Duroc: «Bei Futterverwertung und Fleischigkeit gibt es noch Aufholbedarf»

Hohe Tageszunahmen und wenig Tropfsaftverlust: Daniel Kaufmann von der Suisag über die Stärken der Rasse – und darüber, wo die Zucht noch zulegen soll.

Seit 1996 wird Duroc-Sperma von den KB-Stationen für die Erzeugung von Mastschweinen angeboten. Suisag-Zuchtleiter Daniel Kaufmann spricht im Interview mit der Bauernzeitung unter anderem über die Anfänge der Duroc-Zucht in der Schweiz. 

Wie entstand die Zucht auf Mutter- und Vaterlinien in der Schweiz?

Traditionell wurden in der Schweiz die beiden weissen Universalrassen Edelschwein und Landrasse gezüchtet. Mit der Kreuzungszucht lassen sich die Leistungen in der Mastferkelproduktion und der Mast züchterisch rascher steigern, wenn die Selektion in spezialisierten Vater- und Mutterlinien erfolgt. In den meisten ausländischen Zuchtprogrammen war dieses System in den 1990er-Jahren schon lange Standard. Mit der Neuorganisation der Herdebuchführung auf das Jahr 2000 wurde gleichzeitig auch in der Schweiz ein Zuchtprogramm mit den beiden Mutterlinien Edelschwein und Landrasse und einer Edelschwein-Vaterlinie neben anderen Vaterrassen definiert.

Wie und warum kam Duroc ursprünglich zur Suisag?

Mitte der 1990er-Jahre kam die Zeit der Duroc und Dänemark pries einen Endstufeneber dieser Rasse an, der bezüglich Mast- und Schlachtleistung Furore machte. Die Rasse hatte damals Vorteile, insbesondere bei der Mast- und Schlachtleistung gegenüber den weiterhin als Universalrassen gezüchteten Schweizer Rassen Edelschwein und Landrasse. Durch eine Kooperation zwischen dem Schweizerischen Schweinezuchtverband und der Vorgängerorganisation der Suisag für KB, der Suissem, und drei Einzelzüchtern kamen 1995 15 bis 20 Duroc-Eber und ‑Sauen für die KB und für den Aufbau von reinrassigen Herden in die Schweiz. Dank gezielter Zuchtarbeit konnte sich die Duroc-Rasse in der Schweiz als Vaterrasse etablieren.

Das sind nicht viele Eber und Sauen. Wie verhinderte man Inzucht?

Die kleine Zuchtpopulation war auf sporadische Samenimporte zur Blutauffrischung angewiesen. Am Anfang kamen diese aus den USA, Anfang der 2000er-Jahre aus Irland und ab 2015 aus Kanada.

Wie hoch ist der Anteil an Duroc-Sperma, das in der Schweiz verkauft wird?

Seit 1996 wird Duroc-Sperma von den KB-Stationen für die Erzeugung von Mastschweinen verkauft. Seither wurden bis ins Jahr 2008 auch verschiedene Kreuzungseber mit Duroc-Anteil für die KB zur Mastferkelproduktion angeboten. Der Anteil des Duroc-Spermas am gesamten verkauften KB‑Sperma lag bis 2015 bei etwa zehn Prozent der verkauften Blister. Neben den Swiss Duroc von Suisag sind auch Duroc der Vaterlinie Proax auf dem Markt, die von der Profera AG vertrieben werden. 

Duroc hat sich neben Premo und Piétrain in der Schweinezucht etabliert. (Bild: zVg)

Und seit 2015?

Ab dem Jahr 2020 stieg die Nachfrage nach Duroc-Sperma deutlich, wegen des vermehrten Auftretens der Krankheit HIS bei Premo-Nachkommen. Während der Marktanteil von Premo-Sperma deutlich sank, stieg der Swiss-Duroc- und Proax-Anteil am gesamten Spermaverkauf von 18 Prozent im Jahr 2019 auf 40 Prozent im Jahr 2025. Besonders stark war die Zunahme zwischen 2019 und 2021; seit 2023 liegt der Anteil bei rund 38 bis 40 Prozent.

Was ist heute spezifisch Swiss-Duroc – und was kommt aus ausländischer Genetik?

Swiss Duroc wird heute in drei Kernzuchtbetrieben gezüchtet. Bis ins Jahr 2025 wurde auf zwei Betrieben in kleinem Umfang noch Importgenetik aus Kanada in Form von Tiefgefriersperma zur Blutauffrischung eingesetzt. Die Duroc-Genetik aus Kanada ist aber für den Schweizer Markt zu wenig fleischig und die Futterverwertung war nicht zufriedenstellend. Inzwischen können wir bei Swiss-Duroc auf den Einsatz von ausländischer Genetik verzichten, da der Bestand an KB-Ebern gross ist und der Herdebuch-Bestand in den drei Duroc-Zuchtbetrieben auf etwa 220 Sauen angewachsen ist. Damit, mit dem Elitepaarungsprogramm und der seit 2026 eingeführten zentralen Eberaufzucht der Suisag kann die Inzucht gut unter Kontrolle gehalten werden. 

Was macht Swiss-Duroc aus Ihrer Sicht aus?

Die Swiss Duroc überzeugen durch hohe Tageszunahmen und eine gute Fleischqualität – insbesondere der intramuskuläre Fettgehalt und der geringe Tropfsaftverlust. Bei der Futterverwertung und Fleischigkeit gibt es noch Aufholbedarf gegenüber den anderen Vaterlinienrassen. Mit der aktuellen Zuchtstruktur und dem gemeinsam von Suisag und den Zuchtbetrieben umgesetzten Zuchtprogramm werden bei diesen Leistungsmerkmalen die erwünschten Verbesserungen in den kommenden Jahren erreicht. Auch bei der Coliresistenz gegen Coli F18 wird der Anteil des resistenten A-Allels weiter ansteigen. Der Mastferkelproduzent schätzt die vitalen und wüchsigen Ferkel. 

Wie haben sich die Zuchtziele seit 1996 verändert?

Das Zuchtziel hat sich in den letzten 30 Jahren nur leicht verändert. Der Anteil der Merkmale für Zunahmen ist von 27 Prozent auf aktuell 33 Prozent angestiegen. Die Bedeutung von intramuskulärem Fettgehalt konnte von damals 15 Prozent auf vier Prozent reduziert werden, da die Werte aktuell im angestrebten Optimum von 2,2 Prozent intramuskulärem Fett liegen. Insgesamt machen die Fleischqualitätsmerkmale heute noch 21 Prozent im Zuchtziel für die Produktionsmerkmale aus, gegenüber 36 Prozent im Jahr 2017. Die Fleischigkeit gewinnt seit dem breiten Einsatz von Duroc deutlich an Bedeutung und soll künftig weiter steigen.

Welche Rolle soll Duroc in der Schweizer Schweinezucht der Zukunft spielen?

Swiss Duroc soll, neben Premo und Piétrain, auch künftig ein wichtiger Endstufeneber in der Schweiz bleiben, mit welchem vitale Mastferkel und schnell wachsende Schlachtschweine mit einer hervorragenden Fleischqualität erzeugt werden können. Durch weiteren Zuchtfortschritt, auch dank der seit 2025 eingeführten genomisch optimierten Zuchtwertschätzung, sollen die Duroc-Schlachtschweine insbesondere bei der Futterverwertung und der Fleischigkeit noch bessere Ergebnisse liefern.

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