Milch aus Anbindehaltung gerät immer wieder in die Kritik: Viele Konsumentinnen und Konsumenten sehen die Haltungsform als nicht mehr zeitgemäss und als wenig tiergerecht an. Sie wünschen sich stattdessen Produkte von möglichst «freien» Tieren an der Ladentheke. Einige deutsche Detailhändler reagieren auf diesen Wunsch und wollen ihr Angebot künftig entsprechend anpassen.

Diese Entwicklung verfolgt die IG Anbindestall sehr genau. Ihrerseits ist die IG nämlich der Überzeugung, dass die ablehnende Einstellung gegenüber der Anbindehaltung auf Unwissen und falschen Vorstellungen fusst. Um zu verhindern, dass sich die Verhältnisse in der Schweiz in die gleiche Richtung wie in Deutschland entwickeln, ist die Geschäftsleitung der Interssensgemeinschaft auf die Schweizer Detailhändler zugegangen und hat das Gespräch gesucht. 

Coop nicht an Austausch interessiert

Wie die IG Anbindestall in einer aktuellen Mitteilung schreibt, hat Coop verlauten lassen, dass man auch künftig an der neutralen Haltung gegenüber dem Anbindestall festhalten wolle. An einem gegenseitigen Austausch sei Coop jedoch nicht interssiert.

Chef von Aldi Suisse nimmt Einladung an

Anders als bei Coop zeigte man bei Aldi Suisse Interesse an der Einladung der IG Anbindestall. Landesgeschäftsführer Jêrome Meyer fuhr zum Treffen nach Bleiken bei Oberdiessbach, wo ihm die Geschäftsleitung der IG den Anbindestall von Familie Graf zeigte.

Wie der Mitteilung zu entnehmen ist, zeigte Meyer Verständnis dafür, dass besonders im Berggebiet oft kein Weg am althergebrachten Anbindestall vorbeiführt. Auf den traditionellen Mehrstufenbetrieben mit ihren häufig engen Platzverhältnissen hätten Laufställe entweder keinen Platz, oder würden viel zu hohe Kosten verursachen, schreibt die IG Anbindestall.

Im Gegensatz zu Aldi Deutschland, wo es ab 2020 gar keine Produkte aus Anbindehaltung mehr geben soll – auch wenn die Tiere nur saisonal angebunden sind – solle es bei Aldi Suisse keine derartigen Pläne geben, versicherte Meyer. Er wolle den Schweizer Konsumenten ein realistisches Bild der hiesigen Landwirtschaft vermitteln und nicht ein romantisiertes. Das schliesse den Anbindestall mit ein: «Auch der Anbindestall gehört zum Bild der Schweizer Landwirtschaft, besonders im Berggebiet.»