Grossaufmarsch zum «Leue-Höck» der Suisseporcs Montag, 5. Oktober, im Restaurant Löwen in Hildisrieden LU: Rund 100 Schweinehalter wollten sich aus erster Hand von den Behörden zur aktuellen EP-Seuchenlage informieren lassen.
50 % der Betroffenen in Luzern
Bekanntlich kam es Anfang September zu einem grossen und schwerwiegenden Ausbruch der ansteckenden Lungenentzündung Enzootische Pneumonie (EP). Betroffen sind 20 Zuchtbetriebe eines grossen Abferkel-Schweineringes in mehreren Kantonen, davon die Hälfte im Kanton Luzern. Die Bestände in diesen Betrieben wurden geräumt und Tierverkehrssperrungen sollen die weitere Ausbreitung verhindern. Die BauernZeitung berichtete (Ausbruch EP).
Rasche Information und Massnahmen
Martin Brügger, Leiter des Luzerner Veterinärdienstes, blickte auf die Informationen und getroffenen Massnahmen zurück, nachdem am 9. September die Mitteilung eines EP-positiven Untersuchungsresultates vorlag.
Bereits am Tag darauf sei mündlich die Tierverkehrssperre mitgeteilt worden, und am Folgetag wurde diese Sperre den Betrieben schriftlich verfügt. Anschliessend wurden Daten auf Betrieben erhoben, die vom Ausbruch betroffen sein könnten. Es habe sich dabei gezeigt, dass der deklarierte Tierverkehr bezüglich Anzahl und Kategorien nicht immer der Realität entsprochen habe. Das müsse künftig besser beachtet werden, betonte Brügger.
Er wies ferner darauf hin, dass regelmässige Koordinationssitzungen zwischen den betroffenen Kantonen und dem zuständigen Bundesamt BLV stattfanden. So hätten die Kantone und das BLV bereits am 17. September die Totalsanierung der Zuchtbetriebe beschlossen. Die Räumung der Zuchtbetriebe begann am 21. September. Rund 500 benachbarte Betriebe wurden gleichentags über den Entscheid informiert und tags darauf rund 1500 Schweinehalter im Kanton Luzern.
Beschlossen wurde die Räumung der Zuchtbetriebe nach Prioritäten, so in erster Linie die vorzeitige Schlachtung oder der Export der Tiere. Falls dies nicht möglich war, die Tötung durch Euthanasie der hochträchtigen Muttersauen oder durch die Elektrozange bei Saug- und abgesetzten Ferkeln sowie Masttieren. Bei Mastbetrieben erfolge die Sanierung je nach individueller Beurteilung des Risikos.
Räumung ist abgeschlossen
Inzwischen seien alle zehn Zuchtbetriebe geräumt, bis auf 300 Jager in einem der Betriebe. Dies sei aber noch in der laufenden Woche vorgesehen. Ebenfalls geräumt wurde ein Mastbetrieb mit 700 Tieren, weil in diesem EP nachgewiesen wurde und kein geeigneter Stall für die Ausmast gefunden werden konnte. Es sei denkbar, dass noch einige wenige weitere Mastbetriebe geräumt werden müssten, meinte Martin Brügger.
«Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise, dass sich die Infektion ausserhalb des betroffenen Schweineringes ausgebreitet hat.»
Martin Brügger, Leiter Luzerner Veterinärdienst
Die Räumungen mit teils vorzeitiger Schlachtung der Tiere hätten planmässig durchgeführt werden können, seien aber sehr aufwendig gewesen bezüglich Personal, Material, Gerätschaften und Entsorgung. Auch emotional sei dies für alle sehr herausfordernd gewesen, die Zusammenarbeit habe aber sehr gut funktioniert, betonte Brügger. Die Überprüfung der benachbarten Betriebe sei in Auftrag gegeben worden. «Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise, dass sich die Infektion ausserhalb des betroffenen Schweineringes ausgebreitet hat», erklärte er.
Geschätzte Arbeit der Behörden
In der anschliessenden Diskussion wurden die offene Information und die grosse Transparenz der Behörden von den Schweinehaltern sehr gewürdigt und an Martin Brügger und sein Team vom Luzerner Veterinärdienst explizit verdankt.
Kritische Stimmen äusserten sich nur wenige, so allenfalls zu den Infrastrukturen bei den Notschlachtstellen. Auch die Suisseporcs äusserte sich dankbar für das entschlossene Handeln und die Eindämmung der Seuche. «Wir setzen weiterhin auf eine professionelle Schweinehaltung, dafür braucht es konsequente Massnahmen», betonte Adrian Schütz von Suisseporcs.
Wildschweine sind ein Risiko
Überrascht habe das Ausmass des Ausbruches. Deshalb gebe es schon Fragezeichen zur Grösse von Schweineringen, und dazu, dass hochträchtige Sauen teils über weite Distanzen transportiert würden, meinte Adrian Schütz. Glücklicherweise sei die Zentralschweiz noch weitgehend verschont von der Ausbreitung von Wildschweinen. Die seien nämlich ein grosses Risiko bei der Übertragung von Seuchen, nicht nur der ASP, sondern auch der EP.
Weiterhin wachsam bleiben
In einer Medienmitteilung vom 6. Oktober orientierte der Luzerner Veterinärdienst ebenfalls über den Stand bei der Bekämpfung von EP. Die Totalsanierung bei den Zuchtbetrieben sei nötig gewesen, um die weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern und die restliche Schweinepopulation im Kanton Luzern beziehungsweise in der ganzen Schweiz vor einer Ansteckung zu schützen. Insgesamt mussten in den zehn betroffenen Luzerner Betrieben 4500 Tiere geschlachtet oder getötet werden. Schweizweit sei die Sanierung ebenfalls fortgeschritten, bisher mussten zirka 10 500 Tiere getötet werden.
Die Sperre für die betroffenen Betriebe bleibe in Kraft, und es gelten weiterhin Einschränkungen beim Tierverkehr. Die Sperre könne erst aufgehoben werden, wenn die Ställe gereinigt und desinfiziert sind und mindestens zehn Tage leer stünden. Betriebe in der Nachbarschaft würden derzeit von Tierärzten besucht, welche den Gesundheitszustand der Tiere beurteilen. Sollten hustende Tiere mit Verdacht auf EP gefunden werden, entnehmen die Tierärzte Proben und lassen diese auf EP untersuchen. Der Veterinärdienst ruft alle Schweinehaltenden auf, die Tierbewegungen fristgerecht zu erfassen, Begleitdokumente vollständig auszufüllen und die angeordneten Einschränkungen des Tierverkehrs einzuhalten. Und die konsequente Umsetzung der Biosicherheit wie Personenschleusen, Kleiderwechsel, Desinfektion von Händen und Stiefeln schütze den eigenen Bestand und verhindere die Verschleppung des Erregers.

