pv_die-grune-onlineABO

Seitlich streuen mit System

Der Gafner-Seitenstreuer gehört in der Schweiz zum vertrauten Bild. Im Zürcher Oberland baut das Unternehmen verschiedene Modelle für Transporter und Traktoren. Geschäftsleiter Christian Gafner gibt Einblick, worauf es bei der Entwicklung der Streuer ankommt.

Kurz & bündig

  • Die Gafner Maschinenbau AG setzt auf eine modulare Bauweise.
  • Das Streuwerk sorgt für präzise Verteilung.
  • Mit dem Streuwerk «Roto» kann beidseitig gestreut werden.
  • Die Technik wird laufend weiterentwickelt und den Fähigkeiten der Transporter angepasst.

Christian Gafner hat gerade die Planung für die nächste Streuerserie abgeschlossen und Material bestellt. Das sind vor allem Laserbleche für den Bau der Wannen oder Stangenmaterial, das zum Beispiel für Antriebswellen weiterverarbeitet wird. Dazu kommen Standardkomponenten wie hydraulische Antriebe oder Gehäuselager usw.

«Wir produzieren je eine Maschinenserie im Frühling und eine im Herbst. Jährlich bauen wir rund 100 Miststreuer», sagt Christian Gafner, Geschäftsleiter der Gafner Maschinenbau AG in Laupen-Wald ZH.

Christian Gafner produziert mit seinem routinierten Team der Gafner Maschinenbau AG jährlich rund 100 Seitenstreuer in verschiedenen Grössen und Modellen. (Bild: «die grüne» / Beat Schmid)

Das ist eine beeindruckende Menge, welche das 10-köpfige Unternehmen leistet. Kommt hinzu, dass die Fertigungstiefe gross ist. In der Schlosserei werden aus Stangenmaterial diverse Teile zugeschnitten, welche dann in der eigenen mechanischen Fertigung weiterverarbeitet werden. Aus Laserblechen werden ganze Baugruppen, wie zum Beispiel Streugehäuse, geschweisst. Nachdem die diversen Baugruppen wie Gehäuse, Rahmen und Seitenwände extern verzinkt und die mechanischen Teile produziert worden sind, erfolgt die Endmontage.

Das Streugehäuse wird aus Laserteilen geschweisst, verzinkt und gelangt dann zur Endmontage. (Bild: «die grüne» / Beat Schmid)

Breite Modellpalette mit Modulbauweise

«Wir haben eine sehr grosse Produktbreite mit verschiedenen Wannenbreiten, -längen und verschiedenen Durchmessern des Streuwerks. Dabei achten wir auf eine modulare Bauweise, wo viele gleiche Teile für mehrere Modelle verwendet werden», sagt Christian Gafner.

Es gibt vier verschiedene Wannenbreiten zwischen 103 und 143 Zentimetern. Somit gibt es auch vier Grössen von Streuwerken. Damit werden 16 verschiedene Modelle für Transporteraufbauten angeboten. Bei den Anhängerstreuern sind es 11 Modelle. Bei Aufbau- und bei Anhängerstreuern kommen die gleichen Teile zum Einsatz. Der Unterschied liegt darin, dass es bei den Aufbaustreuern Aufbauteile zu den verschiedenen Transportern braucht. Bei den gezogenen Maschinen braucht es keine Aufbauteile, dafür ein Fahrwerk und eine Deichsel. Zudem streut der Anhänger vorne und der Aufbau streut am Heck. Ob eine Grundmaschine nun als Anhänger oder als Aufbau verwendet wird, ist zweitrangig. Es kommen klar definierte Schnittstellen zum Einsatz, die über alle Modellgrössen die gleichen sind. 

Heute liegen die Maschinenentwicklungen vor allem in den Details wie einer zentralen Schmieranlage oder Optimierungen beim Planeten, welcher das Material für die Übergabe an die Zubringer abfräst. «Dank dem modularen Aufbau können wir den Planeten mit Schneidmessern oder (in einer verstärkten Version) als Fräsplaneten für besonders zähen Mist anbieten. Dabei bleibt das Streuwerk vom Grundaufbau her immer dasselbe», erklärt Christian Gafner.

Der Planetenrotor ist mit Messern bestückt. Für besonders zähen Mist gibt es einen verstärkten Fräsrotor. (Bild: Gafner Maschinenbau AG)

Auf dem Sternrotor, der das Material an den Auswurfrotor befördert, befindet sich der bereits erwähnte Planet. Dieser ist für die Funktion besonders wichtig. Er zerkleinert den Mist, welcher über einen hydraulischen Kratzboden und eine Rückwand zugeführt wird. Das komplette Streuwerk arbeitet also auf kleinem Raum sehr intensiv und viele Details sind entscheidend, damit ein guter Materialfluss entsteht und eine gleichmässige Verteilung erfolgt.

Beim Modell «Roto» kann der Verteilkopf um 240° geschwenkt werden, wodurch eine beidseitige Verteilung möglich wird.

Im Sinne einer optimalen Nährstoffwirkung der verfügbaren Hofdünger ist die Präzision bei der Verteilung entscheidender denn je.

Fahrwerk für Anhängerbremse 40 km/h neu entwickelt

Gafner entwickelte auch eine Anhängerachse, welche alle Anforderungen für einen Betrieb mit 40 km/h erfüllt. Dabei war es eine Herausforderung, eine automatische lastabhängige Bremskraftregelung (ALB) einzubauen. Für diese Regelung ist ein gefedertes Fahrwerk erforderlich, dessen Position zur Gewichtserkennung dient. Bei einem Streuer, der hauptsächlich im Hang eingesetzt wird, ist ein solches Fahrwerk jedoch problematisch. Die Talseite federt mehr ein als die Bergseite der Fahrwerksfederung und eine solche Achse braucht Platz und erhöht deshalb den Schwerpunkt. Den Schwerpunkt wollte Gafner bewusst tief halten, aber dennoch einen Federweg erzeugen, um die ALB gezielt anzusteuern. Gafner entwickelte eine Lösung, die nicht einseitig einfedern kann und wo ein Federweg von bloss 3 Zentimetern ausreicht, um die ALB zu regeln. Christian Gafner konnte mit dieser Lösung zwei wichtige Ziele erreichen: Einerseits sind 40 km/h möglich und andererseits erhöhte sich der Schwerpunkt bloss um etwa 5 Zentimeter. Dank dem modularen Aufbau ist es leicht möglich, das gleiche Fahrwerk an verschiedenen Modellen einzubauen. Die Schnittstellen zur Wanne sind dieselben. Somit konnten mit nur zwei unterschiedlichen Fahrwerken alle Anhängermodelle abgedeckt werden.

Rund zwei Drittel der Streuer sind für Aufbauten und ein Drittel sind Anhängerstreuer. Diese baute Gafner von Anfang an, der Anteil nimmt jedoch zu, da Traktoren immer hangtauglicher werden.

Bei der Entwicklung seiner Aufbauten orientiert sich Gafner an den technischen Möglichkeiten der führenden Transporterhersteller. Denn der beste Streuer nützt wenig, wenn das Trägerfahrzeug ihn nicht bedienen kann. Hydraulikleistung, Antriebe und Steuerung des Transporters geben deshalb den Rahmen vor.

Weiterlesen