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Bauen: Gefälle und Roboter sollen im Milchviehstall Nährstoffverluste senken

Nährstoffeffizienz ist ein Dauerthema. Und das Credo von David Brunner und dem Bau seines Milchviehstalls. Einige Massnahmen sind gut fürs Image der Branche und fürs Portemonnaie.

David Brunner ist zufrieden mit dem neuen Milchviehstall. Der Weg dazu war zwar ein recht langer. Das Ergebnis überzeugt ihn, der Planer (Krieger AG) habe gute Arbeit geleistet. Brunner erzählt dies Ende September recht entspannt im Znüniraum und Büro, integriert in den grosszügigen, hellen Bau, fast ein wenig versteckt am Waldrand am Ende einer Nebenstrasse in Buttisholz LU.

Waldrand und der Hofname Graben waren über den Hitzesommer ein Erfolgsfaktor. Brunner wird für seine 80 Holsteinkühe kaum Raufutter zukaufen müssen.

Weshalb der Hof so heisst, wie er heisst, hat er bei Unwettern in früheren Jahren erfahren, als die Wassermassen von den umliegenden Hängen mit grossem Einzugsgebiet an den Gebäuden vorbeischossen. «Trockene Jahre sind meist gute Jahre hier», sagt der 48‑Jährige. Und der angrenzende Wald sorgt im Sommer für ein gutes Stallklima. Vier Seiten sind offen.

Er bewirtschaftet zwei Betriebsstandorte

50 ha LN bewirtschaftet er gemeinsam mit Familienmitgliedern (eine Vollzeitstelle) und einem Lernenden. Die Ressourcen braucht es für die Milchwirtschaft, die Obstanlage und die Lohnarbeiten (Mähen, Pressen, Pflanzenschutz, etwas Bodenbearbeitung).

Die Obstanlage, 1,6 ha Tafelobst, vor allem Äpfel und Birnen, steht auf dem elterlichen Betrieb in Oberkirch LU mit Anstoss an den Sempachersee. Dies war ein Ausschlag für den Bau in Buttisholz.

Das Quartier rückte immer näher, Entwicklungsmöglichkeiten gab es so kaum mehr. So konnte er – auch ohne Bauland – in Buttisholz einen zweiten Betrieb erwerben. Mais, Weizen, Raps und Kunstwiese stehen in der Fruchtfolge, dazu Dauergrünland. Die Aufzucht ist ab dem sechsten Monat ausgelagert an drei Betriebe.

Gebaut in zwei Etappen

2014 wurde der Betrieb in Buttisholz übernommen mit Laufstall für 48 Kühe und einem Roboter. Bald war klar für ihn, dass ein Neubau irgendwann erforderlich sein würde, auch um alle Tiere an einem Standort zu haben. Zwischen den beiden Betriebsstandorten liegen immerhin 8,5 km. Koordination braucht es täglich.

«Sonst ist das erforderliche Zugmaul auf dem anderen Betrieb», berichtet David Brunner mit einem vielsagenden Lächeln. Dann kam im Sommer 2021 ein extremes Hagelereignis mit Totalschaden an sämtlichen Dächern. So wurde das Dach, wie fast alle in der Region, behelfsmässig mit Planen abgedeckt und Brunner befasste sich konkret mit dem Neubauprojekt.

Bauwilligen empfiehlt er Geduld und einen kühlen Kopf: David Brunner im zweijährigen Milchviehstall. (Bild: Armin Emmenegger)

Gebaut wurde in zwei Etappen: 2023 der Heuraum mit Unterstand für die Boxen der Aufzuchtkälber und 2024 dann der neue Milchviehstall. Für eine gute Querlüftung setzt Brunner auf vier offene Seiten, was mit integriertem Heulager nicht möglich gewesen wäre. Vor ziemlich genau zwei Jahren wurde der Stall bezogen.

Das Baubewilligungsverfahren dauerte insgesamt gegen eineinhalb Jahre, mit einigen Sistierungen. Während der Phase kam es zu Anpassungen, so für eine zweite Futterachse für mehr Fressplätze. Den Ersatz der Fruchtfolgeflächen konnte er auf dem eigenen Betrieb sicherstellen, was ihm ein gutes Gefühl gibt. Rund 2000 m² konnten Brunners aufwerten, «eine Verbesserung im Alltag», sagt er heute.

Betrieb Brunner

Betriebsleiter: David Brunner

Standorte: Graben in Buttisholz LU und Seehäusern in Oberkirch LU

Flächen: 50 ha LN, Ackerbau mit Mais, Weizen, Raps und Kunstwiese sowie Dauergrünland und 1,6 ha Obstanlage

Tiere: 80 Holsteinkühe, Aufzucht bis 6 Monate auf Betrieb, dann ausgelagert

Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 1 Vollzeitstelle (Familienmitglieder), 1 Lernender, Eltern beim Obst

Besonderes: Lohnarbeiten

Trockene Spaltenböden mit Gummiauflage

Für den Teil Ammoniak liess er sich beim Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband beraten. Geholfen hat ihm bei den Berechnungen, dass er einen bestehenden Schweinezucht-Stall mit immerhin 48 Plätzen am Standort Oberkirch LU aufgab, zugunsten des Rindviehs in Buttisholz. Heute ist es so, dass nur ein kleiner Teil Hofdünger abgegeben werden muss. Beim Bau waren ihm Spaltenböden wichtig, damit die Klauen ein möglichst trockenes Umfeld haben.

Die Spaltenböden (Produkt MeadowFloor) sind versehen mit einer emissionsmindernden Gummiauflage, mit leichtem Gefälle, für einen raschen Harnabfluss und gemäss Bauherrn kaum teurer als herkömmliche.

