Die Versorgung mit Dünger steht zurzeit auf wackligen Beinen. Nach einer Teilfreigabe der Pflichtlager von Stickstoffdünger wurde im Januar die vollständige Öffnung beschlossen. Die Düngerpreise stiegen in die Höhe. Dies begann laut Einschätzungen einer Expertin des BLW schon vor dem Konfliktzwischen Russland und der Ukraine, wie der LID berichtet.
Zwar dürften Schweizer Landwirtschaftsbetriebe für das laufende Jahr wegen Vorbezug über genügend Nährstoffe verfügen. Langfristige Prognosen sind aber schwierig. Es zeichnet sich ab, dass alternative Möglichkeiten für die Düngung gesucht werden, wie zum Beispiel Gärgülle aus Biogasanlagen.
Biogasanlagen ausverkauft
Das bestätigt auch Victor Anspach, Mitglied der Geschäftsleitung von Ökostrom Schweiz, dem Fachverband der landwirtschaftlichen Biogasanlagen: «Die Nachfrage hat sich extrem entwickelt. Wir haben schon im Herbst Vorbestellungen fürs Frühjahr aufgenommen. Alle Biogasanlagen sind ausverkauft.»
Der Düngermarkt spiele hier sicher eine Rolle, meint Anspach. Die hohe Preisdynamik sei aktuell nochmals angestiegen, und es würden Landwirte Gärgülle beziehen, die dies zuvor nicht getan hätten. Er beobachte oft, dass beim Bau einer neuen Biogasanlage Vorbehalte gegenüber der Verwendung von Gärgut bei den Landwirt(innen) in der Region bestünden, meint der Experte. Doch diese seien meist nach ein bis zwei Jahren verschwunden.
Die Preise seien regional sehr unterschiedlich, so Anspach. In Regionen, wo mehr Gülle hintransportiert werde, also Regionen mit viel Ackerbau, könne es bei hoher Nachfrage eher zu Preissteigerungen kommen als in ausgeglichenen Regionen.
Mehr Ammonium als Gülle
Unter Biogasgülle, auch Gärgülle oder Gärgut genannt, versteht man die Gärreste aus Biogasanlagen. Im Prozess der Vergärung unter Luftausschluss wird dort, im Gegensatz zur «normalen» Gülle, ein Teil des organisch gebundenen Stickstoffs zu pflanzenverfügbarem Ammonium mineralisiert, ausserdem steigt der pH-Wert an.

Merkblatt herunterladen
Ökostrom Schweiz hat zur Verwendung von Gärgülle ein Merkblatt zusammengestellt, dieses ist hier verfügbar. Im Allgemeinen gelten beim Ausbringen von Gärgülle ähnliche Prinzipien wie bei unvergorener Gülle. Die hohen Ammoniumgehalte können aber das Risiko von gasförmigen Stickstoffverlusten in Form von Ammoniak bei unsachgemässer Ausbringung wesentlich erhöhen, heisst es. Wegen der hohen Ammoniumgehalte ist es auch wichtig, die Ausbringung an den Pflanzenbedarf anzupassen (siehe Grafik) und emissionsmindernde Verfahren anzuwenden.
Die Besonderheiten von Biogasgülle auf einen Blick
Gärgut unterscheidet sichgegenüber Gülle in folgenden Punkten:
-
dünnflüssiger und homogener, versickert schneller
-
weniger Geruchsemissionen
-
höhere Pflanzenverfügbarkeit des Stickstoffs
-
Unkrautsamen und -rhizome werden in der Biogasanlage zerstört (auch Erdmandelgras)
-
höherer pH-Wert
Bei der Ausbringung müssen einige Punkte beachtet werden: Höhere Ammoniumgehalte und pH-Werte können das Risiko von gasförmigen Stickstoffverlusten in Form von Ammoniak erhöhen. Bei Ausbringung mittels Schleppschlauchverteiler auf unbedeckte Böden sollte Gärgülle mechanisch eingearbeitet werden, um Stickstoffverluste zu vermeiden. Dabei wird die Einarbeitung im Optimalfall unmittelbar nach Ausbringung getätigt. Dafür können Stoppelbearbeitungsgeräte, Flachgrubber, diverse Eggen und Fräsen sowie Kombigeräte verwendet werden.

