Kurz & bündig - Grashäckselballen kosten um die 16 bis 25 Franken mehr als feldgepresste Rundballen. - Sie bringen aber auch diverse Vorteile, wie bessere Futterqualität durch homogeneres Futter, kein Ballentransport auf der Strasse und höhere Arbeitseffizienz. - Grashäckselballen lohnen sich vor allem für den ersten Schnitt. Jeder weitere Schnitt kostet etwa 5 Franken mehr pro Balle.

Wer zum Betrieb von Reto Lehmann nach Oberbottigen BE fährt, dem fällt sofort das grosse Siloballenlager vor dem Stall auf. Der Junglandwirt führt einen intensiven Milchwirtschaftsbetrieb mit 50 Kühen. Entsprechend hat der Futterbau für ihn einen hohen Stellenwert. Die erste Futterernte im Frühling ist deshalb immer eine stressige Zeit für Reto Lehmann. Er will das Gras der rund 20 Hektaren möglichst zu Beginn des Rispenschiebens ernten und die 200 bis 300 Rundballen gleich danach konserviert zum Ballenlager bringen.
«Zum Teil sind wir ein bis zwei Tage lang nur am Zusammenräumen der Rundballen», erklärt Lehmann. Er kann jeweils 10 Ballen pro Fuder transportieren. Fürs Aufladen, Sichern der Ladung, Transportieren und wieder Abladen braucht er etwa 45 Minuten. Und er muss sich beeilen, weil Krähen in dieser Region ein grosses Problem sind. Liegen die Ballen länger auf dem Feld, picken die Krähen sie an.
Der Ballentransport braucht nicht nur Zeit, sondern stellt auch immer ein Risiko dar. Zum einen leidet die Futterqualität, wenn die Ballen beim Transportieren kaputtgehen, zum anderen muss die Strassensicherheit stets gewährleistet sein.
Aus diesen Gründen hat sich Reto Lehmann entschieden, den ersten Schnitt stationär und nicht mehr auf dem Feld pressen zu lassen. Grashäckselballen kosten zwar deutlich mehr als feldgepresste Grassiloballen, doch für Reto Lehmann überwiegen die Vorteile. «Mit den Grashäckselballen kann ich gutes Futter noch besser machen.»

Planen und den Lohnunternehmer kontaktieren, dann mähen
Die Grashäckselballen lässt Reto Leh-mann vom Lohnunternehmen Schnee-berger & Berger aus Oberbottigen pressen. Dieses stellt die ganze Häckselkette zur Verfügung.
Seit 7 Uhr morgens ist die ganze Equipe mit der Futterbergung beschäftigt. Zwei Fahrer bringen das Gras mit Dosierwagen zur Maispresse. Via Dosieranlage wird die Presse gleichmässig befüllt. Pro Stunde produziert sie im Schnitt 20 bis 25 Ballen. Die Häckselballen nimmt Reto Lehmann selbst weg und stapelt sie ans Ballenlager.
Der Junglandwirt hat am Vortag 20 Hektaren gemäht, gekreiselt und später geschwadet. Sein Ziel ist es, 24- bis 36-Stunden-Silage zu produzieren. Das braucht gute Planung. «Ich kontaktiere den Lohnunternehmer ein paar Tage bevor ich mähen will», sagt Lehmann. Das ist auch für Urs Schneeberger wichtig, damit er die Leute und die Technik einplanen kann. «Das Herstellen von Häckselballen ist sehr personalintensiv.» Für die Häckselkette muss er fünf bis sieben Leute zur Verfügung stellen.

Damit die Futterernte effizient abläuft, schwadet Reto Lehmann das Gras mit einem Seitenschwader. So kann er je nach Futtermenge gleich vier bis sechs Kreiselbreiten zusammenschwaden. «Grosse Schwaden sind besser für den Feldhäcksler. Er arbeitet präziser und effizienter, was die Kosten für den Kunden senkt», erklärt Lohnunternehmer Urs Schneeberger. Er rechnet die Arbeit vom Feldhäcksler nicht nach Stunden, sondern effektiv nach Trommelminuten ab.
Nach 6,5 Stunden kehrt wieder Ruhe ein auf dem Betrieb. 147 Grashäckselballen liegen sauber gestapelt am Lager. «Mit diesem System ist der ganze erste Schnitt innert drei Tagen konserviert», sagt Reto Lehmann. Vorher teilte er die Ernte des ersten Schnitts meistens in zwei bis drei Tranchen auf. Dafür musste er die Maschinen mehrmals an- und wieder abhängen. Für die Grashäckselballen kann er alles auf einmal mähen, kreiseln und dann schwaden. Das ist auch eine Herausforderung für den Landwirt und braucht gute Planung.
«Der erste Schnitt ist das Kapital für das ganze Jahr. Da muss alles stimmen», weiss Lohnunternehmer Urs Schneeberger. Das Herstellen von Häckselballen sei mehr als nur ein Auftrag, es ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Lohnunternehmer.