Zwei Entmistungsroboter sorgen für Sauberkeit. Die Melkarbeit übernehmen zwei Roboter. Der bestehende mit aufgerüsteter Software und ein zweiter, neuer (A5 Next). Bei den Boxen haben Brunners am längsten «studiert».

Nährstoffeffizienz im Blick

Schliesslich entschied man sich für Hochboxen mit Wasserbett – eine Arbeitserleichterung. Dies führte dazu, dass der bestehende Gülleseparator seit dem Neubau nicht mehr gebraucht wird. Die Gülle ist fliessfähig, was davor mit den Tiefboxen nicht mehr gegeben war. Vorerst nicht automatisiert ist die Fütterung. Der Silobetrieb, ohne feste Siloanlagen, mischt täglich eine klassische TMR für einen Stallschnitt von rund 12 000 Kilo Milch.

Die Milch geht an ZMP/Emmi. Geweidet wird nicht, auch auf einen Laufhof hat Brunner verzichtet. Für ihn ein Widerspruch rund um das Thema Nährstoffeffizienz. Im offenen und hellen Stall ist BTS‑Standard.

Spaltenböden mit Gummimatte und Gefälle sowie zwei Entmistungsroboter sorgen für Sauberkeit. (Bild: Armin Emmenegger)

Güllesilo muss warten

Ein altes Güllesilo, heute vor allem noch als Regenwasserspeicher im Einsatz, hat er noch nicht abgedeckt. Wird es aber noch. Ein leiser Protest von David Brunner gegen eine Massnahme, bei der Aufwand und Ertrag für ihn nicht im Verhältnis stehen. Die Spaltenböden mit dem Gefälle sind eine weitere Massnahme zur Nährstoffeffizienz.

Der zweite Entmistungsroboter ist für ihn eine gute Investition, geplant war einer. Mehr Trittsicherheit dank Sauberkeit und gleichzeitig weniger Nährstoffverluste. Die verdünnte Gülle wird vollumfänglich mit Schleppschlauch ausgebracht. Rund zwei Drittel verschlaucht, der Rest mit dem Fass.

Auf die erhöhten Fressstände hat er dagegen verzichtet. Dies hätte zu einem noch mächtigeren Grundriss geführt. Und für ihn auch störend, dass es bei einem Neubau nicht alles eben sein würde.

Brunner setzt auf eine hochverdauliche Ration. Die Wiesen werden, wenn das Wetter mitspielt, alle 4 Wochen gemäht. Dies führt zu weniger Kot mit nicht verdauten Partikeln. Der Harn fliesse rasch ab. Vorhänge beim Roboter helfen bei grosser Kälte. Gegen die Kälte habe man aber nicht speziell vorgesorgt. «Sommerhitze ist häufiger und mühsamer als Kälte im Winter», findet Brunner.

Das alte Güllesilo ist vor allem zum Sammeln von Regenwasser in Gebrauch. Eine Abdeckung braucht es trotzdem. (Bild: Armin Emmenegger)

Fördergelder für Innovation

Wie viele erfahrene Bauherren gibt auch David Brunner den Tipp, genügend Zeit einzuplanen für ein Projekt. Und es brauche einen kühlen Kopf, wenn es im Bewilligungsverfahren zu Sistierungen komme. Er habe einiges angeschaut im Vorfeld. Irgendwann müsse man sich entscheiden. Stimmen müsse es für einen selbst, nicht für andere.

Tierwohl und Arbeitswirtschaft waren Brunners wichtig. «Eine Person muss den Stall abends allein besorgen können», so David Brunner. Störend für ihn ist, dass keine Puffer bewilligt würden. Die Natur halte sich halt nicht immer an die Zahlen im Gesuch und plötzlich bräuchte es vorübergehend mehr Plätze beim Galtvieh.

Das Thema Nährstoffeffizienz sei als Antwort auf die Trinkwasser-Initiative wichtig, findet er. Nicht alle Massnahmen seien aber über alle Zweifel erhaben und verteuerten halt nun mal den Bau. Anstatt Güllesilos abzudecken, wären ihm Fördergelder für gemeinsame Technik, etwa für eine gezielte Düngung, lieber.

Drehscheibe Ammoniak

Die Nationale Drehscheibe Ammoniak zielt auf die Reduktion der Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft und basiert auf dem Projekt Wissenstransfer Ammoniak, das von 2017 bis Ende 2021 umgesetzt Wurde. Teil davon ist auch die Informationsplattform (ammoniak.ch) zum Thema emissionsmindernde Massnahmen. Die Drehscheibe wird von BLW, BAFU und vielen Kantonen unterstützt.

Von den Fachleuten der Drehscheibe zur Umsetzung empfohlen auf Rindvieh-Betrieben werden folgende Massnahmen:

  • Fressstände: erhöhter Fressbereich mit Abtrennung (je 2 Tiere oder einzeln)
  • «Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne»: Oberflächen für raschen Harnabfluss kombiniert mit Einrichtungen zum raschen Abführen von Kot und Harn
  • Bedarfsgerechte Fütterung zur Reduktion von Proteinüberschüssen
  • Laufgangmatte mit Gefälle
  • Böden wie V-Twin oder Delta-X
  • AMCO-Rost
  • Reduktion der verschmutzbaren Flächen durch Funktionsbereiche
  • Niedrige Temperatur: Aussenklimaställe
  • Anbindestall (nur aus Sicht Emissionen, nicht Tierwohl)
  • Vollweide/Alpung

Weitere Massnahmen werden fallspezifisch empfohlen. Alle Details unter ammoniak.ch.

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