«Wie baue ich fruchtbare Böden auf meinem Betrieb auf?» Diese Frage stellt sich wohl jeder Betriebsleiter und jede Betriebsleiterin – nach einem Sommer wie 2026 umso mehr. Selbst wenn die Ernten zufriedenstellend sind, so könnte das System in der Regel noch resilienter und weniger abhängig von Hilfsstoffen werden. Wie das geht, dazu findet man sowohl viel Theorie als auch den Beschrieb von Beispielen aus der Praxis. An den Boden-Praxistagen von Soil to Soul wird beides kombiniert und erlebbar.
Start mit Vorträgen
Das Programm vom 29. Oktober bis 1. November (Donnerstag bis Sonntag) ist eng getaktet. Nicht, dass Pausen und Verpflegung fehlen würden – auch für den Transport ist jeweils gesorgt –, sondern es gibt viel zu hören und zu erfahren. Am ersten Tag besuchen die Teilnehmenden Vorträge in der Stadt Zürich: Es geht um Regenwürmer, die Verbindung von Landwirtschaft und Gastronomie, die Bedeutung von lebendigem Saatgut und ein sehr erfolgreiches finnisches Direktvermarktungsmodell.
Zu Besuch auf grossen und kleinen Betrieben
An den restlichen drei Tagen führt der Kurs «aufs Feld», auf drei verschiedene Betriebe. Erste Station ist der Hof St. Katharinental im Kanton Thurgau, wo Urban Dörig im Ackerbau auf grosser Fläche (104 ha LN) gezielt mit der Biodiversität arbeitet. In der Gruppe beschäftigt man sich nach einer Hofführung mit Spatenprobe, Zeigerpflanzen, den richtigen Bearbeitungszeitpunkten und dem Einsatz von Maschinen. Am Samstag findet der Kurstag auf dem Biohof Guyer in Seegräben ZH statt. Er bildet flächenmässig einen grossen Kontrast zur Domäne St. Katharinental, denn Familie Guyer bewirtschaftet nur 8 ha LN. Darauf wachsen indes zahlreiche verschiedene Obstsorten, Gemüse, Kartoffeln, Beeren und Blumenwiesen. Die Hofführung ist diesmal für den Nachmittag vorgesehen. Am Morgen erfahren die Teilnehmenden an Vorträgen mehr über das Ökosystem Boden, Springschwänze und die Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft. Gemeinsam wird gegen Abend diskutiert, mit welchen Schritten auf dem eigenen Betrieb der Bodenaufbau anzugehen wäre.
Pflanzenschutz beginnt im Untergrund: Immer grün für die «Kühe im Boden»
Urban Dörig setzt auf eine ausgeglichene Ration fürs Bodenleben und funktionelle Biodiversität. Wiederkäuer gehören für ihn ins Ackerbau-System, auch wenn er selbst keine hält. Der Thurgauer pflegt aber auch seine «Kühe im Boden» mit Sorgfalt.Zuletzt zu Milchschafen und Obst
Der Bungerthof in Berg am Irchel ZH ist ebenfalls divers aufgestellt. Im Fokus stehen Milchschafe und zwei Hochstamm-Obstgärten, ergänzt durch Kräuter, Blüten, Beeren und einen Rebberg. Hier werden die bisherigen Hofbesuche der Boden-Praxistage am Sonntag nachbesprochen, Gruppenarbeiten fertiggestellt und noch offene Fragen geklärt. Ein Infoblock für Bodenpraktiker rundet das Programm ab.
Das Ziel dieser vier intensiven Tage laut den Veranstaltern: zu lernen, wie die eigenen Böden langfristig stabil und produktiv entwickelt werden können. Dies angesichts verbreiteter Herausforderungen wie Verdichtungen, sinkender Bodenfruchtbarkeit, steigender Kosten für Betriebsmittel und unsicherer Erträge. Die Antworten kommen sowohl aus der Theorie als auch aus der Praxis – und dem, was im gemeinsamen Erfahren und Diskutieren daraus entsteht.
Infos und Anmeldung (bis 16. Oktober):
www.sotoso.org/praxistage

