Welche Themen beschäftigen die schweizerische Landwirtschaft in der Zukunft am meisten? Wie bereiten sich die Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz am besten auf zukünftige Chancen und Herausforderungen vor? Wie kann die landwirtschaftliche Beratung dabei am besten unterstützen?
Das ist kein Blick in die Kristallkugel, sondern ein Symposium der Agridea, das Denkanstösse geben möchte, wie die Zukunft erfolgreich gemeistert werden kann.
Neue Technologien als Chance
In einem sich stark verändernden Umfeld brauche es die landwirtschaftliche Beratung umso mehr, ist Lukas Kilcher, Direktor der Agridea, überzeugt. In Partnerschaft mit dem Beratungsforum Schweiz organisiert die Agridea ein Symposium, das am 30. April am Inforama Rütti in Zollikofen BE stattfindet. Angesprochen sind Bildungs- und Beratungskräfte sowie die landwirtschaftliche Praxis, Forschung und Verwaltung. Im Rahmen dieser Tagung feiert die Agridea ihr 20-jähriges Bestehen.
«Wir stellen uns bei der Agridea jeden Tag die Frage, wie wir die langfristige Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaftsbetriebe über die Beratung stärken können», so Kilcher. Ein zentrales Thema des Symposiums sind deshalb künftige Beratungsmethoden und Inhalte, unter anderem der Trend zur Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Wird die Beratung bald von KI übernommen? So könnte eine provokative Frage lauten. Für Lukas Kilcher ist die künstliche Intelligenz ein wertvolles neues Tool, das wie jedes Werkzeug mit Verantwortung und gerade in diesem Falle mit einer grossen Portion menschlicher Intelligenz einsetzbar ist. Zwischenmenschliche Begegnungen in einer zunehmend technologisierten Welt seien ihm besonders wichtig, genauso wie die bäuerlichen Sorgen auch im sozialen Bereich aufzunehmen.
Betriebe setzen vermehrt digitale Technologien ein, einerseits auf dem Feld, andererseits mit verschiedenen Tools, welche die Aufzeichnungspflicht und das Betriebsmanagement vereinfachen sollen. Neue Technologien werden die Landwirtschaft weiter verändern und bieten gemäss Kilcher auch eine grosse Chance, Ressourcen effizienter einzusetzen und Kosten zu sparen. Sie erfordern aber auch viel neues Wissen. Damit beschäftigt sich die Agridea in ihren neuen Handlungsfeldern, die am Symposium ebenfalls zur Sprache kommen.
Neue Generation Betriebsleiter
Dazu kommt ein Generationenwechsel, wie es ihn in der Schweiz noch nie gegeben hat, sind doch über 55 % der aktuellen Betriebsleiter über 50 Jahre alt und werden ihren Betrieb bald übergeben müssen. Künftige Betriebsleiter sind die «Digital Natives», was wohl auch einhergeht mit einer grösseren Offenheit für neue Technologien und neue Betriebsstrategien.
Die landwirtschaftlichen Berater-(innen) und die dahinterstehenden Institutionen wie die Agridea sind gefordert, diese Entwicklungen zu antizipieren, und vorausschauend Wissen zu vermitteln. Lukas Kilcher spricht von einem Paradigmenwechsel, der bereits eingeläutet wurde. Dazu gehören auch die geplanten Anforderungen der AP30+, die einerseits die Landwirtschaftsbetriebe als Unternehmen stärken soll und andererseits mehr in Richtung grössere Nachhaltigkeit steuern möchte. Damit sind auch Zielkonflikte verbunden, welche die Agridea in der Aufbereitung von Wissen für die Beratung und Praxis aktiv aufnimmt.
Handlungsfeld «Wandel begleiten»
Lukas Kilcher erklärt in dem Zusammenhang das Handlungsfeld «Wandel begleiten», das in der nächsten Phase der langen Kette an Veränderungen in der Landwirtschaft immer wichtiger wird: «Unsere Aufgabe ist es, Landwirtinnen und Landwirte in der strategischen Betriebsentwicklung und im alltäglichen Betriebsmanagement mit solidem Wissen und praxistauglichen Werkzeugen wirkungsvoll zu unterstützen.»
Denn die zu bewältigenden Zukunftsfragen wie etwa die Ressourcenknappheit und der Klimawandel sind gross und verändern die Bedingungen für den Pflanzenbau und die Nutztierhaltung stark. Neue Sorten, Kulturen, Techniken und Themen werden wichtig. Zuoberst auf der Liste stehen für Kilcher auch ökonomische Themen wie die langfristige Einkommenssicherung der Betriebe und die Produktion von Lebensmitteln für den «Teller der Zukunft». Dazu gibt das Symposium interessante Einblicke in die Tätigkeitsbereiche der Agridea und des Inforama Rütti mit dem dazugehörigen Versuchsbetrieb.