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Ammoniakreduktion: Talacherhof setzt auf Steinobst statt Schweine

Familie Limacher vom Talacherhof in Baar beteiligt sich an einem Ressourcenprojekt zur Reduktion von Ammoniak- und Geruchsemissionen. Sie gehen einen konsequenten Weg.

Ammoniakreduktion: Talacherhof setzt auf Steinobst statt Schweine

Die Aussicht den Hang hinab auf den Zugersee ist spektakulär. Der Anblick des Schweinestalles, der sich direkt unter uns ins steile Gelände schmiegt, hingegen etwas weniger. «Der Zuchtstall für 80 Moren wurde vor 50 Jahren erbaut, nun ist er definitiv in die Jahre gekommen, das Dach ist sanierungsbedürftig und die Lüftung kommt an ihre Grenzen», bestätigt Betriebsleiter Pirmin Limacher den Eindruck.

Ein Umbau oder sogar ein kompletter Neubau der Stallung schien unumgänglich. Doch Pirmin Limacher und seine Frau Cordula haben sich anders entschieden. «Da meine Frau auswärts als Projektplanerin in einer Schreinerei tätig ist und mir die Arbeit auf unserer Obstanlage viel besser zusagt als im Schweinestall, haben wir uns für die komplette Aufgabe der Schweinezucht entschieden», erzählt der Baarer.

Seit drei Generationen in der Schweinezucht

Am Vortag habe die letzte More geferkelt und Ende November werde der gesamte Stall leer sein, erklärt Limacher beim Betriebsrundgang Ende September. Wenn er das so erzählt, schwingt eine gewisse Wehmut mit, denn die Schweinezucht sei schon seit drei Generationen ein Bestandteil des Talacherhofes.

Und gleichzeitig verspüre er auch eine Erleichterung, diesen Betriebszweig abzugeben, gibt der Landwirt unumwunden zu. Der Entschluss dazu fiel vor rund drei Jahren. Damals waren er und seine Frau mitten in der Diskussion, wie eine Neuorganisation des Hofes aussehen könnte, und gleichzeitig wurden sie durch ein Inserat in der BauernZeitung auf das Ressourcenprojekt «Ammoniak- und Geruchsemissionen reduzieren in der Zentralschweiz» aufmerksam.

Ressourcenprojekt als Wegweiser

Das Projekt startete Anfang 2021 und dauert bis Ende 2026. Es unterstützt die Branche beim Finden und Umsetzen von Massnahmen zur Reduktion von Ammoniak- und Geruchsemissionen durch den Umstieg auf extensive Tierhaltung oder gar den Ausstieg aus der Tierhaltung.

Dazu begleitet es die Betriebe bei der Planung und dem Aufbau wertschöpfungsstarker anderer Betriebszweige. Es handelt sich um ein Ressourcenprojekt und ist zu drei Vierteln vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW finanziert.

Die Trägerschaft ist breit aufgestellt. Initiiert wurde das Ressourcenprojekt vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband LBV und der Gemeinde Hohenrain LU in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Landwirtschaft und Umwelt der Zentralschweizer Kantone.

Finanziell werden die Betriebe bei den Umstellungs- und Investitionskosten nur unterstützt, wenn sie folgende Anforderungen erfüllen: Sie müssen ihre Ammoniakemissionen aus der Nutztierhaltung im Vergleich zum Durchschnitt aus den Jahren 2019–2021 um 50 Prozent reduzieren. Weiter soll die Tierdichte einen gewissen Grenzwert nicht überschreiten. Und zuletzt soll die Wertschöpfung aus der landwirtschaftlichen Produktion beibehalten werden.

Neben Zwetschgen gedeihen auf dem Talacherhof vor allem Kirschen und Aprikosen. Diese stehen im Hofladen zum Verkauf. (Bild: Muriel Willi)

Von den Schweinen zum Steinobst

«Es sind 37 Betriebe, davon 17 im Bereich Ammoniak und rund 20 im Bereich Geruch, die wir begleiten», gibt Teilprojektleiterin Annelies Uebersax von Agrofutura Auskunft. Neben Familie Limacher gebe es einen einzigen weiteren Betrieb, der ganz auf Tiere verzichten möchte. Ein Hof plant die Reduktion der Schweinehaltung.

