Tag4farm-App, TVD-App und e-Transit-App – diese neuen Angebote der Identitas AG für das Smartphone sollen den Tierhaltern die Arbeit erleichtern und einen Mehrnutzen bringen. Was die Apps können, erklärte das Unternehmen an seiner 27. Generalversammlung in Alberswil LU.
Die Schafe auf der Alp finden
Rechtzeitig zur Alpsaison wurde im März die App «Tag4farm» lanciert. Tierhaltende können dank eines «Tags» am Halsband von Rindern oder Schafen mittels GPS via Smartphone jederzeit nachverfolgen, wo sich ihre Tiere befinden. Das mühsame Suchen von Herden während der Sömmerung hat so ein Ende. Das Alppersonal kann so auch feststellen, wenn in der Herde ungewöhnliche Aktivitäten festgestellt werden, beispielsweise wegen eines Wolfes.
Vom Stall auf das Smartphone
Schon seit letztem Herbst gibt es von Identitas zwei neue Apps für den vereinfachten Tierverkehr für Rinder: Die TVD-App bringe die wichtigsten TVD-Funktionen von Rindern direkt auf das Smartphone. Und die e-transit-App sei für die Arbeit der Transporteure und Kontrollorgane konzipiert. Die Tierdaten werden per QR-Code vom Viehhändler oder Transporteur direkt an den Schlachtbetrieb übermittelt. Derzeit würden allerdings erst wenige Betriebe die neue App nutzen, meinte Charly Küenzi von der Identitas AG (die BauernZeitung berichtete).
Die neuen Dienstleistungen müssten sich am Markt nun bewähren. Die Digitalisierung in der Landwirtschaft schreite aber rasant voran, deshalb werde die Identitas AG in solche Angebote investieren, welche den Nutzenden einen klaren Mehrwert bieten sollen, betonte Geschäftsführer Christian Beglinger an der Generalversammlung bei Agrovision Burgrain in Alberswil.
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Tierseuchen als grösste Bedrohung
Kernaufgabe der Schweizer Datenspezialistin bleibt aber die Registrierung der Tiere und des Tierverkehrs (TVD) im Auftrag des Bundes. «Ich hätte bei meinem Amtsantritt letzten September nicht gedacht, dass sich die Tierseuchenlage in Europa so verschärft», meinte Verwaltungsratspräsident Hans Wyss. Er bezeichnete diese Seuchenlage, so wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Lumpy-Skin-Krankheit (LSD), als eine der aktuellsten und vielseitigsten Bedrohungen der Tiergesundheit.
Zur Seuchenbekämpfung sei eine vollständige und lückenlose Dokumentation des Tierverkehrs das A und O. «Je mehr Daten, desto besser die Qualität», so Wyss. Identitas lege aber Wert auf Einfachheit und Kosteneffizienz für die Anwender. «Wir wollen auch in bewegten Zeiten verlässlich sein.»
Anpassungen bei der TVD
Schrittweise soll die TVD bis 2030 erneuert werden, schon diesen Herbst erfolge ein Release, erklärte Christian Beglinger. Wie anspruchsvoll und komplex dieses System inzwischen geworden ist, zeigen die 52 Schnittstellen, die zu bewirtschaften sind. Dazu gab es allerdings auch Kritik aus der Versammlung. Seitens Züchterorganisationen wurde der Zeitpunkt bemängelt, zumal diese selber dieses Jahr Anpassungen ihrer Datensysteme planen. Das könnte viele Bauern überfordern und die Glaubwürdigkeit gefährden, wurde gemahnt. Es brauche deshalb gute gemeinsame Lösungen.
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FaBE – nun auch Menschen registrierbar
Letztes Jahr wurde die Tochterfirma Animundo AG gegründet, die mit der neuen Heimtierplattform die wachsenden Erwartungen der Heimtierhalter, so bezüglich Tierdaten oder Tracking mittels App, bedienen will.
Neuland betrat die Identitas auch mit der im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt und gemeinsam mit der Branche entwickelten Registrierung für die Fachbewilligung Pflanzenschutz. «Erstmals haben wir neben Tieren nun auch Menschen registriert», meinte Christian Beglinger schmunzelnd. Mit der pünktlichen Bereitstellung der Lösung per Ende 2025 habe die Identitas AG ihre Verlässlichkeit unter Beweis gestellt.
Finanzen werden knapper
Finanziell muss sich Identitas auf schwierigere Zeiten einstellen. Wegen sinkender Tierbestände würden auch die Gebühreneinnahmen sinken, bei steigenden Anforderungen und mehr Aufgaben. Bereits musste Personal abgebaut werden. Mit Mehreinnahmen dank Aufträgen von Dritten und Kosteneffizienz soll dem schwindenden finanziellen Spielraum begegnet werden, meinte Finanzchef Michael Brunner. Investitionen in die Digitalisierung, so auch die künstliche Intelligenz, würden aber wichtig bleiben.
Die letztjährige Rechnung schloss bei einem Nettoerlös von 18,3 Mio Franken noch mit einem Gewinn von 255 000 Franken ab (Vorjahr 463 000 Franken).
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Neue Verwaltungsräte gewählt
Harsche Kritik äusserte Präsident Hans Wyss zu einem Entscheid der Bundesfinanzverwaltung und des Verwaltungsgerichtes, dass auf die Gebühren für die Dienstleistungen der Identitas neu Mehrwertsteuer abzurechnen sei. Das sei in den letzten Jahrzehnten nie ein Thema gewesen und völlig unverständlich. Deshalb soll der Entscheid vor Bundesgericht angefochten werden.
Aus dem Verwaltungsrat traten Heiri Bucher, ehemaliger Direktor Proviande, und Tierärztin Amandine Baumert zurück. Neu dabei sind Donat Schneider, Direktor der Proviande, und Roberto Mossi, Präsident Gesellschaft Schweizer Tierärzte.
Ein bundesnaher Betrieb
Die Identitas AG mit Sitz in Bern bezeichnet sich als die Schweizer Datenspezialistin für gesunde Tiere und Pflanzen, für sichere Lebensmittel und zum Schutz der Umwelt. Die IT-Dienstleisterin betreibt als bundesnahes Unternehmen branchenspezifische datenbankbasierte Informatiklösungen. Softwareentwicklung und Speicherung der Daten erfolgen in der Schweiz. Mehrheitsaktionär ist der Bund, daneben sind Tierzuchtorganisationen, Bauernverband, Viehhändler, Tierärzte, Fleischverarbeiter und weitere aus der Branche Aktionäre.