Der australische Kirschenproduzent Matthew Batinich sorgt sich kurz vor der Ernte vor allem um den Wind. Wenn die Kirschen nämlich durch den Wind zu stark an den Blättern abgerieben werden, verlieren sie an Wert.
Dieses Jahr sind sie gut im Zeitplan – kurz vor Weihnachten sollte die Ernte vollständig abgeschlossen sein. Das ist für seinen Betrieb in Young, im australischen Staat New South Wales, wichtig, denn nach Weihnachten fällt der Produzentenpreis der Kirschen massiv. Die Ernte dieser heiklen Frucht in einem so heissen Land muss umso speditiver verlaufen: «Für jede Stunde, die die Kirsche ungekühlt ist, verliert sie einen Tag an Haltbarkeit», erklärt der junge Betriebsleiter.

Stark abhängig vom ausländischen Personal
Die Kirschenfarm ist nahezu vollständig auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Während der Erntespitze beschäftigt sie rund 550 Personen, vorwiegend aus dem asiatischen Raum. Auch der australische Landwirtschaftssektor insgesamt stützt sich stark auf sogenannte Backpackerinnen und Backpacker: Rucksackreisende, die das Land entdecken und mit einem entsprechenden Visum auf Farmen arbeiten – oft gegen Kost und Logis.

Export nach China
Der Betrieb exportiert seine 32 verschiedenen Kirschensorten in die ganze Welt. Die Hauptkunden sind in Shanghai, Malaysia, Kanada, Neuseeland, Beijing, Vietnam und Singapur situiert. Entsprechend müssen nicht nur die Ernte, sondern alle nachgelagerten Arbeitsschritte präzise eingerichtet sein. 72 Stunden dauert es, bis eine reife Kirsche aus dem australischen Hinterland in einem chinesischen Laden in Shanghai eintrifft.

Die Krähen sind auch in Australien ein Problem
Auch die australischen Landwirte beschäftigt die Krähenabwehr. Sie wehren sich mit Schreckschüssen und Lautsprechern dagegen. Neben den Krähen kämpfen sie gegen die Thripse an. Dafür sprühen sie ein Insektizid in die Kirschenblüte, um die Fransenflügler-Population einzudämmen. Diese Massnahme wird von der nationalen Kirschenproduzenten-Organisation an fünfter und letzter Stelle gelistet.
Die Cherrymore Farm in Young nimmt in der Regel drei bis vier Spritzungen jährlich vor. Die Nationale Vereinigung rät, nur dann zu spritzen, wenn das Monitoring über die Klebefallen einen wirtschaftlichen Schaden voraussagt. In diesem Fall dürfen die Produzenten auf registrierte Insektizide zugreifen und in der verletzlichen Blütenperiode Spritzungen durchführen. Grundsätzlich lautet die Empfehlung, keine kalendarischen Routine-Spritzungen, sondern gezielte Insektizid-Behandlungen nur dann anzuwenden, wenn die Bekämpfungsschwelle überschritten ist.
Prioritär rät die Vereinigung, die Blüte mit Klebefallen zu überwachen, und Unkräuter in der Kirschenanlage während der Blüte stehen zu lassen, damit die Schädlinge in diesen Ecken bleiben und nicht bei der Mahd in die Plantage flüchten. Natürliche Feinde kann man anlocken, indem man unter anderem Florfliegen oder Raubmilden fördert.
Als Prävention rät die Organisation, die Anlage grundsätzlich so anzuordnen, dass möglichst wenig Wind durch die Plantage zieht. In dieser Region Australiens verursacht nicht die Kirschessigfliege den grössten wirtschaftlichen Schaden in den Kirschenanlagen, sondern die Queensland-Fruchtfliege (Bactrocera tryoni).
Fallen mit Lockstoff und Insektizid
Um die Aktivität der Fruchtfliegen zu überwachen, hängen die Produzenten Fallen mit Lockstoff für die männlichen Fliegen unter dem schattigen Blätterdach auf, wo sie sich ausruhen. Die Falle enthält einen synthetischen Lockstoff in Kombination mit einem Insektizid. Die Obstbauern sind laut nationaler Weisung angehalten, sorgfältig abzuwägen, ob die Fruchtfliegen einen Schaden verursachen, der eine Bekämpfung rechtfertigt.
Ein Protein-Lockstoff zur Bekämpfung der weiblichen Fruchtfliegen ist für den Einsatz bei verschiedenen Baum-, Obst-, Wein- und Gemüsekulturen zugelassen und kann punktuell oder in Streifen auf das Laub aufgebracht werden.

Düngen und Bewässern kombiniert
Matthew setzt für die Kirschenproduktion und den dazugehörenden Pflanzenschutz auf die Strategie «high input, high output». Die Kirschen- und die anderen Obstkulturen auf einer Fläche von 282 Hektaren sind mit einem Drip-Irrigationssystem und einem Fertigationssystem ausgestattet. Einmal jährlich nimmt der Betriebsleiter eine Bodenanalyse vor und macht auch Blattsaftanalysen, um die genaue Spurenelementversorgung abzuklären, denn die Kirschen reagieren laut dem Betriebsleiter sehr empfindlich auf Überdüngung.
1200 Tonnen Kirschen jährlich
Matthew Batinich erntet zwischen 1100 und 1200 Tonnen Kirschen jährlich. Pro Tag gehen 25 bis 30 Tonnen über die automatisierten Packtische. Damit der Betrieb auf diese Erntemengen kommt, werden jährlich 420 Bienenvölker für die Bestäubung der Blüten eingesetzt.

Spanische Sorten werden eingesetzt
Australien schaut für hitzetolerante Sorten nach Spanien. Dort sind sie in der Forschung bedeutend weiter, wie der Betriebsleiter sagt. Diese Sorten bräuchten weniger «chill hours», also abfrierende Stunden, um die Knospe auszubilden. Das ist für den Anbau in dieser gemässigten Klimazone Australiens wichtig.

