«Was gibt es Schöneres, als in einem Wachstumsmarkt zu arbeiten?», meinte Co-Präsident Toni Büchler an der 34. Generalversammlung von Bio Luzern. Er wies auf den steigenden Konsum von Bioprodukten sowohl in Deutschland wie der Schweiz hin. Und unser Land werde in Agrarberichten für den weltweit grössten Pro-Kopf-Konsum an Bioprodukten gelobt. Er habe aus Spass mal KI konsultiert, was künstliche Intelligenz zu Landwirtschaft meine: geschlossene Kreisläufe, Boden als Kapital der Zukunft wie eine virtuelle Banknote für Wasserhaushalt und Nährstoffe, sowie kundennahe Lebensmittel seien als Stichworte gelistet worden. Da sei Bio offensichtlich gut unterwegs. Zumal es bezüglich globalen Umweltherausforderungen mehr als fünf vor zwölf stehe.

Bald mehr Biomilch nötig

Rolf Bernhard, Co-Geschäftsführer bei Bio Suisse, ging auf die vielen Gemeinleistungen von Bio-Lebensmitteln ein, wie Biodiversität, sauberes Wasser, gesunde Böden, Klimaschutz. Das müsse besser erklärt werden. Der Detailhandel sei derzeit recht nervös, der aktuelle Preiskampf gehe auch an Bio nicht vorbei. Die Marktaussichten bei Bio seien aber gut, bei den Ackerkulturen seien vor allem Getreide und Körnerleguminosen gefragt. Und Biomilch brauche es spätestens im Sommer wieder mehr, deshalb sei der Preis nicht gesenkt worden.

Mehr Mitglieder

Bio Luzern hat 529 Mitglieder, davon sind 415 Bio-Betriebe. Das sind lediglich 12,5 % aller Luzerner Landwirtschaftsbetriebe. Zehn Austritten stehen 21 Eintritte gegenüber. Neu dabei sind auch Lizenznehmer, welche Mitglied einer Bio-Organisation sein müssen, sowie «landlose Imker», die neu als landwirtschaftliche Produzenten gelten. Die Jahresrechnung schloss wegen mehr Erträgen und weniger Aufwand deutlich besser als budgetiert mit einem Gewinn von 3700 Franken ab. Das Budget 2026 rechnet mit einem leichten Defizit von rund 5400 Franken, was bei einem Vermögen von 90 000 Franken verkraftbar sei.

Mehr Bio in Gastronomie

Wie Co-Präsident Christian Galliker betonte, will Bio Luzern weiterhin mit innovativen Projekten für mehr Absatz werben. Dafür bietet der Dachverband Bio Suisse finanzielle Unterstützung. Bereits wurden mehrere Werbevideos für die Verbreitung auf social media Plattformen produziert, weitere sollen folgen. Speziell erwähnte er das Projekt «Bio in Kanti-Mensen» in Zusammenarbeit mit «Biofüür Zentralschweiz» und dem Luzerner Aktionsplan Biolandbau. Dabei sollen Lernende und das Küchenpersonal für Bioprodukte sensibilisiert werden, und das Projekt werde auch kommunikativ begleitet.

Überhaupt soll die Gastronomie mehr Bio anbieten, die Bauern sollten deshalb vermehrt direkt an Wirte gelangen, meinte Toni Büchler. Eine gute Chance für direkten Kundenkontakt biete der jährliche O-Sole-Bio-Markt in Zug, der am 29. August stattfindet. 

Personell ausgebaut wurde die Bioberatung. Und Büchler freute sich, dass dieses Jahr wieder eine separate Bioklasse am BBZN Schüpfheim geführt werden kann. Dies sei die einzige Möglichkeit für den Abschluss Landwirt mit Schwerpunkt Biolandbau in der Zentralschweiz und soll entsprechend genutzt werden.

Sperma-Sexing und Bio

Weitergeführt wird das seit 2022 mit finanzieller Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung laufende Projekt «zu Hause gross werden – Kälber auf dem Geburtsbetrieb abtränken». Bisher sei an neun Betriebe 70 000 Franken geleistet worden, vier weitere Betriebe seien in Umsetzung. Weil damit Bio-Milch und Bio-Rindfleisch in Einklang gebracht werden könnten, soll das Projekt nun national forciert werden.

Geteilt sind die Meinungen der Biobauern zum Sperma-Sexing, das derzeit verboten ist. Aufgrund eines Antrages aus der Westschweiz mit Unterstützung aus der Ostschweiz soll an der DV von Bio Suisse über eine Zulassung diskutiert werden. Der Vorstand lege Wert darauf, zu diesem Thema die Stimmung an der Basis zu kennen, meinte Marc Grüter. Dazu organisiert Bio Luzern am 8. April einen Informationsabend. 

Luzern will eine Bio-Region schaffen

Mehr Biobetriebe und mehr Wertschöpfung von deren Produkten. Da ist ein Ziel des Luzerner Aktionsplans Biolandbau. Dazu beitragen soll auch ein Wettbewerb für Bio-Regionen. Gesucht sind Akteure, welche bis 30. Juni 2026 Ideen dazu einreichen, es winkt ein Preisgeld von 20 000 Franken. Die Vision: Eine Region ganz auf Bio eingestellt: Landwirte als Produzenten, der Dorfladen beim Bezug seiner Waren, die Konsumenten beim Einkauf. Auch im Altersheim und an den Schulen werden lokal und biologisch hergestellte Rohprodukte verarbeitet, und auch das Gasthaus bezieht Fleisch und Milch von regionalen Biobetrieben. Damit könnten die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt und die Vermarktungswege verkürzt werden. Und Konsumierende lernen den Wert ökologisch produzierter Lebensmittel aus der Region kennen. Für den Wettbewerb gibt der Kanton einen Kriterienkatalog vor, die besten Chancen haben innovative und umsetzbare Konzepte, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette bewegen. Ein unabhängiges Gremium, in dem neben Bio Luzern, das BBZN, die Dienststelle Landwirtschaft und Wald sowie der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband vertreten sind, wird die Konzepte beurteilen.

Zentralschweizer Grasrind

Bio-Produzenten mit der Gastronomie und dem Detailhandel verbinden. Das will die Firma BellaBio aus Ballwil. Deren Konzepte stellte Elmar Barmettler, selber Obwaldner Biobauer, und lange im Handel tätig, bei Bio Luzern vor. «Wir denken nicht nur von der Produktion her, sondern vom Bedarf der Küche.» So entstehe ein System, das auf echte Nachfrage reagiere, nicht auf Überschüsse, meinte Barmettler. Regionale Produkte müssten aber auch in die Abläufe der Gastronomie passen, da biete BellaBio Unterstützung bei der regionalen Beschaffung.

Bereits seien 17 Betriebe mit dabei, die Firma befinde sich personell und finanziell im Aufbau, ist zu zwei Dritteln im Besitz von Bauern. Konkretes Projekt sei ein «Zentralschweizer Grasrind». In der Gastronomie gebe es eine grosse Nachfrage für Verarbeitungstiere, deshalb sind neue Bio Weidemastbetriebe gesucht, die bis 2028 rund 2000 Tiere anbieten, nach den Richtlinien für Bio-Weiderind er produziert.