Die übrigen Betriebe planen den Verzicht auf einen Betriebszweig mit Tierhaltung, etwa die Aufgabe der Schweinehaltung, haben allerdings noch andere Tiere und konzentrieren sich darauf. Ein Hof sei von der Milchproduktion und Schweinezucht auf die Mutterkuhhaltung, Weidemast sowie Ackerbau, Biodiversität, Agroforst und Gemüse umgestiegen, erklärt die Fachfrau.

Für Pirmin Limacher war schnell klar, dass er anstelle der Schweinezucht seine bereits bestehende Steinobstanlage ausbauen möchte. Auf den rund 7,7 Hektaren LN in der Hügelzone werden auf dem Talacherhof seit rund 60 Jahren die für den Kanton Zug charakteristischen Tafelkirschen und Zwetschgen angebaut.

Die Anlage am Hang unterhalb des Wohnhauses wurde neu aufgestellt. Auf 50 Aren gedeihen nun Tafelkirschen, zudem wachsen in der witterungs- und insektengeschützten neuen Anlage auf rund 15 Aren neu auch Aprikosen. «Im Herbst 2024 konnten wir die Schutzeinrichtungen aufbauen und im darauffolgenden Winter dann die Jungbäume pflanzen», sagt Pirmin Limacher beim Gang durch die gepflegte Anlage.

Das Obst ist begehrt, mehrmals während des Gesprächs darf der Landwirt im Hofladen Kunden begrüssen und Bestellungen entgegennehmen. Für unseren Rundgang hat er seine Arbeit in der eigenen Brennerei unterbrochen. «Wir stellen aus all unseren Früchten Obstbrände her, heute steht Williams auf dem Programm», erzählt der Familienvater.

Pirmin Limacher betreibt eine eigene Brennerei, in der er das hofeigene Obst verarbeitet. (Bild: Muriel Willi)

Stallbauliche Massnahmen für weniger Emissionen

Während auf dem Talacherhof die Erweiterung der Obstanlage unterstützt wurde, sind es sonst meist stallbauliche Massnahmen, die vom Projekt getragen wurden.

«Beim Rindvieh haben wir unter anderem Laufflächenerneuerungen mit Gefälle und Harnsammelrinnen oder die Einrichtung von sogenannten Cow-Toilets unterstützt und bei den Schweinen Unterflurschieberentmistungen zur Kot-Harntrennung oder neue Abluft- oder Zuluftsysteme», gibt Annelies Uebersax Einblick.

Damit die Aprikosenblüten bei Frost besser geschützt sind, will Pirmin Limacher zusätzlich zur Bedachung auch noch seitliche, herunterrollbare Schutzfolien anbringen, und die Anlage beheizen. «Der Fallwind macht es sonst schwer, in den kalten Frühlingsnächten die Wärme in der Anlage zu behalten», weiss der Obstbauer aus Erfahrung.

Blick in die Zukunft

Und wie sieht es allgemein hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der beteiligten Höfe aus? Die Betriebe werden auch nach dem offiziellen Projektschluss Ende 2026 punktuell weiter begleitet, erklärt die Mitarbeiterin von Agrofutura.

Am Tag des Besuchs auf dem Talacherhof wurde Williams gebrannt. (Bild: Muriel Willi)

Sie ergänzt: «2028 wird die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL nochmals prüfen, ob die Wirkung auf den Projektbetrieben, welche Abgeltungen erhalten haben, beibehalten wird.»

Um ein erstes Fazit zu ziehen, sei es heute noch zu früh. Mitte März 2027 wird der Projektabschluss gefeiert. Dort wird das Projektteam das Fazit der Projektarbeit aufzeigen, gibt Annelies Uebersax bekannt. 

Betriebsspiegel Talacherhof Baar ZG

LN: 7,7 ha in Hügelzone
Betriebszweige: Bis November 2026 Schweinezucht (80 Moren), Obstanlage mit Tafelkirschen, Zwetschgen, Aprikosen für Direktvermarktung und Obstbrennerei, Brennholz aus dem eigenen Wald
Arbeitskräfte: Pirmin Limacher mit einem Angestellten und seinem Vater; während der Erntesaison zwei bis drei zusätzliche Helfer





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