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Boden im Fokus: Jurapark Aargau sucht Betriebe für Pilotprojekt

Fünf bis acht Betriebe können mitmachen. Wer dabei ist, erhält kostenlose Erstberatung durch das FiBL und einen persönlichen Aktionsplan. Mit an Bord sind der WWF und die Krankenkasse Swica.

Landwirtschaftsbetriebe gehören im Jurapark Aargau zu den Schlüsselakteuren, sagt Léa Sommer. «Sowohl bei der Förderung von Regionalprodukten als auch von Artenvielfalt und Lebensräumen durch konkrete Umsetzungsprojekte», führt sie aus.

Ein solches Projekt soll nun die regenerative Landwirtschaft auf dem Parkgebiet fördern, Sommer ist dabei Projektleiterin. Gesucht sind fünf bis acht Betriebe, die in den nächsten zwei Jahren konkrete Massnahmen planen und umsetzen möchten.

Grosser Name, überschaubare Anforderungen

«Im Park gibt es bereits innovative Betriebe, die heute schon auf Bewirtschaftungstechniken der regenerativen Landwirtschaft setzen oder an einer Umstellung interessiert sind», schildert Léa Sommer. Der Jurapark sehe es daher als seine Aufgabe, diese Entwicklung zu begleiten und zu beschleunigen. Mit an Bord sind der WWF und die Krankenkasse Swica – daher auch der Projektname «Gemeinsam auf dem Weg zu einer regenerativen Landnutzung für Klima, Biodiversität, Gesundheit und Ernährungssicherheit».

Dieser Slogan kann einen in seiner Breite erschlagen – die Vorgaben für die Teilnahme sind hingegen eher niederschwellig: Interessierte sollen eine hohe Eigenmotivation mitbringen und die Bereitschaft, aktiv im Netzwerk und an zwei Veranstaltungen jährlich teilzunehmen. Weiter wird eine Standortanalyse mit der Smart-Methode oder «Mein Hof-Kompass» vorausgesetzt.

Es sind bis 2028 mindestens drei Massnahmen umzusetzen, inklusive Evaluation der Wirkungen. Dafür gibt es eine kostenlose Erstberatung durch das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL), kostenloses Coaching durch Fachpersonen nach Bedarf und finanzielle Unterstützung «in kleinem Rahmen». Natürlich muss der Betrieb im Jurapark Aargau liegen.

Für jeden Betrieb einen individuellen Aktionsplan

«Im Projekt werden keine spezifischen Massnahmen im Voraus festgelegt», erklärt Léa Sommer. Exemplarisch nennt der Jurapark Aargau etwa Direktsaat, Zwischenfrüchte, Kompost, Biostimulanzien, Hecken und Kleinstrukturen.

Die konkrete Auswahl erfolge jedoch individuell pro Betrieb, betont die Agronomin: Gestützt auf die Standortbestimmung werde mit Unterstützung einer Beratungsperson des FiBL ein persönlicher Aktionsplan erarbeitet, in dem Massnahmen und die jeweils angestrebten Wirkungsziele festgehalten sind.

«Von Bauer zu Bauern» ist ein wichtiger Ansatz im Projekt

Die Projektleiterin sieht einen Vorteil im regionalen Ansatz des Projekts auf dem Parkgebiet. Das ermöglicht es, das landwirtschaftliche System ganzheitlich über die Betrachtung von Einzelbetrieben hinaus anzusehen. Ausserdem liege der Hauptsitz des FiBL direkt im Jurapark Aargau. «Es ist in zahlreiche Forschungsprojekte zur regenerativen Landwirtschaft involviert und verfügt über bewährte Tools und Methoden, um die Nachhaltigkeit von Betrieben präzise zu messen», so Sommer.

Als weitere Projektpartner nennt sie das LZ Liebegg sowie den Verein Regenerativ Schweiz. Für das Coaching können auch Landwirt(innen) mit grosser Erfahrung in diesem Bereich herangezogen werden – man ergänze die Liste der Coaches laufend, etwa durch Vorschläge der Teilnehmenden. «Der Ansatz von Bauer oder Bäuerin zu Bauer hat im Projekt einen hohen Stellenwert», versichert Léa Sommer. Denn der Austausch mit erfahrenen Berufskolleg(innen) gelte als besonders praxistauglich und glaubwürdig.

Finanzielle Hilfe ist kein Schwerpunkt

Es soll ein Arbeitskreis zur regenerativen Landwirtschaft im Jurapark Aargau entstehen. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt werden in einer Jurapark-Wegleitung festgehalten – inklusive Stimmen aus der Praxis und von Fachpersonen. «Als praxisorientierte und wissenschaftlich fundierte Umsetzungshilfe für Landwirtschaftsbetriebe», beschreibt die Agronomin.

Die Finanzierung von Massnahmen bleibt bewusst im Hintergrund. Die Möglichkeit für eine finanzielle Unterstützung soll nicht die Hauptmotivation zur Teilnahme am Projekt sein. «Allenfalls besteht für gewisse Massnahmen die Möglichkeit, für die Umsetzung weitere Gelder zu akquirieren», merkt Léa Sommer an. «Das hängt aber von vielen unsicheren Faktoren ab.» 

Zufriedene und motivierte Pilotbetriebe

Für das ideale Resultat im Jurapark Aargau nach 2,5 Jahren hat die Projektleiterin eine ziemlich klare Vorstellung. Die Pilotbetriebe sollen zufrieden und motiviert sein, den Weg zur regenerativen Landwirtschaft weiterzugehen. Das Thema soll im Park breit bekannt sein, das Interesse anderer Betriebe etwa dank Fachanlässen geweckt. Weiter hofft Léa Sommer, dass sich ein solides Netzwerk zur regenerativen Landwirtschaft im Jurapark Aargau bildet, samt offenem Arbeitskreis.

Weitere Informationen und Anmeldung

Was ist der Jurapark Aargau?

Der Jurapark Aargau umfasst 31 Parkgemeinden (30 davon im Kanton Aargau, eine in Solothurn) und 299 km² Fläche. Es ist ein regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung und als Verein organisiert, zu dem die Parkgemeinden, Partnergemeinden, Firmen, Organisationen und Einzelmitglieder gehören.

Der Verein, bzw. die 16 Mitarbeitenden der Geschäftsstelle, arbeiten in den vier Handlungsfeldern Natur und Landschaft, nachhaltige Regionalwirtschaft (naturnaher Tourismus und Regionalprodukte), Gesellschaft und Kommunikation sowie Parkmanagement und Forschung. 2025 gab es 418 als Regionalprodukte zertifizierte Lebensmittel, darunter Obst, Getreide, Pflanzenöle und Wein.

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