Was als Garagenexperiment in Teilzeitarbeit begann, erlangt nun professionelle Praxisreife. Zwei Jahre bauten drei Schulfreunde und heutige Ingenieure aus dem Aargauer Freiamt einen Roboter, jeweils nach Feierabend und an Wochenenden.
Seit Mai 2026 arbeiten sie vollzeitlich daran. 2025 gründeten sie die Firma Precira mit Sitz in Luzern, ein Start-up der ETH. Entstanden ist ein selbstständig fahrender Roboter, der Unkraut mit künstlicher Intelligenz (KI) erkennt und selektiv entfernt. Allerdings nicht mehr mit Chemie wie beim herkömmlichen Pflanzenschutz, sondern mit einem Hochleistungs-Laserstrahl.
Viel Zeit und Kosten sparen
Unkraut sei eine der grössten Herausforderungen im Gemüsebau, das Jäten aufwändig, die chemische Bekämpfung nicht nachhaltig, sagt Gründer und ETH-Physiker Marius Gächter. Aufgewachsen in der Umgebung von Bauernhöfen, habe er schon in seiner Kindheit gesehen, welchen Aufwand das Jäten verursache. Und wie schwierig es sei, dafür Personal zu finden.
Dreimal günstiger als mit manueller Arbeit lasse sich mit ihrem Roboter im Gemüsebau das Unkraut entfernen. Und dank des Leichtgewichts von 500 kg eigne sich das Gefährt auch für den Einsatz in nassen Böden. Das Trägerfahrzeug, GPS‑ und kameragesteuert und mit vier separat angetriebenen Rädern, haben sie ebenfalls selbst gebaut.

Kein Tageslicht nötig
Der Roboter navigiert selbständig. Die KI erkennt mit einer Genauigkeit von 99 Prozent in Millisekunden das Unkraut, und der mit einem leistungsfähigen Generator betriebene Laser verbrennt es mit einer Millimetergenauigkeit. Der Laserstrahl trifft dabei den Wachstumspunkt, aus dem die Unkrautpflanze neue Blätter treibt. Diesen zerstöre der Laserstrahl durch Hitze, erklärt Marius Gächter.
Der Roboter ermögliche einen pausenlosen Betrieb über 24 Stunden und könne auch nachts eingesetzt werden. Bekämpft wird das Unkraut in den Reihen, wo sonst mühsame Handarbeit nötig ist. Zwischen den Reihen bleibt mechanisches Hacken weiterhin sinnvoller.
Feldeinsatz war erfolgreich
Das Gefährt wurde letztes und dieses Jahr gemeinsam mit Landwirten in der Zentralschweiz im Feldeinsatz getestet und laufend verbessert. «Der erste Einsatz war ernüchternd langsam. Wir haben danach viele Tage und Nächte auf dem Feld verbracht, um das zu ändern», sagt Marius Gächter.
So konnte dieses Jahr in zehn Einsatzwochen zwischen Juni und August der Stundenbedarf allein durch Verbesserungen bei der Software pro ha von 90 auf 50 gesenkt werden. Diesen Sommer wurden bei zahlenden Kunden auf fünf Feldern insgesamt 2,5 ha Karotten gejätet, das habe den Betrieben rund 400 Stunden Handarbeit gespart.
Fokus Bio-Gemüsebau
Von Bio-Gemüsebauern weiss Marius Gächter, dass für das Jäten von Karotten mit zwischen 200 und 600 Stunden pro Hektare gerechnet werden muss. Die von Externen angebotene Dienstleistung Lohnjäten kostet um die 32 Franken pro Stunde, und auch wenn dafür eigene Arbeitskräfte eingesetzt werden könnten, fallen dafür Vollkosten von 22 bis 25 Franken pro Stunde an.
Für den Einsatz ihres Laserroboters verrechnete Precira den Bauern diese Saison zwischen 1000 und 1500 Franken pro Hektare und Durchgang. Sinnvoll seien zwei Durchgänge innert Wochenfrist. Die Echos der Bauern seien positiv, so Gächter. Das Gerät arbeite sehr genau, und die Wirkung des Laserstrahls sei gut.
Geschätzt werde die Ersparnis an Stunden und damit Kosten, zumal es immer schwieriger werde, für das Jäten Personal zu finden. Mit Laserjäten könnten aktuell bis zu 80 Prozent Handarbeit eingespart werden. Im Biolandbau sei der Einsatz des Roboters schon heute deutlich günstiger als Handarbeit. «Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren auch gegenüber Herbiziden konkurrenzfähig zu werden», sagt Gächter.

Testbetriebe gesucht
Der Prototyp des Roboters bearbeitet zwei Pflanzreihen gleichzeitig, die nächste Generation soll vier Reihen schaffen und mit doppelt so vielen Lasern pro Reihe ausgerüstet sein. Dank einer schnelleren Steuerung rechnet Precira damit, dass der Zeitbedarf auf rund zehn Stunden pro ha gesenkt werden kann.
Ab nächster Saison arbeitet das Team mit einer Partnerfirma zusammen, die das Trägerfahrzeug liefert. Precira will sich dann auf die Lasermodule konzentrieren. Ziel sei künftig der Verkauf der Geräte. Der Preis für ein zweireihiges Einsteigermodell soll unter 100 000 Franken liegen. Das würde bei guter Auslastung ermöglichen, dass das Jäten mittelfristig noch 500 bis 700 Franken pro Hektare kostet – so Gächters Kalkulation.
Precira sucht nun weitere interessierte Bauern, die den Roboter nächstes Jahr ausprobieren möchten. «Sie zahlen nur, wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind», heisst es in einem Aufruf.
KI hilft, Erträge zu optimieren
Precira sieht vor allem dank der KI grosse Zukunftschancen. Der Roboter erfasst kontinuierlich hochwertige Felddaten, so könnten neue agronomische Strategien entwickelt werden – beispielsweise für den selektiven Unkrauterhalt, um Nützlinge anzulocken. Oder den Landwirten könnten feldspezifische Optimierungsstrategien zur Ertragssteigerung angeboten werden. So, weil punktgenau die Unkrautdichte, Kulturendichte oder auch Daten zum Bodenzustand, Wasserhaushalt, zu Nährstoffgehalten und zum Wachstum der Pflanzen erfasst werden können.
Nomination für Zukunftspreis
Hinter Precira steht ein interdisziplinäres Team mit Wissen in KI und Computertechnik, Laser-Optik, Elektrotechnik und Systemintegration. Der Gründer und ETH-Physiker Marius Gächter baute für sein Doktorat einen Quantencomputer. Mitgründer sind der Informatiker und Entwickler von KI-Systemen Joel Rüttimann sowie der Elektroingenieur Mario Steinger.
Precira ist diesen Herbst für den Zukunftspreis der Luzerner Kantonalbank nominiert. Von 91 eingereichten Projekten haben es neun in die engere Auswahl geschafft, in der Kategorie «Technologie und Innovation». Das Voting findet vom 21. September bis 5. Oktober statt. «Falls wir den Preis von 40 000 Franken gewinnen, würden wir damit einen zweiten Roboter bauen und die Werkstatt in Littau LU weiter ausstatten», sagt Mario Steinger.

