Das Thema ist inzwischen breit in den Medien angekommen: SRF berichtete am 4. August 2026, die NZZ bereits Mitte Juli, dazu zahlreiche Wirtschaftsagenturen und Portale, nachdem Proviande am 5. August Zahlen an Keystone-SDA weitergegeben hatte. Von aussen liest sich das oft wie eine Randnotiz zur Hitzewelle. Innerhalb der Branche ist es das nicht: Hier geht es um Betriebe, die gerade unter Zeitdruck entscheiden müssen, welche Kühe sie behalten können und welche nicht – eine Entscheidung, die weit über den Sommer hinaus wirkt, weil ein einmal abgebauter Bestand nicht über Nacht wieder aufgebaut ist.
Die Zahlen: Juni sticht heraus, Juli verschärft die Lage
Die offizielle Statistik von Proviande für Juni 2026 zeigt es deutlich, und die provisorischen Rohdaten von Agristat bestätigen das Bild: 11 325 Kühe wurden im Juni geschlachtet, 19,9 Prozent mehr als im Juni 2025 mit 9446 Tieren. Bei den Rindern (weiblichen Jungtieren) sieht es ähnlich aus: plus 20,0 Prozent auf 8309 Tiere.
Auch bei den Stieren wurde markant mehr geschlachtet, plus 13,4 Prozent. Von Januar bis Juli 2026 wurden gemäss SVV-Wochenstatistik insgesamt 14,5 Prozent mehr Kühe geschlachtet als im gleichen Zeitraum 2025. Das durchschnittliche Schlachtgewicht der Kühe blieb dabei stabil bis leicht höher als im Vorjahr, ein Hinweis darauf, dass es sich noch nicht um ausgemergelte Lottiere handelt, sondern um eine bewusste, vorgezogene Ausmerzung.
Und der Trend hat sich im Juli nochmals verschärft. Wie Proviande der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am 5. August auf Anfrage mitteilte, wurden im Juni und Juli zusammen rund 7000 Kühe mehr geschlachtet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – ein Anstieg von fast einem Drittel. Bei den Rindern insgesamt nahmen die Schlachtungen um rund 13 Prozent zu. Über beide Monate hinweg kamen knapp 70 000 Rinder ohne Kälber auf die Schlachtbank, gegenüber rund 60 700 im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 15,3 Prozent. Proviande betont dabei einen wichtigen Vorbehalt: Die Statistik erfasst weder den Grund der Schlachtung noch Rasse oder Produktionsrichtung der Tiere. Wie viele Kühe tatsächlich wegen Hitze, Trockenheit oder der Marktlage früher als geplant geschlachtet wurden, lässt sich nicht sauber beziffern.
In einem Monat 9900 Kühe weniger
Einen Blick auf den Bestand liefert die Tierverkehrsdatenbank von Identitas, und der zeigt den Einbruch bereits in den Rohdaten: Ende Juni 2026 waren in der Schweiz noch 655 032 Kühe registriert, 507 376 Milchkühe und 146 905 andere Kühe. Bis Ende Juli 2026 ist der Gesamtbestand gemäss Identitas-Dashboard auf 645 133 Tiere gesunken, ein Rückgang um rund 9900 Kühe innerhalb eines einzigen Monats.
Das ist genau der Zeitraum, in dem laut Proviande die Schlachtzahlen am stärksten anzogen. Im Zeitverlauf der Identitas-Grafik, die bis ins Jahr 2010 zurückreicht, liegt dieser Wert unter jedem bisherigen Sommertief, der Kuhbestand ist damit so tief wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Wichtig für die Einordnung: Der jeweils aktuellste Randwert solcher TVD-Auswertungen fällt erfahrungsgemäss etwas zu tief aus, weil Abgänge schneller gemeldet werden als Zu- und Umbuchungen. Selbst mit diesem Vorbehalt bleibt der Bestandsabbau der letzten Wochen aussergewöhnlich, das zeigt schon der Vergleich mit dem Vormonat.
Der Hauptgrund: Es fehlt schlicht das Futter
Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbands, nennt gegenüber SRF mehrere Gründe für die aussergewöhnliche Entwicklung. Saisonale Schwankungen im Spätsommer habe es immer gegeben, die Ausprägung in diesem Jahr sei aber neu. Doch wer die Ursache verstehen will, muss zuerst beim Futter ansetzen, nicht beim Wetter oder der Krankheit.
