Innert weniger Jahre hat sich der Rübenrüssler über das gesamte Schweizer Anbaugebiet ausgebreitet. 2023 war erst die Westschweiz vom Befall betroffen. In Ostschweizer Gebieten, in denen der Käfer im Anbaujahr 2025 noch schwach aufgetreten ist, war er dieses Jahr spürbar stärker präsent. «Der Klimawandel und die damit verbundenen vermehrt auftretenden Trockenheits- und Hitzeereignisse fördern das Vorkommen des Rübenrüsslers», sagt Matthias Lüscher, Berater Ostschweiz bei der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau.
Nicht jedes Jahr wird der Käfer gleich gute Vermehrungsbedingungen vorfinden, sein Auftreten dürfte deshalb von Jahr zu Jahr schwanken. Trotzdem ist für Lüscher klar: Die Population des Rüsselkäfers wird in naher Zukunft auch in der Ostschweiz «auf dem ansteigenden Ast» sein.
Neuer Schädling, neues Know-how
Für die Ostschweizer Pflanzer ist der Rübenrüssler ein neuer Schädling. «Man muss sich wieder frisches Know-how für dessen Bekämpfung aneignen», sagt Matthias Lüscher. Mit allfällig per Notfallzulassung bewilligten Pflanzenschutzmitteln sei es nicht getan, denn auch das beste Mittel wirkt nur, wenn es richtig eingesetzt wird.
Entscheidend für den Erfolg ist der Behandlungszeitpunkt. Dafür gilt es, den Ersteinflug des Käfers in die Parzelle sauber zu erfassen. Die Produzenten müssen also wissen, wie der Käfer aussieht, um ihn im Feld überhaupt zu erkennen.
«Wenn die schwarzen Punkte, also die Eiablagen, am Rübenblattstängel bereits sichtbar sind, so ist man tendenziell zu spät mit der Behandlung», warnt Lüscher. Unterstützung gab es bereits in diesem Jahr: Die Zuckerrübenfachstelle und die kantonalen Pflanzenschutzfachstellen haben die Pflanzer mit Monitorings begleitet, um den Ersteinflug festzustellen.
Leichte Böden besonders gefährdet
Neben der direkten Bekämpfung lässt sich auch vorbeugend einiges tun. Flachgründige, sandige und kiesige Böden mit schlechtem Wasserspeichervermögen werden vom Rübenrüssler deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen. Wer weiss, welche Parzellen solche Böden haben, kann entsprechend reagieren. Auf diesen Flächen sollten laut Matthias Lüscher keine Produktionsprogramme gewählt werden, die eine direkte Bekämpfung mit Insektiziden verhindern würden. In trockenen Jahren könne zudem eine frühzeitig installierte Bewässerung eine Alternative sein: Sie stützt die Kultur und hilft gleichzeitig gegen trockenheitsliebende Schädlinge.
Antrag für 2027 folgt
In diesem Jahr wurden in Versuchen verschiedene Insektizide gegen den Rübenrüssler getestet. Die festgestellten Wirkungserfolge wurden den Behörden an einem Runden Tisch präsentiert. Der Schweizerische Verband der Rübenpflanzer stellt nun mit Unterstützung der Fachstelle die Anträge für die Notfallzulassungen 2027. Welche Mittel den Pflanzern in der kommenden Saison tatsächlich zur Verfügung stehen, ist damit noch offen.
Die Branche hat die Behörden um eine rasche Abwicklung gebeten. «Wir sind zuversichtlich, dass uns eine wohlwollende Rückmeldung zum Jahresende mitgeteilt wird», sagt Matthias Lüscher. Sobald der Entscheid vorliegt, will die Branche die Pflanzer über die verfügbaren Bekämpfungsmöglichkeiten informieren.

