Die grossrahmigen Duroc-Muttersauen beobachten aufmerksam, wie gegenüber von ihrem Auslauf das frisch gemähte Gras mit dem Bläser weggeputzt wird. An diesem Tag gibt es für die Braunen viel zu beobachten, denn rund um den Betrieb von Valentin und Marina Schättin wird gewerkelt. Unweit von Kirchberg SG züchtet und mästet das Betriebsleiterpaar Schweine der Rassen Duroc und Landrasse.

Den Betrieb hat Familie Schättin 2010 von Valentins Eltern übernommen. Ein Jahr später zogen die Duroc-Tiere ein. Sie stammten von einem Berufskollegen aus dem Thurgau, der seine Herde aufgab. Auf die Frage, weshalb sich die frischgebackenen Betriebsleiter damals für die Duroc-Zucht entschieden, muss Schättin zunächst lächeln. Er erzählt von einer Balance – wenn man auf der einen Seite etwas verliert, könne sich auf der anderen Seite eine neue Chance auftun.
2011 zog die Duroc-Herde ein
«Mitte 2010 haben wir 7 ha Pachtland verloren. Wir waren zwar schon damals sicher in der Sauenbranche verankert, aber es war dennoch schwierig für uns. Etwa gleichzeitig bekamen wir das Angebot für die Duroc-Herde», erzählt Schättin. Leichtfertig trafen Valentin und Marina Schättin die Entscheidung allerdings nicht. «Wir wussten, dass es nicht einfach ist.» Und tatsächlich sollte ihre Duroc-Zucht immer wieder vor Herausforderungen stehen. 2018 kaufte die Migros zeitweise keine Duroc-Schweine mehr an – ein herber Rückschlag für die Züchter.
Ein Auf und Ab mit den Braunen
Einige Jahre später veränderte sich die Situation erneut. «In den Jahren 2021 und 2022 gab es dann mehr und mehr HIS-Fälle in den Schweinehaltungen. Wurden Duroc-Eber eingesetzt, waren jedoch deutlich weniger HIS-Fälle zu beobachten», berichtet der Schweinehalter. Die Nachfrage nach Duroc nahm daraufhin wieder zu. Auch die Migros kaufte erneut Duroc-Fleisch an, so Schättin. Die Situation entspannte sich. Mittlerweile hat sich der Duroc als Vaterlinie neben Premo und Pietrain etabliert. «Der Duroc hat sich seine heutige Position erkämpfen müssen», sagt der Landwirt.
15 Jahre Erfahrung haben auch Valentin Schättins Blick auf die Zucht verändert. Diese sei heute stark zahlenbasiert. Während früher das Tier selbst und dessen Exterieur stärker im Mittelpunkt standen, haben Zuchtwerte in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Trotzdem hat der Züchter klare Vorstellungen davon, wie ein gutes Duroc-Tier aussehen soll.
«Ich selbst habe den Anspruch, dass der Muskelansatz am Schinken möglichst tief ist und der Rücken nicht rund, sondern gerade», erklärt er. Ursprünglich sei der Duroc eher kurz gewesen. Durch gezielte Zucht hat sich die Rückenlänge jedoch deutlich verbessern lassen, sodass die Tiere in diesem Merkmal heute mit Premo ebenbürtig sind. Besonders wichtig ist dem Züchter auch das Fundament: «Das ist zentral, vor allem beim Eberverkauf. Die Eber müssen gut laufen können».
Aufbau der E.-coli-Resistenz
Die Fleischleistung hat in der Duroc-Zucht in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Werden die Tiere nicht entsprechend gefüttert, könne sich das auf die Schlachtleistung auswirken. «Wenn der Mäster nur Dauermastfutter füttert, ist der Eiweissanteil zu gering und die Tiere setzen zu wenig Fleisch an und bekommen schlechte MFA-Werte im Schlachthof», erklärt Schättin. Eine weitere Herausforderung ist die Zucht auf E.-coli-Resistenz. Viele seiner Duroc-Tiere waren zu Beginn der Zuchtarbeit nicht genetisch resistent. «Von 30 meiner Duroc-Sauen war vielleicht eine resistent», erzählt er. Die Zahl der resistenten Tiere musste deshalb Schritt für Schritt erhöht werden, ohne dabei zu viel Zuchtmaterial zu verlieren.