Der Schweizer Bauernverband bringt es in seiner Medienmitteilung vom 7. August auf den Punkt: Wegen der Trockenheit müssen viele Betriebe ihren Kühen bereits seit Wochen das eigentlich für den Winter vorgesehene Futter verfüttern. Vielen ist schon jetzt klar, dass die Vorräte nicht bis zum nächsten Frühjahr reichen. Dann bleiben laut Bauernverband nur zwei Optionen: Futter zukaufen oder Tiere schlachten. Und der Futterzukauf ist schwierig, weil auch die Nachbarländer unter der Trockenheit leiden.
Wie konkret das auf einzelnen Höfen aussieht, zeigt der Betrieb von Bruno und Elias Zumbrunn in Wittinsburg BL, den die BauernZeitung besucht hat: 40 Brown-Swiss-Milchkühe, Futter praktisch nur noch aus Vorräten. «Wir haben 50 bis 60 Prozent Ertragsausfall beim Mais», sagte Elias Zumbrunn. Der dritte Schnitt fällt ganz aus, selbst die tiefwurzelnde Luzerne kommt mit der Trockenheit nicht mehr zurecht, und Futter zukaufen ist praktisch keine Option mehr: Mehrere Futterhändler gehen laut Bruno Zumbrunn gar nicht mehr ans Telefon.
Wenn sich daran nichts ändert, sehen sich Vater und Sohn gezwungen, ihren Tierbestand zu reduzieren. Christoph Böbner, Leiter des Ebenrain-Zentrums Baselland, ordnet ein: 2002 sei die Lage ähnlich gewesen, damals hätten aber noch Maisimporte aus dem Elsass ausgeholfen, dieses Jahr sehe es im benachbarten Ausland nicht besser aus.
Wie ernst der Bund die Lage einschätzt, zeigte sich am 7. August an einer Medienorientierung des BLW auf dem Zumbrunn-Betrieb. Direktor Christian Hofer bestätigte mehrere Erleichterungen: Trockenheit und Hitze gelten als «höhere Gewalt», Direktzahlungen werden deshalb in voller Höhe ausbezahlt, auch wenn Vorgaben zu RAUS oder Weidebeitrag witterungsbedingt nicht eingehalten werden können, das gilt ausdrücklich auch bei vorzeitigem Alpabzug wegen Futter- oder Wassermangel. Dazu kommen eine frühere Hauptzahlung auf Gesuch, zinsfreie Betriebsdarlehen zur Überbrückung sowie die seit 1. August aufgehobenen Zölle auf importiertem Heu, Grassilage und, auf Antrag des Bauernverbands, auch auf Futtermais.
Dass die Futterknappheit den ganzen Rindviehmarkt erfasst, zeigte sich auch an der Zucht- und Nutzviehauktion vom 5. August in Langenbruck BL, wie die BauernZeitung berichtete: Von knapp 50 aufgeführten Kühen und Rindern knackte nur eines die 4000-Franken-Marke, die meisten gingen für rund 3200 Franken weg, einige unter 3000. Landwirte führten das direkt auf die Futterknappheit zurück, selbst bei gutem Nährzustand der Tiere.
Hitze, Milchpreis und Virus: Verstärker, nicht Auslöser
Ein tiefer Milchpreis senkt die Schwelle, eine Kuh vorzeitig auszumerzen, statt sie mit teuer zugekauftem Futter durchzufüttern. Erste Alpabzüge fanden bereits Ende Juli statt, rund einen Monat früher als üblich, weil auch auf den Alpen das Wasser und das Futter knapp wurden; diese Tiere kommen entsprechend früher auf den Schlachtmarkt. Die Hitze selbst wirkt vor allem indirekt: Sie lässt das Gras nicht mehr wachsen und drückt zusätzlich auf den Appetit und die Milchleistung der Kühe.
Und für die kranken Tiere mit Fieber, Durchfall und Milchrückgang, die seit Monaten für Gesprächsstoff sorgen, hat die BauernZeitung selbst die Erklärung recherchiert: Nach Frankreich und Deutschland hat auch das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie (IVI) am 3. August mit eigener Sequenzierung ein Orthobunyavirus aus der Simbu-Gruppe bestätigt, verwandt mit dem Schmallenberg-Virus und dem in Afrika, Asien und Australien bekannten Shamonda-Virus.
