
  • Sind die Abnahme und die Hofabfuhr der Milch langfristig gewährleistet?

In Luzern gibt es ein kostenloses Coaching

Einige Herausforderungen werden häufig unterschätzt. Welche das sind, hängt von der Ausgangslage des Betriebs ab. «Es kann etwa das Weidemanagement, die Rassenumstellung, die Kraftfutterreduktion oder das Sauberhalten der Tiere bei einem Anbindestall sein», weiss André Liner.

Luzerner Betrieben, die nach der Lektüre des Faktenblattes eine Umstellung ins Auge fassen, wird ein Coaching empfohlen. Dieses ist im Rahmen des Luzerner Aktionsplans kostenlos. Beim Coaching-Angebot geben erfahrene Biomilch-Produzenten Auskunft zur Umstellung.

Zum kostenlosen Faktenblatt zur Biomilchproduktion

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