Schweizweit gilt die Auflage: Wird ein Maiswurzelbohrer gefangen, ist der Anbau von Mais auf Mais im Umkreis von zehn Kilometern um den Fallenstandort verboten. Im Kanton Luzern verursachte diese Auflage jährliche Mehrkosten von über einer Million Franken. Denn zirka 1/4 der Betriebe baut Mais auf Mais an.
«Durch das Anbauverbot müssen Landwirte direkt nach Mais Kunstwiese säen, anstatt wie sonst nur jedes zweite Jahr. Das generiert erheblich Mehrkosten für Saatgut, Bodenbearbeitung und Herbizidbehandlung. Zudem gelingt die Ansaat von Kunstwiese nicht jedes Jahr, was zu Ertragseinbussen führt», erklärt Heinrich Hebeisen von der Kantonalen Fachstelle Pflanzenschutz Luzern.
Strategiewechsel soll überprüft werden
Zusammen mit dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband bemühte sich der Kanton Luzern beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) um einen Strategiewechsel beim Maiswurzelbohrer. Im August vergangenen Jahres stimmten das BLW sowie der Schweizer Bauernverband einem Pilotprojekt bis 2025 zu. Es soll die Aussagen des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Deutschland überprüfen: Wenn flächendeckend maximal zweimal Mais in Folge und anschliessend mindestens zwei Jahre kein Mais angebaut wird, entwickelt der Maiswurzelbohrer keine schädliche Population. Betriebe mit Käferfängen blieben von einem Maisverbot verschont.
Erfolgreicher Projektstart
Ein Jahr danach kann sich Heinrich Hebeisen den Aussagen des JKI nur anschliessen: «Die Ergebnisse sind erfreulich, im Kanton Luzern haben wir keinen einzigen Maiswurzelbohrer gefangen, obwohl ich mit wenigen Fängen gerechnet habe.» Der Pflanzenschutzberater ist überzeugt: «Die Population kann sich innerhalb der zwei Maisanbaujahre nicht auf ein schädliches Niveau aufbauen. Sie bricht gefolgt von zwei bis vier Jahren Kunstwiese wieder zusammen.»
Für Betriebe ist das Gold wert: Sie können ihre Fruchtfolge planen, ohne sich um Einschränkungen bei Fallenfängen zu sorgen.
Einwanderungsdruck in die Schweiz steigt an
Seit 2014 hat der Maiswurzelbohrer in der EU nicht mehr den Status eines Quarantäneschädlings, d. h. es ist den Landwirten überlassen, wie sie gegen den Maiswurzelbohrer vorgehen. Der Einwanderungsdruck in die Schweiz steigt dadurch aber weiterhin an. «Der Käfer gelangt nicht nur über Transportwege in die Schweiz wie bisher angenommen. Er fliegt 80 bis 100 km weit und verteilt sich so im ganzen Land», sagt Heinrich Hebeisen. Dies belegte jüngst auch die Fallenauswertung von Agroscope. Demnach mussten 14 Kantone in Gebieten mit Käferfängen ein Anbauverbot von Mais aussprechen (siehe Kasten).
Der Anbau von maximal zwei Jahren Mais würde landesweit helfen
Hebeisen ist überzeugt: «Wenn wir flächendeckend, also in der gesamten Schweiz, maximal zwei Jahre Mais anbauen gefolgt von mindestens zwei Jahren ohne Mais, bewegen wir uns im sicheren Bereich. Wenn nur ein Jahr Mais angebaut wird, genügt eine Anbaupause von einem Jahr.» Nach Ablauf des Projekts wird entschieden, ob für die Schweiz diese Variante in Frage kommt.

