Immer wieder Neues auszuprobieren, liegt in der DNA der Familie Boog. Vor bald 40 Jahren konnten Edgar und Bernadette Boog ihren Milchwirtschaftsbetrieb in Hünenberg ZG übernehmen und formten diesen gemeinsam mit ihren Kindern Samuel, Lea, Jonas und Kilian bis heute zu einem modernen Beeren- und Gemüsebaubetrieb.
Bimi in den Flitterwochen gefunden
Diese Neugier auf neue Produkte liess Jonas Boog, einer der heutigen Betriebsleiter, auch während seiner Hochzeitsreise nach Australien nicht los. In seinen Flitterwochen in Down Under stiess er auf Bimi-Brokkoli. Der nussig-süssliche Geschmack dieses Gemüses überzeugte den 37-Jährigen sofort. Zurück in der Schweiz machte er die ersten Anbauversuche mit anderem Spargelbrokkoli, welcher ihn geschmacklich jedoch nicht überzeugte.
2019 kam es dann an einer Messe in Deutschland zum ersten Kontakt mit dem Master-Lizenznehmer für die Marke Bimi, bald darauf folgten die ersten kleinflächigen Anpflanzungen. «Die Rückmeldungen unserer Direktvermarktungskunden waren sehr positiv. Darum entschlossen wir uns, den Anbau im grösseren Stil in Angriff zu nehmen», erinnert sich Jonas Boog. Heute ist Bimi auf dem Betrieb Buuregarte Boog ein bedeutender Betriebszweig mit jährlich rund 10 bis 20 Prozent Wachstum.

Anbau wird kontrolliert, Vermarktung ist frei
Dass die Markenrechte von Bimi bei der japanischen Saatgutfirma Sakata Seed Corporation liegen und der Anbau über ein Lizenzsystem läuft, sieht Landwirt Jonas Boog positiv. «Wir sind uns dies gewohnt. Bei Himbeeren beispielsweise sind die meisten bedeutenden Sorten lizenzpflichtig. Die strengen Qualitätsanforderungen der Markeninhaberin von Bimi-Brokkoli sind für uns Anbauer ein Garant dafür, dass das Produkt weltweit in einer hochstehenden Qualität angeboten wird.»
Während die Anbauqualität von Bimi überprüft wird, ist der Buuregarte Boog in der Vermarktung frei. Bimi-Brokkoli findet sich in der Schweiz in den Regalen der bedeutendsten Detailhändler, im Direktverkauf und in der Gastronomie. Bisher bauen erst drei Schweizer Betriebe Bimi-Brokkoli an. «Der Lizenzgeber setzt auf qualitatives Wachstum, aber in der Westschweiz gäbe es sicher noch Potenzial für einen weiteren Produzenten», so Jonas Boog.
Die Herausforderungen im Anbau seien ähnlich wie bei anderen Kohlgewächsen, Schädlinge wie die Weisse Fliege forderten die Produzenten heraus. Bimi-Brokkoli werde zwar weltweit von nördlichen Regionen wie Finnland bis Südafrika angebaut, die Ansprüche an den Boden seien aber dennoch hoch; tiefgründige und gut durchwurzelbare Böden seien ideal.
Aufwendige Ernte – kostendeckende Preise
Wir haben durch Exklusivität Einfluss auf die Verkaufspreise und damit auf die Rentabilität der Kultur.
So der Zuger Gemüsebauer Jonas Boog.
Die Setzlinge werden von der Familie Boog selbst aus dem lizenzierten Saatgut angezogen. Im April erfolgen die ersten Pflanzungen auf dem Feld, rund zehn Wochen später startet bereits die dreiwöchige Erntephase. Dank gestaffeltem Anbau kann von Juni bis Oktober Bimi-Brokkoli geerntet werden.
«Die Erntearbeiten ähneln eher denen einer Beerenkultur als jenen von Brokkoli, denn wir ernten mehrmals wöchentlich», so Jonas Boog. Das erhöhe die Erntekosten deutlich. Entsprechend ist der Verkaufspreis im Laden auch zwei- bis dreimal höher als bei normalem Brokkoli. Die Strategie des Saatgutunternehmens, den Anbau und damit auch das Angebot durch Patente einzuschränken, sei für einen Betrieb wie den Buuregarte Boog interessant.
«Wir haben durch Exklusivität Einfluss auf die Verkaufspreise und damit auf die Rentabilität der Kultur. Mit unserer Betriebsgrösse können wir nur dank Qualität und Nähe zum Konsumenten wirtschaftlich produzieren. Bei Kulturen wie Kartoffeln, wo vorrangig die Ertragsmenge ausschlaggebend ist, könnten wir nie einen kostendeckenden Anbau realisieren», betont Jonas Boog.

Risikobereitschaft und Experimentierfreude
Um mit wenig verbreiteten Kulturen wie Bimi erfolgreich zu sein, benötige es aber gemäss Jonas Boog nicht nur viel Know-how in der Vermarktung, sondern auch Risikobereitschaft und Experimentierfreude. Um noch mehr über den Anbau der Kultur zu lernen, hat er in den letzten Jahren schon viele Berufskollegen im Ausland besucht.
Bimi ist für den Zuger Gemüsebauer zu einem Herzensprojekt geworden. «Dies nicht nur, weil ich vom Produkt selbst überzeugt bin, sondern auch, weil mein Umfeld und insbesondere meine Kinder den süsslichen Bimi-Brokkoli lieben», betont Jonas Boog.

