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1000 Schweine und weniger Emissionen: So funktioniert es auf dem Tannenhof

Auf dem Tannenhof in Kiesen BE gibt es Mastplätze für 1000 Schweine. Manuel Waber zeigt, welche Massnahmen er gegen Nährstoffverluste umsetzt und wie diese mit mehr Tierwohl einhergehen.

Sitzt man bei Familie Waber am Esstisch, ist auf dem Foto, das links oben an der Wohnzimmerwand hängt, ein einfacher Hof mit einem Stallgebäude und einer Wohneinheit zu sehen. Es folgen zwei weitere Luftaufnahmen des Tannenhofes im Laufe der Zeit und auf dem aktuellsten Bild, rechts unten, ist ein stattlicher Betrieb mit mehreren Stalltrakten, einem grossen, abgedeckten Güllesilo, einer Maschinenhalle und dem neu renovierten Wohnhaus zu erblicken.

So sah der Tannenhof früher aus, ohne die neuen Schweineställe. (Bild: Privat Familie Waber)
So präsentiert sich der Tannenhof heute mit Auslaufstallungen und gedecktem Güllesilo. (Bild: Privat Familie Waber)

Mastschweine, Ackerbau und ein kleines Lohnunternehmen

«Der Tannenhof wurde 1969 von meinem Grossvater gegründet», erzählt Manuel Waber. Damals zog die Familie aus dem Dorf Kiesen BE heraus. Die Siedlung wurde im Zusammenhang mit der Gesamtmelioration Kiesen gegründet, die durch den Neubau der Autobahn N1 (heute A1) zustande kam.

Seither hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt. Dass dabei nicht nur die Vergrösserung, sondern auch die Umsetzung wichtiger Innovationen im Vordergrund stand, die in Bezug aufs Tierwohl und die Ökologie eine Rolle spielen, wird im Gespräch mit dem Betriebsführer rasch klar.

Auf 18 Hektaren LN setzt er heute auf drei Betriebszweige: Mastschweine, Ackerbau und ein kleines Lohnunternehmen.

«85 Prozent meiner rund 1000 Schweine sind eine F1-Kreuzung aus Duroc mal Edelschwein und 15 Prozent sind reine Duroc», erklärt Waber. Seine Wahl fiel auf diese alte Hausschweinerasse mit dem rot-braunen Fell, da sie gesundheitlich überzeugt und das zarte, schmackhafte Fleisch beliebt ist.

Langstroh bindet die Nässe und somit die Ammoniakemissionen. Zudem ist es bei den Schweinen eine beliebte Beschäftigungsmöglichkeit. (Bild: Muriel Willi)

Das Tierwohl steht im Vordergrund

Bereits sein Vater verkaufte die Milchkühe und setzte auf die Schweinemast. Als Manuel Waber im Jahr 2000 auf dem Betrieb einstieg, waren für ihn zwei Dinge klar: Er wollte sich auf die Schweine fokussieren und einen Auslaufstall bauen, denn nur mit einer Produktion nach BTS- und RAUS-Richtlinien entspricht die Schweinehaltung seinen Vorstellungen. Waber produziert QM-Fleisch, der Stall erfüllt aber die Richtlinien des Bio-Labels. «Konsumenten legen hierzulande grossen Wert auf das Tierwohl, dem will ich Rechnung tragen, nur so ist es möglich, sich vom Ausland abzuheben», begründet Waber seine Ausrichtung.

Drei neue Stalltrakte gebaut

Nach dem Anbau der Ausläufe kamen 2006, 2010 und 2020 drei neue Stalltrakte hinzu. Beim gemeinsamen Rundgang durch die Stallungen zeigt sich das Streben nach Verbesserung. Bald wird klar, dass Optimierungen, die dem Wohlbefinden der Schweine Rechnung tragen, oftmals auch für eine Reduktion von Emissionen sorgen.

Natürlich schlägt einem beim Betreten der Stallungen der typische Schweinegeruch entgegen, jedoch in weitaus geringerem Masse als anderswo. Die Abluft wird mit einer Düse in die obere Luftschicht gestossen, was für eine gute Durchmischung sorgt.

Auf einen Luftwäscher hingegen verzichtet Manuel Waber. Einerseits wird der Mindestabstand zur Wohnzone überschritten, der den Einbau vorschreiben würde, und bei rund 50 Prozent Auslauffläche sieht der Landwirt den Sinn einer solchen Installation nicht wirklich. Als Geruchsbarriere zum benachbarten Hof hat er Windnetze installiert.

Die Ausläufe und auch die Stallbuchten wurden leicht abschüssig gebaut, damit die Nässe gut abfliessen kann. (Bild: Muriel Willi)

Stallbau und -management als Hebel

Beim Bau der neuen Ställe und Ausläufe wurde auf eine 4‑prozentige Neigung zu den Schwemmkanälen hin geachtet, damit der Urin möglichst direkt hinunterfliesst. Die Einstreu aus Strohpellets kombiniert mit Langstroh sorgt nicht nur für Liegekomfort und Beschäftigung, sondern saugt die Nässe auch gut auf. So kann der Ammoniakausstoss beträchtlich vermindert werden.

«Das Futter ist aus meiner Sicht ein wichtiger Hebel bezüglich der Stickstoff- und Geruchsemissionen», sagt der erfahrene Schweinemäster. Einerseits hat er vor einigen Jahren von Flüssig- auf Festfutter umgestellt. Mit diesem lässt sich eine Multiphasenfütterung umsetzen, bei der je nach Wachstumsphase die Zusammensetzung der Rationen unterschiedlich formuliert werden kann.

