Die Auffuhrzahlen auf den Schlachtviehmärkten sind unterschiedlich hoch. So auch im bernischen Aarberg. Obwohl vielerorts im Kanton Bern im Sommer 2026 Trockenheit herrscht, sind für Aarberg im August-Markt wenige Schlachtkühe gemeldet.
Die BauernZeitung hat mit dem Verantwortlichen Heinz Häberli aus Spins BE über die Gründe gesprochen. Der Landwirt und Experte bei der Emmental-Versicherung warnt vor grossen Auffuhrzahlen an Schlachtkühen bei den Herbstmärkten. Zudem ist ihm zu Ohren gekommen, dass es mittlerweile unseriöse Futtermittelangebote aus dem Ausland gibt.
Heinz Häberli, Sie sind verantwortlich für die Anmeldungen am Schlachtviehmarkt in Aarberg BE. Wie belaufen sich zurzeit die Auffuhrzahlen von Schlachtkühen wegen der Trockenheit?
Bei uns in Aarberg sind die Anmeldungen für den Mittwochmarkt, vom 12. August, erstaunlich unverändert gegenüber den Vorjahren.
Warum sind aus Ihrer Sicht die Auffuhrzahlen in Aarberg so tief?
Die Auffuhrzahlen, mit 49 Stück vom Markt am 12. August 2026, sind im Durchschnitt der letzten Jahre gut. Ich vermute, dass sich die besondere Lage wegen der Trockenheit erst am September-Schlachtviehmarkt auswirken wird. An einigen Schlachtviehmärkten sind die Auffuhrzahlen bereits gestiegen, was bei uns in Aarberg vermutlich an den nächsten Märkten auch der Fall sein wird.

Vielerorts fehlt das Futter, auch die Rinder werden dieses Jahr früher abgealpt als sonst. Welche Prognosen stellen Sie für die Herbst-Schlachtviehmärkte und was würden Sie den Landwirten jetzt empfehlen?
Meine Prognosen für die Herbst-Schlachtviehmärkte sind: hohe Auffuhrzahlen und ein erhöhter Preisdruck. Je nach Futterreserven und Verfügbarkeit der Futtermittel in der Schweiz oder im Ausland, wird jeder Landwirt selbst abwägen müssen, welche Massnahmen für seinen Betrieb sinnvoll sind. Ob noch abwarten, Futter zukaufen oder bereits zu Schlachtungen entscheiden.

Auf Anzahlung kaufen jetzt viele Landwirte auch Futter aus dem Ausland. Sie als Versicherungs-Experte bei der Emmental-Versicherung hören nun von einigen Kunden, dass sie dieses bestellte Futter aber nie bekommen hätten. Was raten Sie den Landwirten, wenn sie Futter importieren möchten? Sollen sie eine Anzahlung machen oder nicht, und wie können sich die Landwirte davor schützen?
Eine Anzahlung empfehle ich nur bei sehr sicheren Quellen. Idealer ist eine Barzahlung bei Eintreffen der Ware. Oder auch bei akkreditierten Treuhanddiensten, wo bei der Zahlungsabwicklung das Geld wie eingefroren ist und erst freigegeben wird, wenn die Ware eingetroffen ist. Man kann sich auch bei der Bank melden. Ich würde auch die Zertifizierung vom Lieferanten im Internet prüfen. Grosse Vorsicht ist auch bei Twint-Zahlungen geboten.
Kann man solche Vorkommnisse versichern lassen? Wenn ja, wie?
Dies ist nur in Einzelfällen möglich mit speziellen Cyber-Zusatzbausteinen, welche auch längst nicht alle Vorfälle decken. Meistens erfolgen solche Zahlungen aktiv durch den Landwirt auf ein falsches Auslandskonto.
Das Geld gilt in der Regel als freiwillig herausgegeben. Einige Banken haben inzwischen Sicherheitssysteme, die Auslandzahlungen besser überprüfen. Teilweise erfolgen Rückfragen und das Geld wird erst nach 24 Stunden überwiesen.
Laut Ihren Aussagen erfolgt dieser Missbrauch vermehrt auch bei den Occasion-Landmaschinen. Die Bauern bezahlen eine Vorauszahlung, doch die Maschine würden sie nie bekommen. Was raten Sie hier den Bauern, wie sie bei einem Kauf vorgehen sollten?
Eine Barzahlung oder eine Geldüberweisung erst nach Erhalt der Maschine. Keine Twint-Zahlungen vor Erhalt und der Kontrolle der Ware. Möglich ist auch ein Kauf per Akkreditiv.

