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Porträt: In Meien herrscht weihnächtliche Ruhe

Im Sommer wälzt sich viel Verkehr am Betrieb von Familie Baumann am Sustenpass vorbei. Aber im Winter bleiben die 55 Einwohner unter sich.


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Wer im Sommer über den Sustenpass fährt, würde kaum vermuten, wie ruhig es hier im Winter sein kann. Kaum ein Auto, keine Hektik und kein Lärm. Dafür jede Menge Natur und winterliche Landschaft –wenn es nicht soviel geschneit haben sollte, dass die Zufahrt wegen Lawinen geschlossen werden muss. Dies komme jedes Jahr mindestens zehn Mal vor, weiss Andreas Baumann.

Beim Besuch bei Familie Baumann am St. Nikolaustag im ­Dörfli Meien war es zwar nur draussen ganz still. Drinnen im Haus von Susanne und Andreas Baumann war bei der quirligen Kinderschar immer etwas los.

Wünsche wurden deponiert

Man freue sich auf das Christkind, war zu vernehmen und man habe auch schon die Wünsche deponiert. Doch vorerst sei ja noch der St. Nikolaus unterwegs und den Christbaum habe man noch nicht bestellt, meinte die Mutter Susanne Baumann.

Die Bauerntochter Susanne, ledige Zurfluh, aus Erstfeld ist mit Andreas Baumann verheiratet und hat fünf muntere Kinder im Alter zwischen einem halben und neun Jahren. Da ist in den langen Wintermonaten genügend los im Haus, auch wenn es draussen ziemlich eintönig und ruhig ist. Andreas Baumann ist in Meien aufgewachsen, hat noch im Dorf selber die Primarschule besucht und half auch während der Lehrzeit als Metallbauer stets seinen Eltern auf dem Bauernbetrieb.

21-Hektaren-Betrieb

Dieser Betrieb umfasst rund 21 Hektaren und kann zu drei Vierteln maschinell betrieben werden. Seit 2013 hat Andreas den Betrieb von seinem Vater übernommen und führt ihn mit zehn Kühen, sechs Stück Jungvieh und 35 bis 40 Schafen weiter. Es ist ein Kälbermastbetrieb mit Direktverkauf von Alpkäse und etwas Fleisch. Den Sommer verbringt der ganze Viehbestand auf dem Hinterfeld, der Bergalp, und auf der Schafalp Oberplatti am Sustenpass. Er nehme jeweils auch an der bekannten Alpabfahrt nach Wassen teil, obwohl er einen kürzeren Weg zu seinem Heimwesen hätte, sagte Andreas. Der Grund liege darin, dass man bei der grossen Beliebtheit des Anlasses mit genügend Vieh auffahren wolle.

«Mindestens zehnmal im Jahr ist die Zufahrt wegen Lawinen geschlossen.»

Für Andreas Baumann ist die Abgeschiedenheit alltäglich.

Langer Schulweg

Seit die Schule in Meien um 2001 die Türen geschlossen hat, müssen die Kinder per Schulbus nach Göschenen, Wassen und Gurtnellen in die Schule. Ein weiter Schulweg, aber machbar, meinen die beiden 34-jährigen Eltern Susanne und Andreas. Und bei viel Schnee entscheiden sie selber mit den anderen Eltern, ob sie die Kinder zur Schule schicken wollen oder nicht. Meistens verkehrt dann aber auch kein Bus mehr.

«Wir haben eine unvergleichliche Bergwelt hier.»

Andreas Baumann, Landwirt und Familienvater aus Meien.

Susanne ist gelernte Floristin und heute vollamtlich Hausfrau und Mutter. Im Haus hat man sich für eine Grossfamilie gemütlich eingerichtet und geniesst in den langen Wintermonaten die Ruhe.

Auf die Frage, worauf sich die Familie jeweils im Sommer am meisten freuen würde, meinte Andreas: «Auf die Abgeschiedenheit und Ruhe im Winter.» Tatsächlich sind dann die 55 Einwohner von Meien unter sich. Was dabei erstaunt, ist die Tatsache, dass die Einwohnerzahl nicht etwa stagniert, sondern leicht zunimmt. So konnten allein in diesem Jahr zwei Geburten verzeichnet werden, obwohl sich keine Einkaufsmöglichkeit, kein Lehrer und kein Pfarrer im Dorf befinden.

Viel Verkehr im Sommer

In Meien lebt es sich im Winter wie in einer Enklave. Das Leben muss nach Wassen, Gurtnellen und Göschenen oder sogar ins Unterland ausgerichtet werden, einige Kilometer weiter unten. Diesbezüglich bekommen die Bewohner die Nachteile zu spüren. Für sportliche Betätigungen der Kinder besteht praktisch keine Möglichkeit, es sei denn, die Eltern würden die Kinder zum Training immer hinunterfahren. Einzig im Sommer gibt es einen kleinen Sportplatz, der vor wenigen Jahren gesponsert und eingeweiht wurde. Auch zum Skifahren müssen die Kinder nach Andermatt gefahren werden, da ausser unberührten Schneehängen in Meien nichts zur Verfügung steht. «Dies vermissen wir am meisten», meinte Susanne Baumann. Ihr Mann ergänzt: «Dafür haben wir eine unvergleichliche und ruhige Bergwelt.» Dies wird einem bewusst, wenn man die Sustenstrasse ohne zu zögern überqueren kann und in die Bergwelt blickt, wo man im Sommer gar keine Möglichkeit hätte hinzuschauen, weil die Auto- und Töffkolonnen fast ununterbrochen am Haus der Baumanns vorbeifahren.

Und deshalb wird die Weihnachtszeit bei der Familie Baumann zu etwas Besonderem, worauf man sich schon im Sommer freuen kann, weil dann wieder die ersehnte Ruhe eintritt. Das Christkind wird dann wie zur Kinderzeit von Susanne und Andreas durch die Fenster huschen und die Kinder glücklich machen. Dies wünschen sich Lara (9 Jahre), Lilly (7 Jahre), Lino (5 Jahre), Lian (4 Jahre) und Louie (5 Monate) auch für ihre geliebten Schäflein und Kälblein, die sie stolz den Besuchern zeigen. Robi Kuster

Betriebsspiegel Baumann

Betriebsleiter: Susanne und Andreas Baumann

Ort: Dörfli, Meien, 1300 m ü. M., BZ IV

Flächen: 21 ha Wiesen und Weiden

Viehbestand: zehn Milchkühe mit Aufzucht, 40 Schafe

Arbeitskräfte: Betriebsleiter und sein Vater, ganze Familie im Sommer für Heuet

 

 

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