Die Folgen der Trockenheit beschäftigen derzeit auf allen Ebenen. Als wichtigsten Punkt für die Betriebe erachtet der Schweizer Bauernverband (SBV), dass die Produzentenpreise die gestiegenen Produktionskosten bei den betroffenen Produkten auffangen. Sie müssten entsprechend steigen. «Der SBV engagiert sich direkt bei den Detailhändlern und indirekt mit den Branchenorganisationen für kostendeckende Produzentenpreise, die auch die Mindererträge berücksichtigen», so der Verband in einer Medienmitteilung. Kommt das an?
Aldi, Migros, Coop und Lidl anerkennen die Lage
Auf Anfrage betonen Aldi, Migros, Coop und Lidl einhellig, sich der schwierigen Situation bewusst zu sein. «Die aktuell missliche Lage der Schweizer Landwirtschaft aufgrund der anhaltenden Trockenheit beobachten wir sehr aufmerksam», heisst es bei der Medienstelle von Aldi Suisse. In dieser Situation signalisiere der Discounter seinen Produzent(innen) seine volle Gesprächsbereitschaft.
Die ganze Branche stehe vor grossen Herausforderungen, so Migros-Sprecher Tristan Cerf. Man stehe in kontinuierlichem und konstruktivem Austausch mit Organisationen wie dem SBV und suche partnerschaftliche Lösungen. «Auch in der aktuellen Lage sind wir gerne bereit, den Dialog mit den wichtigsten Marktakteuren weiterzuführen», so Cerf. Coop zeige sich im Rahmen der Branchendiskussionen «stets dialogbereit und lösungsorientiert», sagt Sprecherin Sina Gebel.
Die Partnerschaften von Lidl mit seinen über 400 Schweizer Lieferanten seien von Dialog, Vertrauen und Verantwortung geprägt, hält Nicole Graf fest, Mediensprecherin von Lidl.
«Keine Spekulation» bei Aldi
Wenn es um konkrete Reaktionen auf die akute Lage geht, so ist bei Aldi wenig Aktuelles zu erfahren. «Das Ausmass der Ernteausfälle und allfällige Mehrkosten lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt bisher nicht abschätzen», so die Medienstelle. Über mögliche Qualitätsmängel bei Produkten oder die Preisentwicklung wolle man daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren.
Beschaffung von Frischgemüse wird anspruchsvoller
Der Migros sei der partnerschaftliche Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette besonders wichtig, da sämtliche Marktakteure von der aktuellen Situation betroffen seien. Abgesehen von Unterschieden je nach Region und Kultur könnten grundsätzlich alle Produktkategorien betroffen sein.
«Aktuell ist die Verfügbarkeit von Schweizer Früchten und Gemüse sichergestellt», berichtet Tristan Cerf. «Gleichzeitig stellen wir fest, dass es insbesondere bei einzelnen Frischgemüsekulturen zunehmend anspruchsvoll ist, die benötigten Mengen und die gewünschte Qualität sicherzustellen.»
Prinzipiell orientiere man sich an den Qualitätsnormen des Schweizer Gemüseverbands. Dort, wo es sinnvoll sei und die jeweilige Erntesituation es erlaube, mache die Migros in Abstimmung mit ihren Lieferanten und Produzenten Ausnahmen.
Coop passt vorübergehend Normen an
Für Früchte und Gemüse hat Coop laut Sprecherin Sina Gebel in Absprache mit den Produzent(innen) teilweise temporär die Normen angepasst, um den Absatz zu unterstützen. «Im Bereich Fleisch stellen wir zusätzliche Schlachtkapazitäten bereit und übernehmen die aktuell anfallenden Mehrschlachtungen», sagt Gebel.
Zu den Preisen bemerkt sie, Coop halte sich an die Richtpreise von Branchenorganisationen. Die Wochenpreise für Früchte und Gemüse würden die aktuellen Gegebenheiten berücksichtigen. «Beim Fleisch handelt es sich um Marktpreise, deren Gestaltung sich nach Angebot und Nachfrage richtet», so Gebel.
«Stets pragmatisch» bei Lidl
Wie sich die Einflüsse auf die Verkaufspreise auswirken, lasse sich nicht pauschal voraussagen, schliesst sich Lidl-Sprecherin Nicole Graf der Aldi-Medienstelle an. Das hänge stark von den Ernteerträgen der einzelnen Kulturen und den Branchenvereinbarungen ab.
«Unser Anliegen bleibt es, unseren Kund(innen) hochwertige Produkte zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten», sagt Graf. Der Discounter prüfe seine Übernahmebedingungen bei witterungsbedingten Qualitäts- und Grössenabweichungen stets pragmatisch, damit die Ernten auch bei schwierigen Bedingungen abgenommen werden könnten.
Sowohl die beiden Detailhändler als auch Lidl verweisen im Weiteren auf ihre Bemühungen gegen Food Waste. Seien es Lidls «Rettersäckli», die Eigenmarke «Ünique» bei Coop oder die Produktlinie «Save Food» in den Migros-Regalen. «Darüber hinaus nimmt die Migros-Industrie grosse Mengen Früchte und Gemüse ab, die den Normen für den Frischverkauf nicht entsprechen», ergänzt Tristan Cerf. Daraus würden in der M-Industrie oder über Gastrokanäle Suppen, Saucen oder Säfte.
Grösster Hebel bei Detailhandel und Abnehmern
Neben unmittelbarer Hilfe seitens Behörden und Marktpartnern fordert der SBV auch mittel- bis langfristige Massnahmen ein. Die Landwirtschaftsbetriebe müssten sich zwar an den Klimawandel anpassen – über die Wahl der Kulturen, optimierte Bewirtschaftung und Anschaffung von Bewässerungsanlagen bis zum Zugang zu Wasser, etwa mit Retentionsbecken. Der Bund müsse darin unterstützen, die Forschung verstärken und Versicherungslösungen unterstützen.
Konkret vom Detailhandel und den Abnehmern verlangt der SBV faire Produzentenpreise. «Abnehmer und Detailhändler haben den grössten Hebel in der Hand», schreibt der Verband. Mit fairen Produzentenpreisen wären die Einkommen besser und würden es den Landwirt(innen) ermöglichen, Ausfälle abzufedern, Investitionen zu tätigen und sich weiterzuentwickeln. «Die aktuelle Preisspirale nach unten im Laden schadet schliesslich sowohl der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der einheimischen Landwirtschaft als auch der inländischen Versorgungssicherheit», fasst der SBV zusammen.
Ob die betonte Dialogbereitschaft zum Betätigen dieses Hebels führt, wird sich zeigen. SRF jedenfalls schreibt bereits von einer «Klimaflation» mit steigenden Lebensmittelpreisen aufgrund der Trockenheit. «Spätestens nächstes Jahr droht ein deutlicher Preisschub bei Lebensmitteln», so SRF. Die Verzögerung liege daran, dass jeweils die Ereignisse des letzten Jahres die Preise bestimmten, wird Ökonom Thomas Dvorak zitiert. Wie es mit den inländischen Produzentenpreisen aussehen wird, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

