Der vergangene und für die kommenden Tage prognostizierte Regen bringt wieder etwas mehr Feuchtigkeit in die Böden. Vielerorts steht demnächst die Weizensaat an. Je nach Vorkultur kommt das Getreide ohne viel Bodenbearbeitung aus, Mulchsaat ist beliebt.
Aber Dammkulturen als ganz anderes System versprechen ebenfalls Vorteile: verbesserter Wasserhaushalt, gut durchlüfteter Boden, schnellere Erwärmung und allgemein besseres Mikroklima. Das Prinzip ist einfach: Mit einem Rahmen, der je nach Arbeit mit verschiedenen Geräten ausgerüstet wird, zieht man Dämme, sät, häufelt und hackt. Soweit die Theorie. Wie sieht das in der Praxis aus?
Nach vier Jahren wieder zurückgefahren
«Der Ansatz ist gut und die Argumentation hat Hand und Fuss», findet Rolf Kuhn. Der Landwirt aus Mettendorf TG hat 2020 über einen Kollegen von Dammkulturen gehört und auf das Turiel-System umgestellt.
Entwickelt wurde es von Julian Turiel aus Deutschland, der in Spanien mit Dammkulturen aufgewachsen ist. Kuhn schaffte sich einen Turiel-Dammpflug an und baute darauf eine Occasions-Accord-Sämaschine auf. Getreide, aber auch Mais und Kartoffeln wuchsen bei ihm danach auf Dämmen. Gesät wurden bei einer Arbeitsbreite von 3,6 m jeweils acht Dämme auf einmal.

Vier Jahre später kam er zu dem Schluss: Ganz so einfach ist es nicht. Besonders in feuchten Jahren erwies sich die gute Wasserspeicherung in den Dämmen als Nachteil. Nasse Böden, schwierige Befahrbarkeit und Ertragseinbussen bewogen ihn dazu, zurückzufahren. Heute baut er aber immer noch 4 ha IP-Suisse-Getreide, manchmal Mais und generell etwa 8 ha Gründüngungen auf Dämmen an.
Deutsche Maschine passt bedingt zu Schweizer Verhältnissen
«Ich habe einen 45-cm-Dammpflug. Heute produziert Turiel stattdessen andere Grössen», gibt Rolf Kuhn zu bedenken. Die engen Dämme erhöhen das Risiko, bei der Dammpflege bzw. beim späten Hacken die Wurzeln der Kultur zu beschädigen. Der herbizidfreie Anbau stosse da schnell an Grenzen. Sein zweiter Turiel-Rahmen mit 75 cm funktionierte zwar für den Mais- und Kartoffelanbau. Das Hackgerät mit feinem Werkzeug kapitulierte aber in Kuhns schweren Böden: «Vor allem im Frühling bei nassen Verhältnissen haben sich die Rundstäbe verformt.»
Die aus Deutschland stammende Maschine sei nur bedingt auf die Schweizer Anbaubedingungen abgestimmt, bilanziert der Thurgauer. Insbesondere seien die Werkzeuge für die grösseren Reihenabstände und die Bearbeitung schwerer Böden nicht ausreichend stabil gebaut. «Das erschwert den zuverlässigen Einsatz der Maschine unter den hiesigen Bedingungen.»
Es fehlt auch die Zeit
Rolf Kuhn glaubt an die Vorteile des Dammanbaus für die Bodengesundheit. Daher setzt er auch nach wie vor bei einem Teil seiner Fruchtfolge darauf. «Wenn ich mehr Zeit hätte zum Pröbeln, würde ich vielleicht auch wieder mehr auf Dämmen anbauen», erklärt er.
Allerdings ist er auf seinem Betrieb mit Schwerpunkt auf der Junghennenaufzucht stark ausgelastet. Da fehlt ihm manchmal die Zeit, den Turiel-Rahmen jeweils für die nächste anstehende Arbeit umzurüsten. «Ausserdem hat mein Sohn in der Lehre gesehen, wie ein Bio-Betrieb auch ohne Dämme mit Hacken hervorragende Ergebnisse erzielt», ergänzt der Landwirt.
Nie mehr als 5 kg Ertragsunterschied
Urban Dörig hat in Diessenhofen TG 30 ha auf Dämmen – Soja, Mais, Getreide. «Die ersten zwei Jahre habe ich das komplett durchgespielt, alle Getreidearten auf jeder Parzelle hälftig sowohl auf Dämmen als auch flach gesät und die Resultate verglichen», berichtet er.
Seine Beobachtung: Je nach Jahr war das eine oder das andere besser. Aber der Ertragsunterschied betrug nie mehr als 5 kg. «Ohne wissenschaftliche Genauigkeit oder statistische Analyse würde ich daher sagen, dass andere Faktoren entscheidender sind», so sein Fazit. So beispielsweise auch, passende Sorten einzusetzen. Was Rolf Kuhn als Nachteil erlebt hat – die grossen Abstände zwischen den Dammreihen, die für ihn die Unkrautkontrolle erschwerten –, sieht Dörig als Vorteil fürs Etablieren von Untersaaten. «Die wachsen bei genügend Regen aber auch gut in flach gesätem Getreide in weiten Reihen», ergänzt Dörig.
Der Damm habe positive Eigenschaften und er finde Dammanbau eine coole Sache, meint der Biolandwirt. «Wenn es zum Betrieb passt», schränkt er ein. Falls also z. B. dank der Methode mehrere Maschinen durch eine ersetzt und so Kosten gespart werden könnten. Urban Dörig hat zwei Turiel-Rahmen, einen zum Säen und einen zum Hacken. So muss er nicht dauernd umrüsten.

