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Drei Gemüsebauern und ihre unterschiedlichen Antworten auf den steigenden Wasserbedarf

Christoph Johner, Roland Stoll und Bernhard Hänni sind sich einig, dass ihre Kulturen auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen sind und der Bedarf steigen wird. Sie bewässern – aber nicht nur.

Der Wasserbedarf für die Schweizer Gemüseproduktion wird steigen – nicht nur wegen des Klimawandels. «Die Betriebe werden auch grösser und weiten ihre Gemüseflächen aus», gab Christoph Johner zu bedenken. Er führt in Kerzers FR einen Betrieb mit insgesamt etwa 25 ha, 30 a Hochtunnels und sieben Mitarbeitenden. Damit liegt Johner – was die Grösse angeht – quasi im Mittelfeld der drei Landwirte, die anlässlich der Jahrestagung des Forums für nachhaltiges Wassermanagement an der HAFL in Zollikofen BE referierten.

Leitungen müssen gross genug gebaut werden

«Für Trockenjahre haben wir aktuell zu wenig Wasser», schilderte Christoph Johner seine Situation. Er ist auch Vize-Präsident der Bewässerungsgenossenschaft Kerzers-Fräschels und beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Auf- bzw. Ausbau des Bewässerungsnetzes in der Region. «Die Leitungen müssen gross genug dimensioniert werden», betonte Johner. Nur so sei es möglich, dass bei Bedarf alle sparsam nachts bewässern können.

Neben der aufwändigen Koordinations- und Planungsarbeit sowie der Suche nach neuen Wasserquellen – nach schlechten Erfahrungen mit modernen Mitteln jetzt wieder mit Wünschelrute und Pendel – beschäftigen den Freiburger weitere Folgen des Klimawandels: Algen verstopfen Ansaugrohre und die invasive Quagga-Muschel bereitet Sorgen. «Sie ist schon so ziemlich überall und niemand hat eine funktionierende Lösung dagegen.»

Wasser sichern für die nächste Generation auf dem Hof

Von Bund und Kantonen erwartet Christoph Johner künftig einfachere Verfahren und Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg, damit auch die Planungskosten sinken. Die Forschung solle bessere Tools liefern, um den Bewässerungsbedarf zu bestimmen. «Ein Lehrling oder mein Opa sollten sie verstehen können», findet er. Johner sieht sein Engagement zur Sicherung des Wassers vor allem auch als Dienst an seinem Sohn, der den Betrieb dereinst übernehmen will.

Ausserdem ist dem Freiburger der Bodenschutz ein Anliegen. «Man kann im Prinzip auf einer Parzelle jedes Jahr Gemüse anbauen. Aber ich schiebe immer noch Gerste dazwischen und säe nach dem Gemüse Phacelia oder Luzerne.» Die Luzerne sei seiner Erfahrung nach, was den Stickstoff angeht, «eine Granate». Das Schnittgut verkauft er an andere Betriebe.

Vorteile im geschützten Anbau

Roland Stoll von Stoll Frères SA in Mathod VD ist in einem Unternehmen mit 160 ha Freilandfläche und 15 ha im Gewächshaus tätig, das 220 Mitarbeitende hat. Es kommen verschiedene Wasserquellen (Brunnen, Wasserläufe, fixe und mobile Pumpen) und Bewässerungssysteme zum Einsatz (Tröpfchenbewässerung, Sprinkler, Wickler mit Sprühkanonen, Fertigation bei Hors-Sol).

«Oft werden nicht die gewünschten Durchflussmengen bewilligt und die Kosten für die Bewässerungsinfrastruktur sind hoch», erläuterte er. Aus seiner Sicht bietet der geschützte Anbau verschiedene Vorteile hinsichtlich Wasserverbrauchs und Produktqualität. Mehrmals machte Stoll klar, im Handel sei perfekte Qualität der Ware gefragt. «Da gibt es keine Diskussionen.»

Die ganze Produktionsfläche als Permakultur angemeldet

Bei Bernhard Hänni ist das anders. Er vermarktet das Gemüse seines Kleinbetriebs in Noflen BE direkt. Auch sonst unterscheidet sich seine Strategie stark von jener seiner beiden Berufskollegen an der Jahrestagung. Hänni arbeitet auf schweren Böden mit hoher Gründigkeit und hat fixe Beete mit begrünten Fahrspuren zwischen Baumreihen angelegt. «Die ganze Fläche läuft unter dem Permakultur-Flächencode», so der Berner.

Für eine minimale Bodenbearbeitung setzt er einen Geohobel ein, um Gründüngungen flach einzuarbeiten. «Die Wurzeln bleiben, verrotten und bilden Kanäle für das Wasser nach unten», beschrieb Hänni. Seine torffreien Speedy-Setzlinge werden vor dem Setzen auf flutbaren Tischen durchweicht und kommen so tropfnass in den Boden. Zusätzlich bekommen sie von der Setzmaschine gezielt 1 cl Wasser. Grundsätzlich funktioniere sein Anbau so ohne zusätzliche Bewässerung. In Ausnahmefällen greift Hänni auf einen Düsenwagen zurück.

Eng gepflanzt und ohne Pflanzenschutzmittel gepflegt

Die begrünten Fahrgassen und eine erhöhte Pflanzdichte (z.B. Broccoli vierreihig auf 1,5 m) reduzieren im System von Bernhard Hänni Wasserverluste durch Verdunstung. Kohlköpfe usw. seien dadurch zwar kleiner, werden in dieser Grösse aber von seinen Direktvermarktungskunden geschätzt. Der Berner setzt nach eigenen Angaben nur EM, aber keine biologischen oder synthetischen Pflanzenschutzmittel ein. «Der Wasserhaushalt im Boden hat viel mit Pflanzenschutz zu tun», ist er überzeugt. Mit Kupfer beispielsweise schädige man Pilze als wichtiger Teil des Bodenmikrobioms.

«Das lässt sich nur im Kleinen umsetzen», kam ein Einwand aus dem Publikum. «Stimmt, man kann es machen wie wir», erwiderte Bernhard Hänni. In Deutschland würden ähnliche Systeme aber grossflächig realisiert. «Es braucht einen offenen Geist», findet der Berner.

Die Kulturstadien werden kürzer

Jana Zinkernagel von der Hochschule Geisenheim (D) erläuterte Forschungsergebnisse dazu, wie sich der Klimawandel auf die Bewässerung auswirken wird. Demnach werde der Wasserbedarf zunehmen und kurzfristig variabler auftreten. Da die Temperatursumme die Entwicklung der Kulturen bestimme, verkürzten sich die einzelnen Stadien. Die Technik entwickle sich vor allem bei Pivot-Anlagen. Zinkernagel sieht in Düsenwagen Vorteile für kleinere Bewässerungsflächen. Die Praktiker im Saal gaben aber zu bedenken, damit lasse sich kurzfristiger Bedarf nicht decken – das System sei zu langsam in der Anwendung. Daher müsste diese Technik mit anderen kombiniert werden. «Bisher basiert die Bedarfsabschätzung meist auf Erfahrungswerten», fuhr die Forscherin fort. «Das reicht aber nicht, in Zukunft braucht es genauere Prognosen für Wassermenge und Terminierung.» Zinkernagel betonte die Bedeutung von Anwenderfreundlichkeit von Tools und der Automatisierung der Bewässerungssysteme für die Zukunft.

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