Zudem ist Manuel Waber seit 16 Jahren überzeugt vom Futterzusatz Vevo-Vitall aus Benzoesäure. «Um Kosten einzusparen, habe ich ein paar Wochen auf das Zusatzfutter verzichtet. Die sofort enorm erhöhten Geruchsemissionen überzeugten mich aber rasch, dass dieses Futtermittel sein Geld wert ist», erklärt der Landwirt. Er füttert seinen Schweinen immer ausschliesslich ihr gewohntes Mischfutter. Das Beimengen von Nebenprodukten wie Brot führt zu Änderungen in der Verdauung, die zu vermehrtem Gasausstoss führen können, weiss er aus Erfahrung.

Netze zum Nachbarshof sollen die Geruchsemissionen ein wenig zurückhalten. (Bild: Muriel Willi)

Worauf er hingegen mittlerweile verzichtet, sind die Beschattungsnetze über den Ausläufen. Der Schweinehalter machte nämlich die Erfahrung, dass sich die Schweine mit den Netzen jeweils sehr lange ausschliesslich im Aussenbereich aufhielten und im Liegebereich ihr Geschäft verrichteten, was zu gesteigerten Emissionen führte und eine nasse Liegefläche zur Folge hatte.

«Nun lasse ich während der heissen Tage draussen die Sprinkler laufen. So gehen die Tiere in den Auslauf, um sich abzukühlen, und verrichten ihr Geschäft draussen bei den Spaltenböden», erklärt Waber.

Im Stall hat er Hochdruckvernebler installiert. Diese würden zwar die Temperatur senken, durch die Feuchtigkeit werde aber der Geruch besser transportiert, findet der Schweinespezialist und verzichtet nun auf den Gebrauch der Vernebler.

Gülle clever nutzen und lagern

Nicht nur im Stall, sondern auch auf dem Feld achtet Manuel Waber darauf, Stickstoffverluste zu minimieren. Als er vor 25 Jahren damit begonnen habe, die Gülle mit dem Schleppschlauch auszubringen, sei er in der Region ein Pionier gewesen, erinnert sich der Landwirt. Da in der Umgebung die Nachfrage nach Schweinegülle gross sei, könne er rund 50 Prozent an andere Landwirte weitergeben. «Dies erlaubt es mir, auf meinem Land Gülle sehr gezielt einzusetzen.» 2013 veranlasste Waber zudem, dass seine Güllebehälter alle komplett abgedeckt wurden. «Den Hofdünger immer unter optimalen Bedingungen einzusetzen, war aber, gerade in diesem trockenen Sommer, nicht einfach», resümiert er seine Bemühungen.

2013 liessen Wabers das Güllesilo abdecken. (Bild: Privat)

Inspiration holen und weitergeben

Allein habe er sich all diese Massnahmen nicht ausgedacht, gesteht Manuel Waber. Er war als ÖLN-Kontrolleur unterwegs und hat auf den besuchten Betrieben einiges gesehen, das ihn inspirierte. «Ich pflege mit meinen Kollegen aus dem Schweinebereich zudem einen regen Austausch und erfahre so, was für Anpassungen sich lohnen und welche zur Herausforderung werden. Eine gute Futter- und Stallbauberatung kann ich allen Landwirten ans Herz legen.» Schliesslich sei eine verminderte Geruchsemission aus dem Schweinestall nicht nur für die Nachbarn, sondern auch für die eigene Familie ein Plus an Lebensqualität.

Heute würde Manuel Waber überall in den Ausläufen und Stallbuchten auf beiden Seiten Abflussroste installieren, wie hier im neusten Stalltrakt. (Bild: Muriel Willi)

Perfekt sei aber nicht alles, gibt Manuel Waber zu. «Würde ich heute die Ställe bauen, kämen Abflussroste an beide Seiten der Liegebuchten und Ausläufe, damit der Urin noch besser abfliessen kann», gibt der Schweinespezialist seine Erfahrung weiter.

Betriebsspiegel Tannenhof Kiesen BE

Produktionsform:
ÖLN, Ställe sind nach Bio-Suisse-Standard gebaut
LN: 18 ha
Betriebszweige: Schweinemast 1000 Plätze; Ackerbau: Sonnenblumen, Körnermais, Futterweizen, Gerste; kleines Lohnunternehmen
Arbeitskräfte: Familie Waber (Fabienne, Noemi, Jael & Manuel) und 2 Mitarbeiter



Vorgeschlagene Massnahmen zur Reduktion von Ammoniakverlusten bei Schweinen

Die Drehscheibe Ammoniak nennt folgende mögliche Massnahmen:

  • Impulsarme Zuluftführung mit Rieselkanal- oder Futterganglüftung (niedrige Luftgeschwindigkeit über verschmutzten Flächen).
  • Cool Pad
  • Multiphasenfütterung und N-angepasste Fütterung
  • Unterflurschieber mit Kot-Harn-Trennung
  • Abluftreinigungsanlage (Bio- und Chemowäscher) bei zwangsbelüfteten Ställen
  • Niedrige Temperatur: Ansaugen von Zuluft aus dem Schatten oder vom Boden. (Wird im Jagerstall seit 2010 angewandt.)

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