Plus

Kartoffelanbau: Käfer, Zikade und Stickstoff im Fokus am Strickhof

Sortenauswahl, Schädlingsausbreitung und Pflanzenschutz – die Parameter, die den Kartoffelbau beeinflussen, sind vielfältig.

Zweimal hat die Gemeinde die Bewässerung der Kartoffeln auf dem Versuchsacker des Strickhofs bei Dägerlen ZH in den vergangenen Wochen erlaubt. «Normalerweise gibt es hier für landwirtschaftliche Kulturen kein Wasser. Hätten wir in der Hitzeperiode jedoch nicht bewässert, wären die Daten, die wir auf unseren Versuchsfeldern sammeln möchten, nicht verwertbar geworden», erklärte Sonja Basler, Beraterin im Fachbereich Ackerbau am Strickhof in Lindau ZH, nachdem sie die rund 90 Kartoffelproduzenten begrüsst hatte, die am Flurgang teilnahmen.

«Die Kartoffelkäfer waren dieses Jahr früh dran»

Die Kartoffeln auf den Versuchsflächen wurden Anfang April in den schwach humosen Lehmboden mit einem pH von 7,6 gepflanzt. Aufgrund der hohen Temperaturen ist der Krautfäuledruck aktuell sehr gering. «Die Kartoffelkäfer waren jedoch früh dran dieses Jahr. Wir haben zweimal behandelt», berichtete Sonja Basler.

Am ersten Feldposten erklärte die Fachfrau den Düngungsversuch mit dem Schwerpunkt «Auswirkung der Stickstoffdüngung auf die Sorten der Swisspatat-Hauptversuche Frites». Dabei wurden die sechs Versuchssorten Valencia, Armedi, Travis, Cardyma, Montis und Invictus sowie als Referenzsorten Agria und Markies bei drei verschiedenen Düngungsniveaus angebaut. In jedem Düngungsniveau wurden drei Kleinparzellen jeder Sorte ausgepflanzt.

Je nach Sorte wirken sich eingesetzte Stickstoffmengen unterschiedlich aus, wie Sonja Basler von der Fachstelle Ackerbau des Strickhofs beim Flurgang erklärt.(Bild: Lisa McKenna)

Die verschiedenen Niveaus sind 80 kgN/ha, 120 kgN/ha und 160 kgN/ha. Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Stickstoffmenge, dem Ertrag und der Qualität zu ermitteln und eine Aussage zum für die Sorten richtigen Stickstoffniveau treffen zu können.

Zu hohe Stickstoffgaben können je nach Sorte negativen Einfluss auf den Stärkegehalt sowie die Backfarben haben. Zu tiefe Stickstoffniveaus können sich aber negativ auf den Ertrag auswirken. Daher ist die Kenntnis über die richtige Stickstoffmenge für den erfolgreichen Anbau neuer Sorten ein wichtiger Faktor.

Welches ist das Mittel der Wahl?

Zu der aktuellen Situation im Hinblick auf Schädlinge informierte Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz des Strickhofs am zweiten Feldposten. Zunächst thematisierte Hochstrasser den Drahtwurm, die Larve des Schnellkäfers, die tiefe Löcher in die Knollen bohrt und so vor allem im Larvenstadium drei und vier für enorme Qualitätsverluste bis hin zu Totalausfällen sorgt.

Präventiv könne man Kalkstickstoff nutzen, um das Schadpotenzial des Schädlings einzudämmen, empfahl Hochstrasser. «Wenn das nicht hilfreich ist, stehen Attracap und Beluga als Produkte zur Verfügung», erklärte der Referent und präzisierte: «Attracap ist rund viermal teurer als Beluga, kann jedoch ohne Sonderbewilligung eingesetzt werden.» 

Der Kartoffelkäfer war dieses Jahr schon früh in den Beständen zu finden.(Bild: Lisa McKenna)

Zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers sollte Audienz als Mittel weiterhin geschont werden, so Hochstrasser. Im ÖLN könne gegen den Käfer mit einer Sonderbewilligung direkt mit Coragen vorgegangen werden.

Aus der Zuhörerschaft wurde bestätigt, dass der einmalige Einsatz von Coragen gut gewirkt habe. Gemäss IP-Suisse-Vorgaben dürfe Coragen jedoch nur mit doppelter Sonderbewilligung (behördlicherseits sowie seitens des Labels) eingesetzt werden. Damit eine Sonderbewilligung überhaupt erteilt wird, müsse zuvor zweimal mit Novodor behandelt werden. 

Warnung vor der Schilf-Glasflügelzikade

Über die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade berichtete anschliessend Stefan Vogel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gruppe Ackerbau an der HAFL in Zollikofen BE. Die Zikade überträgt das Bakterium C. arsenophonus, welches in Zuckerrüben die Krankheit SBR mit Vergilbungen der Blätter und tiefen Zuckergehalten verursacht. Neben C. arsenophonus könnte die Zikade auch den Stolbur-Erreger übertragen, dieser wird in der Schweiz bisher aber kaum nachgewiesen.

Über die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade berichtete Stefan Vogel von der BFH-HAFL. Während sie in der Westschweiz in zahlreichen Stichproben zu finden ist, sind die Bestände in der Ost-Schweiz noch geringer.(Bild: McKenna)

Weiter reichte Stefan Vogel ein Glas mit bräunlichen Kartoffelchips herum, doch nicht zur Verköstigung der Anwesenden, sondern zur Veranschaulichung des Problems, welches die Ausbreitung der Zikade nach sich zieht. «Bei Verarbeitungskartoffeln kann eine Infektion mit diesem Erreger zu Verbräunungen beim Frittieren und damit zu ungenügender Backqualität führen», so Stefan Vogel.

Fruchtfolge ist zur Eindämmung massgeblich

In der Westschweiz ist die Zikade sehr stark verbreitet und trägt C. arsenophonus zu einem hohen Prozentsatz. In der Ostschweiz sei die Zikade noch weniger weit verbreitet und auch deren Beladung auf deutlich tieferem Niveau, so Stefan Vogel. Was kann getan werden?

Aus dem Zuckerrübenanbau wisse man, dass die Zikadenpopulation steige, wenn nach den Rüben Wintergetreide angebaut werde, so Vogel. An den Rüben abgelegte Eier entwickelten sich als Nymphen über den Winter im Getreide weiter. Untersuchungen aus mehreren Jahren zeigten, dass der Ausflug der Zikade stark reduziert werden könne, wenn anstelle von Getreide nach Zuckerrüben Sommerkulturen wie Mais, Soja oder Kartoffeln angebaut würden.

Aktuell werden die Auswirkungen verschiedener Folge- und Zwischenkulturen auf die Entwicklung der Zikaden sowie die Wirkung von Saatgutbeizungen in Weizen nach Zuckerrüben untersucht. Auch die Sortenwahl sei ein Puzzleteil in der Bekämpfung, erklärte der Fachmann: Gewisse gängige Sorten wie Fontane, Pirol oder SHC 1010 neigten bei einer Infektion stärker zur sogenannten Backtestproblematik. Andere Sorten reagierten deutlich weniger empfindlich, darunter beispielsweise Innovator, führte Stefan Vogel aus.