Es ist das erste Mal seit dem ersten Schmallenberg-Ausbruch 2012, dass in der Schweiz wieder ein Virus dieser Gruppe auftritt. Übertragen wird der Erreger nicht durch Mücken, sondern durch Gnitzen der Gattung Culicoides, kleine Stechmücken, gegen die sich Ställe kaum abdichten lassen. Für den Milchrückgang auf den betroffenen Betrieben ist das Virus relevant, für die grosse Masse der zusätzlichen Schlachtungen ist es aber nicht der Treiber, das bleibt der fehlende Futtervorrat.
Gestaffelte Schlachtungen sollen Preiszerfall verhindern
Um ein kurzfristiges Überangebot zu vermeiden, haben Viehhändler und Bauernverband gemeinsam zu gestaffelten Schlachtungen aufgerufen. Peter Bosshard sagte gegenüber SRF, dort, wo es die Futterversorgung zulasse, scheine das zu funktionieren. Die BauernZeitung hat ihm dazu zwei Fragen gestellt, die Antworten stehen noch aus: ob der Viehhändlerverband den Rekord-Tiefstand beim Kuhbestand – 645 133 Tiere per Ende Juli laut Identitas-Dashboard – als vorübergehenden Sommereinbruch einschätzt oder als Beginn einer strukturellen Verschiebung, und wo genau die gestaffelte Schlachtung nicht funktioniert, weil die Futterversorgung es nicht zulässt.
Gegenüber SRF hatte Christophe Hutmacher, stellvertretendem Leiter Kommunikation bei Proviande, die Preisentwicklung nur knapp eingeordnet: leicht gesunkene Schlachtpreise, aber kein eigentlicher Preiszerfall, weiterhin über Vorjahresniveau. Der BauernZeitung hat er auf konkrete Nachfrage deutlich mehr gesagt, siehe die Fragen und Antworten weiter unten in diesem Artikel.
Die BauernZeitung hat die SRF-Aussage zusätzlich mit den offiziellen Proviande-Zahlen nachgerechnet: Der Schlachtpreis für QM-Kühe lag im Juni 2026 bei 10.63 Franken pro Kilo Schlachtgewicht, 5,8 Prozent mehr als im Juni 2025 mit 10.05 Franken. Auch im Schnitt der ersten sechs Monate liegt der Kuhpreis mit 5,4 Prozent im Plus.
Trotz der historisch hohen Schlachtzahlen ist der Preis für Kühe also nicht eingebrochen, sondern weiter gestiegen, deutlicher, als es die knappe SRF-Aussage vermuten liess. Noch handelt es sich nicht um Notschlachtungen zu Ramschpreisen, sondern um einen Markt, der die zusätzlichen Tiere bislang auffangen kann. Wie lange das so bleibt, dazu hat die BauernZeitung bei Christophe Hutmacher direkt nachgefragt.
Wieso wird immer trotzdem importiert?
Proviande verteidigt ihre Importpolitik, obwohl sich die Frage aufdrängt: Trocken ist es in der Schweiz nicht erst seit Juli, warum wurden also überhaupt Importe freigegeben, wenn mit derart hohen Schlachtzahlen zu rechnen war? Die BauernZeitung wollte von Christophe Hutmacher wissen, weshalb nicht stärker gegengesteuert wird, etwa über eine Reduktion der Importfreigaben, wenn gleichzeitig so viele zusätzliche Schweizer Tiere auf den Markt kommen.
Er weist die Prämisse zurück, mit einer Korrektur, die man ihm zugutehalten muss: Die kumulierte Importstatistik von Januar bis Juni, auf der die Kritik beruht, schliesse fünf Monate ein, in denen die aussergewöhnliche Schlachtsituation noch gar nicht bestand, sie setzte ja erst ab Juni markant ein. Zudem umfassten die gesamten Rindfleischimporte verschiedene Fleischkategorien und seien nicht direkt mit dem aktuellen Mehrangebot an Verarbeitungskühen gleichzusetzen.
Beim eigentlich relevanten Wert sei sehr wohl reagiert worden, sagt Hutmacher: Für die Periode vom 3. bis 30. August 2026 habe der Proviande-Verwaltungsrat nur 500 Tonnen zur Importfreigabe für Schlachtkörper von Verarbeitungskühen beantragt, in der Vergleichsperiode des Vorjahres noch 1300 Tonnen. Ein Rückgang um 62 Prozent: «Wir haben uns intensiv mit der aktuellen Marktsituation und der Lage vieler Produzentenbetriebe auseinandergesetzt», so Hutmacher, «und versuchen, die Versorgungslage so realistisch wie möglich einzuschätzen.»
