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Gründüngung gleich nach Getreideernte – auch bei Rekordhitze und Trockenheit?

In diesem Jahr stellt sich die Frage mehr denn je, ob nach der Saat die Gründüngung überhaupt wachsen kann.

Bis Ende Woche ist laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) nicht mit flächendeckendem Regen zu rechnen. Nach der Hitzewelle von historischem Ausmass geht es also trocken weiter. Derweil wird nach der Gerste auch der Weizen gedroschen und der nächste Punkt wäre vielerorts eigentlich die Saat einer Gründüngung. Aber kann das unter diesen Voraussetzungen fruchten, wenn die Stoppeln im augenscheinlich knochentrockenen Boden stehen?

Gefahr lückenhaften Auflaufs und hohen Unkrautdrucks

«In der aktuellen Situation ist die Feuchtigkeit aufgebraucht», so die Einschätzung der Lage von Hanspeter Hug, Futterbauberater am Strickhof. Damit Gründüngungen richtig auflaufen könnten, brauchte es eine Änderung der Grosswetterlage. «Ansonsten laufen sie sehr lückenhaft zusammen mit dem Unkraut auf, das immer einen Vegetationsvorsprung gegenüber den gesäten Arten hat», beschreibt Hug.

Das Saatgut muss das Dreifache seines Gewichts an Wasser aufnehmen

Für Dominique Flury, wissenschaftlicher Mitarbeiter Swiss No-Till, behält die Empfehlung, dass die Gründüngungssaat möglichst schnell nach dem Dreschen erfolgen sollte, auch bei den aktuell herrschenden Bedingungen ihre Gültigkeit. «Ausser es ist im Saathorizont keine Bodenfeuchtigkeit mehr vorhanden oder die Saattiefe kann aufgrund der Trockenheit nicht eingehalten werden», schränkt er ein. Falls im Saathorizont – also in 3-7 cm Tiefe – noch Bodenfeuchte vorhanden ist, könne die Gründüngung auch keimen. Wobei trotzdem die Gefahr bestehe, dass das Saatgut quasi «wartet» oder Keimlinge vertrocknen. «Um den Keimvorgang auszulösen, muss ein Saatkorn ungefähr das Dreifache des Saatkorngewichts an Wasser aufnehmen», gibt Hanspeter Hug zu bedenken. Erst dann könne die Keimung beginnen. «Ohne Wasser keine Keimung», fasst er zusammen.

Trockenheit zerstört die Samen nicht

Wenn die Gründüngung nicht ausreichend Wasser zum Keimen vorfindet, so nimmt sie laut dem Strickhof-Berater doch wenigstens durch Trockenheit keinen Schaden. «Saatgut wird durch Trockenheit nie zerstört, sondern konserviert», stellt er klar. Sobald Keimlinge aber Wurzeln geschlagen hätten, würden sie anfällig für Hitze und Trockenheit. Es gibt allerdings Unterschiede in der Robustheit, je nach Mischungen beziehungsweise Pflanzenarten, bestätigt Dominique Flury. Er rät daher, die Empfehlungen der Saatgutfirmen zu beachten. Zudem müsse die angestrebte Standzeit berücksichtigt werden – kurzdauernde Mischungen z.B. vor Getreide oder vor Doppelgründüngungen sind so früh wie möglich zu säen. Langdauernde Mischungen vor Frühjahrskulturen lassen eine «spätere» Aussaat eher zu. Schliesslich sei die diesjährige Ernte sehr früh, was die Gefahr birgt, dass langdauernde Mischungen zu früh ins generative Wachstum wechseln.

Potenzial zur Entwicklung von Biomasse nutzen

Aus Sicht des Bodenschutzes sollte das Ziel sein, den Boden nie unbedeckt zu lassen, sondern stetig vor den Witterungseinflüssen zu schützen. «Es besteht in den Sommermonaten ein enormes Biomasseentwicklungspotential, das so gut wie möglich genutzt werden sollte», findet Dominique Flury. Er empfielt, gerade bei der herrschenden Trockenheit eine Direktsaat der Gründüngungen vor einem Gewitterregen zu bevorzugen und die Saat zeitnah zu walzen. Damit wird der Bodenschluss verbessert und es wird weiterem Feuchtigkeitsverlust vorgebeugt.

Bewässern lohnt sich klar nicht

Wie viel Bodenfeuchte noch vorhanden sein könnte, muss fast aus der Erfahrung der langjährigen Bewirtschaftung eines Bodens abgeschätzt werden. Mit dem Spaten lasse sich das kaum überprüfen, bemerkt Hanspeter Hug. «Je nach Bodenart und Tiefgründigkeit gibt es Unterschiede – aber das wissen die Landwirte aus eigener Erfahrung.» Die Gründüngung zu bewässern, auch da sind sich Hanspeter Hug und Dominique Flury einig, wäre zu teuer und nicht zielführend. «Warten, einfach warten, der Regen kommt dann schon mal wieder…», meint Hug. Er würde erst vor dem Wetterwechsel säen.