Dämme können unterstützen, wirken aber nicht allein
Mit wirtschaftlichen Vorteilen ist der Thurgauer aber zurückhaltend. Nicht nur, weil er sehr geringe und variable Ertragsunterschiede festgestellt hat. Sondern auch, weil Urban Dörig für eine weitere Sichtweise plädiert. «Der Zauber liegt in der Biologie, im fruchtbaren, belebten Boden, im aktiven Zusammenspiel von Pflanzen mit dem Bodenleben und nicht in einem technischen System», ist er überzeugt. Daher ist Dörig bestrebt, den Boden immer bedeckt zu halten. Den Effekt von Dämmen schätzt er eher so ein, dass sie Voraussetzungen schaffen und unterstützen, was das Bodenleben leistet. «Allerdings setze ich das Turiel-System nicht ganz nach Schule und nicht in allen Kulturen um», räumt er ein. «Dafür ist meine Fruchtfolge zu weit.» Zudem beschränkt er die Bodenbearbeitung auch mit Dämmen, verzichtet auch mal aufs Häufeln. «Ich versuche, je nach Situation und Bodenverhältnissen, von allen Systemen das Beste für meinen Betrieb zu übernehmen», beschreibt er seinen Ansatz.
Berner Maschine mit Extra für die Unkrautregulierung
Auf dem Biohofacher in Stettlen BE setzt Michael Kipfer einen Dammpflug aus Schweizer Produktion ein. Sein Gerät stammt von der Rohbachtechnik aus Oberbütschel BE. «Es wurde entwickelt, weil die Turiel-Geräte damals noch keine Steinsicherung hatten», erläutert Kipfer.
Diese ist bei Rohrbachtechnik mit einer Stahlfeder umgesetzt und funktioniere hervorragend, sodass davon im Traktor kaum etwas zu merken sei. Wie bei Turiel kann man mit demselben Rahmen je nach Ausrüstung Dämme formen, säen und hacken. Neu gibt es auch Striegel und Fingerhaken, um auf der Dammkrone eine bessere Unkrautregulierung zu erzielen. «Mir ersetzt diese Maschine mehrere andere», lobt der Berner. «Das spart Kosten und Platz, daher finde ich das genial.»
Michael Kipfer baut alle seine Ackerkulturen – Weizen, Braugerste, Hafer und Soja, insgesamt 16,7 ha – auf Dämmen an, die jeweils 50 cm auseinanderliegen. Das passe für seinen schmal bereiften Traktor. Der Abstand lasse sich allerdings an der Rohrbach-Maschine flexibel einstellen. Für Nachbarn hat Kipfer auch schon Sonnenblumen so gesät und weiss von erfolgreichem Dammanbau mit Mais.



Der Weizen gelang und reifte weniger schnell ab
«Nach der Sojaernte bleiben die Dämme in der Regel stehen und ich kann nur nachhäufeln, um danach Weizen zu säen», schildert der Biolandwirt. Für Gründüngungen ebnet er die Fläche mit der Scheibenegge ein und sät flach, denn mit Gründüngungen auf Dämmen hat er bisher weniger gute Erfahrungen gemacht.
Der Berner ist jetzt im dritten Jahr mit Dammkulturen und konnte Getreide mit hohem Proteingehalt sowie gutem Hektolitergewicht ernten. Er hat beobachtet, dass sein Damm-Weizen in diesem Extremsommer weniger schnell abgereift bzw. in Notreife gegangen ist, als das auf benachbarten, flach gesäten Flächen der Fall war. Möglicherweise konnten die Dämme das Wasser besser speichern und dem Getreide kam ein ausgedehnteres Wurzelwerk zugute.
Fazit zur Wirkung auf den Boden folgt
«Es ist mit einem gewissen Mehraufwand verbunden», meint Michael Kipfer. Fürs Umrüsten des Dammpflugs rechnet er mit jeweils etwa 15–20 Minuten. Vielleicht müsse er einmal mehr hacken. «Dafür holt das Hacken auch Wurzelunkräuter oder Gräser aus dem Boden, was beim Striegeln nicht ginge», gibt er zu bedenken.
Auf jeden Fall will Kipfer weitermachen mit den Dammkulturen. Zur genauen Wirkung auf den Boden werde er in fünf bis zehn Jahren ein Fazit ziehen, meint er.