Dass die insgesamt verfügbare Menge an Rind- und Kuhfleisch trotzdem um 14,8 Prozent höher lag als im Vorjahr, sei kein Widerspruch dazu: Ein höheres Inlandangebot decke nicht automatisch die gesamte Nachfrage, Importe ergänzten die Inlandproduktion dort, wo diese nicht ausreiche.
Und was, wenn sich der Trend bis Ende August wie befürchtet weiter verschärft? Welche Massnahmen hat Proviande über die gestaffelten Schlachtungen hinaus in der Hinterhand? Hier gibt sich Hutmacher gelassen: Von einem Preiszerfall könne aktuell nicht gesprochen werden. Der kurzfristig starke Angebotsanstieg habe zwar zu einer Korrektur bei den Produzentenpreisen für Kühe geführt, diese lägen aber weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, die Preisbildung erfolge grundsätzlich aufgrund von Angebot und Nachfrage.
Zusätzliche Marktentlastungsmassnahmen seien deshalb aktuell keine beschlossen. Proviande unterstütze bis auf Weiteres den gemeinsamen Aufruf, die Tiere gestaffelt auf die Märkte zu bringen, um kurzfristige Angebotsspitzen zu reduzieren. Die Marktsituation werde laufend beobachtet und bei einer wesentlichen Veränderung von den Marktpartnern neu beurteilt.
Im Regal zeigt sich das Überangebot bereits
Was das auf der Verkaufsseite bedeuten könnte, zeigt eine Blick-Recherche vom selben Tag: Bei anhaltender Hitze bleibt Grillfleisch in den Kühltruhen liegen. Migros, Aldi und Lidl melden weiterhin gewohnt hohe Nachfrage, bei Spar und Denner ist sie deutlich zurückgegangen, Coop hat seine Bestellungen bereits leicht reduziert. Auf Poulet, Kalbsbratwurst und anderes mariniertes Fleisch kleben trotzdem schon mittags 40-Prozent-Rabattsticker, nicht erst kurz vor Ladenschluss. Ein Detailhändler begründete die prall gefüllten Aktionskühltruhen gegenüber Blick damit, Überbestände an Schweizer Schweinen abzubauen.
Beim Blick in die Proviande-Statistik zeigt sich, warum: Der Schweinepreis (QM/AQ) ist regelrecht eingebrochen, von 4.80 Franken pro Kilo im Juni 2025 auf noch 2.68 Franken im Juni 2026, ein Minus von 44,3 Prozent. Bei IP-Suisse-Schweinen sieht es praktisch gleich aus, einzig Bio-Schweine blieben mit minus 1,3 Prozent nahezu stabil. Der Preiszerfall, den Hutmacher für Rindvieh verneint, ist beim Schwein längst Tatsache.
Das betrifft vorerst vor allem Schweinefleisch und Grillware, nicht gezielt Rind- oder Kuhfleisch. Doch das Muster ist dasselbe wie bei den Schlachtzahlen: Ein wachsendes Angebot trifft auf eine Nachfrage, die bei Hitze eher sinkt als steigt. Ob sich das auch bei Rindfleisch im Regal zeigt, dürfte davon abhängen, wie sich die Schlachtzahlen bei Kühen im August weiterentwickeln.
Importe: mehr Nuance, als die Rohzahlen zeigen
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden die zusätzlichen Schweizer Kühe einfach zum bestehenden Importvolumen hinzukommen, statt es zu verdrängen: Die gesamten Rindfleischimporte sind laut Proviande-Statistik kumuliert von Januar bis Juni 2026 nur um 2,5 Prozent auf 16 123 Tonnen gesunken. Im Juni allein lagen sie mit 2789 Tonnen praktisch gleichauf mit dem Vorjahr.
Auch bei den Importen ausserhalb des Zollkontingents ein Plus von 11,7 Prozent, während die Menge innerhalb des Kontingents kumuliert um 5,0 Prozent sank. Wie im vorigen Kapitel dargelegt, relativiert Hutmacher diese Rohzahlen deutlich, bei den tatsächlich relevanten Importfreigaben für Verarbeitungskühe zeigt sich das Gegenteil.