Und dann ist da noch die Wurfgrösse: Sie fällt bei Duroc-Sauen erheblich geringer aus als bei Tieren der Landrasse. Rund acht Ferkel pro Wurf sind es bei Valentin Schättins Duroc-Sauen. Auch die Milchleistung sei bei einzelnen Tieren nicht optimal. Dafür verfügen die Sauen über einen ausgeprägten Mutterinstinkt. «Bei vielen Tieren kann man nicht in die Bucht gehen, wenn sie Ferkel haben», sagt der Landwirt. Das gehört für ihn zur Rasse dazu: «Duroc muss man mögen.»
Gegenüber Menschen weniger entspannt als andere Rassen
Die Tiere verlangen mehr Geduld und Erfahrung im Umgang. Gleichzeitig seien sie untereinander ausgesprochen sozial. Beim Umbuchten kommt es kaum zu Rangkämpfen zwischen den Sauen. Gegenüber Menschen können die Braunen allerdings deutlich weniger entspannt sein.
«Wenn wir mit dem SGD Blutproben nehmen und dafür ein Tier in der Schlinge haben, kann es gut sein, dass die anderen Sauen ihm helfen wollen und uns angreifen. Wenn ungewohnte Menschen im Stall sind, ist die Stimmung sofort eine andere», berichtet der Schweinehalter. Wer mit Duroc arbeitet, muss also wissen, worauf er sich einlässt.

Nach dem Absetzen im Alter von vier Wochen werden die Duroc-Ferkel entsprechend ihrer Grösse mit den weissen Ferkeln der Landrasse gemischt. Mit Durchfällen und Gewichtsverlust habe der Betriebsleiter bei seinen Tieren keine Probleme. Das Mastfutter unterscheidet sich zwischen Duroc und Landrasse nicht. Bei der Zucht jedoch schon: «Wir legen grossen Wert auf die Vitaminisierung der Muttersauen. Deshalb ergänzen wir das Standard-Moorenfutter beim Duroc.»
Aufgrund ihres massigeren Körperbaus haben Duroc-Sauen in der Galtzeit einen etwas höheren Eigenbedarf als andere Rassen. Vor dem Abferkeln ist die Ration dann geringer als bei den Sauen der Landrasse, aufgrund der geringeren Ferkelzahl. Für Valentin Schättin wäre es interessant, mehr Nebenprodukte füttern zu können. Früher habe man zeitweise Schotte verfüttert, technisch war dies jedoch langfristig nur schwer umsetzbar. Aktuell basiert die Fütterung daher ausschliesslich auf Trockenfutter.

Die Masttiere bleiben bis zu einem Gewicht von rund 140 kg auf dem Betrieb, bevor sie zum Schlachthof gehen. Schättin verkauft seine Tiere an den traditionellen Rheintaler Fleischverarbeitungsbetrieb Spiess in Berneck SG. Unter dem Label «Pur Duroc» wird das Fleisch im oberen Preissegment an die Gastronomie verkauft.
Wo liegt der Mehrerlös?
Damit sich die Duroc-Zucht rechnet, braucht es jedoch mehr als einen guten Preis für das Schlachtschwein. Die Zucht ist anspruchsvoller, die Absatzkanäle sind schmäler als bei der Landrasse. Bringt die Duroc-Zucht also tatsächlich einen Mehrerlös? «Der Haupterlös entsteht beim Duroc durch das Ebergeschäft», erklärt Valentin Schättin. Jährlich verkauft er zwischen 50 und 70 Eber an andere Betriebe und weitere als Eberferkel an KB‑Stationen. Dieser Absatz ist ein wichtiger Pfeiler der Zucht.
Die kleinere Wurfgrösse stellt gleichzeitig besondere Anforderungen an die Vermarktung der Schlachtsauen. «Grundsätzlich haben wir einen Fixpreis bei den Duroc-Schlachtsauen. In Jahren mit gutem Schweinepreis ist der Verkauf der Landrasse profitabler. Aber in Jahren mit schlechtem Schweinepreis lohnt sich der Duroc mehr», erklärt der Schweinehalter. Die Rechnung ist also nicht immer dieselbe. Was bleibt, ist die Überzeugung für die Rasse: «Wenn wir die Duroc-Zucht nicht wirklich leben und mit Herzblut betreiben würden, hätten wir sie schon längst aufgegeben.»
Betriebsspiegel
LN: 24,5 ha
Ackerbau: 1,5 ha Mais, 1,5 ha Ur-Dinkel sowie Kunst- und Naturwiesen
Tierbestand: 80 Muttersauen, 350 Mastschweine, 25 Mutterkühe
Betriebszweige: Schweinezucht und -mast; Mutterkuhhaltung, Hofladen mit Direktvermarktung von Schweinefleisch und Urdinkel-Produkten
AK: Betriebsleiterpaar und ein bis zwei Lehrlinge