Für Häckselballen muss das Gras gut angewelkt sein
Reto Lehmann muss das Futter für die Produktion von Grashäckselballen tendenziell länger anwelken. Das senkt zum einen die Erntekosten und zum anderen wird durch das Häckseln mehr Feuchtigkeit aus dem Futter herausgelöst. Diese Erfahrung hat Lehmann gemacht, als er 2025 die ersten Häckselballen vom zweiten Schnitt pressen liess. Diese sind etwas zu feucht geraten.
Das hat er auch am Futtertisch gemerkt, da die Kühe das trockenere Futter bevorzugt haben. Lehmann füttert seine Kühe mit dem Futtertisch von Weelink aus den Niederlanden. Alle zwei bis drei Tage stellt er sechs Grassiloballen in die Krippe. Per Knopfdruck kann er die beiden Fanggitter zum Futter hinschieben. So hat er eine 24-Stunden-Fütterung ohne Mischwagen. «Für mich ist das die günstigste Fütterung», sagt Lehmann. An einer separaten Fressachse erhalten die Milchkühe noch Silomais. Kraft- und Ausgleichsfutter gibt es an der Station. Mit zusätzlich noch 6 Stunden Weidegang erreicht der Junglandwirt mit diesem Futtersystem einen Herdenschnitt von 10 500 kg Milchleistung.
Daher ist für ihn die Qualität der Grassilage zentral. Beim Weelink können die Kühe das Futter selektieren. Bei den Grashäckselballen hingegen ist das Futter homogener. Das Gras wird mit dem Häcksler 8 mm kurz geschnitten – gleich wie Maissilage. Einzelne Fasern sind aber deutlich länger. «Somit bringe ich auch mehr TS in die Kuh rein», ergänzt Lehmann. Ausserdem zerfallen die Ballen besser. Das sei auch ein Vorteil für die Verwendung im Mischwagen. «Der Traktor am Mischwagen läuft weniger lange, wenn dieser das Gras nur mischen und nicht mehr schneiden muss», sagt Urs Schneeberger.
Reto Lehmann hat zwar keinen Mischwagen, konnte dafür aber die Traktorstunden für den Ballentransport reduzieren: Von 30 auf weniger als 10 Stunden beim stationären Silieren.
«Landwirte berechnen die Zeit fürs Transportieren und Stapeln der Ballen häufig nicht, weil Traktor und Fahrer ja da sind.»
Urs Schneeberger, Lohnunternehmer

Häckselballen kosten mehr, können aber auch mehr
Die Häckselballen von Schneebergers Göweil-Maispresse sind mit einem Durchmesser von 1,10 m im Vergleich zur Feldpresse mit 1,30 m etwas kleiner. Da das Futter gehackt und dadurch besser verdichtet werden kann, sind die Ballen etwa gleich schwer. Das heisst, das Ballenlager wird volumenmässig auch etwas kleiner.
Eine Grashäckselballe vom ersten Schnitt kostet beim Lohnunternehmen Schneeberger & Berger zwischen 46 bis 55 Franken. Im Vergleich dazu kostet die Rundballe, gepresst mit der Göweil-Feldpresse mit 30 Messern, 32 Franken; gepresst mit 15 Messern kostet sie 30 Franken. Gibt es viele Ballen, wird dem Kunden noch ein Mengenrabatt abgezogen.
«Die Landwirte berechnen die Zeit für das Transportieren und Stapeln der Ballen häufig nicht, weil der Traktor und der Fahrer ja quasi vorhanden sind», beobachtet Urs Schneeberger. Das Lohnunternehmen verrechnet 3 Franken pro Balle, wenn ein Fahrer die Rundballen von der Presse wegnimmt und stapelt.
Für Reto Lehmann kosten die Grashäckselballen in diesem Jahr mit Mengenrabatt etwa 47 Franken pro Balle. Rechnet er die 3 Franken für seine Arbeit noch dazu, kosten ihn die Häckselballen 50 Franken, fixfertig gestapelt am Lager. «Der Preis scheint im ersten Moment sehr hoch. Doch wenn man alle Vorteile mitberücksichtigt, relativiert sich der Mehrpreis», argumentiert Urs Schneeberger.
Bereits vor 15 Jahren startete Urs Schneeberger einen ersten Versuch, um stationär mit der Maispresse Gras zu silieren. Damals funktionierte das noch nicht so gut. Vor drei Jahren hat das Lohnunternehmen erneut den Versuch gewagt, nun mit Erfolg. Seither gehört das stationäre Grassilieren fix dazu und ist gefragt.
«Am Anfang habe ich mich immer gewehrt, das anzubieten. Die Landwirte beschweren sich sonst schon oft, es sei alles zu teuer. Da dachte ich, wir können doch nicht noch Rundballen produzieren, die 50 Franken kosten», erinnert sich Urs Schneeberger.
Wann lohnt sich das Herstellen von Grashäckselballen?
Das Herstellen von Grashäckselballen lohnt sich wirklich nur, wenn der Landwirt die ganze Fläche auf einmal ernten kann. Der erste Schnitt lohnt sich am meisten, weil da der grösste Ertrag geerntet wird und das Wachstum am homogensten ist. «Jeder weitere Schnitt kostet etwa 5 Franken mehr pro Balle», ergänzt Urs Schneeberger. Für Reto Lehmann überwiegen die Vorteile, sowohl im Stall als auch auf der Strasse. Deshalb will er auch nächstes Jahr wieder Grashäckselballen pressen lassen.
LN:
Betriebsspiegel Lehmann Agrar GmbH Reto Lehmann, Oberbottigen BE 38 ha Kulturen: Silomais, Weizen, Grünland Tierbestand: 50 Milchkühe, 70 Rinder (35 eigene und 35 im Aufzuchtvertrag) Weitere Betriebszweige: Maschinen vermieten (Mistzetter, Güllefass, Wiesenegge und Übersaatsämaschine ) Arbeitskräfte: Reto Lehmann, Verena Lehmann 60 %, 1 bis 2 Lernende, diverse Aushilfen