Was danach kommt: Ein Bestand baut sich nicht in einem Sommer wieder auf
Die Schlachtzahlen und der Rekord-Tiefstand beim Kuhbestand sind auch unabhängig vom BLW-Termin politisch angekommen. Der Berner SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh, selbst Landwirt und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands, bestätigte gegenüber Blick eine eigene Zahl: «Im vergangenen Monat sind bereits 3500 Kühe mehr geschlachtet worden als im Vorjahr.»
Das deckt sich mit den Proviande-Zahlen aus diesem Artikel, rund 7000 zusätzliche Kühe über Juni und Juli zusammen ergeben im Schnitt genau diese Grössenordnung pro Monat. Wandfluh warnte zudem, die Schlachthöfe seien zeitweise an der Kapazitätsgrenze gewesen.
Für die Betriebe stellt sich damit eine Frage, die über diesen Sommer hinausreicht: Was passiert, wenn eine Milchkuh weg ist? Anders als beim Futter lässt sich ein reduzierter Kuhbestand nicht einfach in der nächsten Saison nachholen. Eine Rinderaufzucht bis zur ersten Abkalbung dauert rund zwei bis drei Jahre. Wer jetzt notgedrungen mehr Kühe verkauft, als er eigentlich ersetzen wollte, büsst entsprechend länger an Milchleistung ein, als die aktuelle Trockenheit dauert. Das ist der Grund, weshalb der historisch tiefe Bestand aus dem Identitas-Dashboard mehr ist als eine Momentaufnahme des Sommers 2026.
Auch Alois Huber, SBV-Vizepräsident und Aargauer SVP-Nationalrat, sprach gegenüber Blick offen über die psychische Belastung auf den Betrieben, mit Verweis auf die erhöhte Suizidrate im Berufsstand. Das zeigt, dass es bei der Futterknappheit nicht nur um Zahlen und Franken geht, sondern auch um die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die jetzt unter Zeitdruck über den Tierbestand ihres Hofs entscheiden müssen.
Ausblick: Entscheidend ist, ob im August noch Regen kommt
Wie der SBV am Montag in seiner wöchentlichen Notiz vermeldet, reichen ihm die bisherigen Massnahmen nicht: Der Verband begrüsst zwar die Notfallmassnahmen des Bundes, hält aber fest, dass diese angesichts des Ausmasses der Dürre und ihrer wirtschaftlichen Folgen nicht ausreichen.
Die Formulierung des SBV geht dabei über die einzelnen Betriebe hinaus: Die Situation betreffe nicht nur einzelne Betriebe, sondern stelle langfristig auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln infrage. Der Verband fordert deshalb weitere Massnahmen auf allen Ebenen, ausdrücklich auch bei den Produzentenpreisen. Das setzt einen anderen Akzent als Hutmachers Einschätzung, wonach die Schlachtpreise trotz der hohen Zahlen stabil geblieben seien: Für den Bauernverband ist das aktuelle Preisniveau offenbar nicht genug, um die Mehrkosten und Ausfälle der Betriebe aufzufangen.
Ein Ende der erhöhten Schlachtzahlen ist laut den Branchenvertretern nicht absehbar. Entscheidend ist dabei weniger, wie lange die Hitze anhält, sondern ob und wie viel Regen im August noch fällt. Bleibt der Regen aus, wird sich die Futtersituation auf den Betrieben weiter zuspitzen, und mehr Landwirte dürften sich für die Schlachtung statt für teuren Futterzukauf entscheiden.
Peter Bosshard bringt es auf den Punkt: Halten Hitze, Trockenheit und die Viruskrankheit bis Ende August an, dann werde die Lage deutlich schwieriger. Erholen sich erkrankte Tiere nicht und kommen zusätzlich auf den Markt, könnte ein eigentliches Überangebot entstehen, das den Preis stärker unter Druck setzt.
Für Milchviehbetriebe im Talgebiet heisst das: Wer jetzt an eine vorzeitige Ausmerzung denkt, sollte sich mit dem Vieh- oder Schlachthandel absprechen, um nicht zur ungünstigsten Zeit ins volle Angebot zu verkaufen. Und wer noch Futter hat, findet über die kantonalen Futterbörsen möglicherweise eine Alternative zur vorzeitigen Schlachtung.

