Fleisch gehörte schon immer auf den Speiseplan der Menschheit. War es früher nur den Reichen vorbehalten, findet sich Fleisch heute bei einigen Liebhabern fast täglich auf dem Speiseplan. Doch auch die Kritik am Fleischessen wird zunehmend lauter. Wie steht es heute um den Fleischkonsum und welche Food-Trends erwarten uns in naher Zukunft? Auf diese und andere Fragen versuchte das 11. Symposium «Fleisch in der Ernährung» vergangene Woche in Bern eine Antwort zu geben.
Der Genuss von Fleisch war schon immer kostspielig
«Fleisch hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Evolution des menschlichen Körpers», startete Philippe Ligron, Lehrer an der Hotelfachschule in Lausanne VD, mit einem historischen Überblick in die Tagung. Das menschliche Gehirn habe sich von dem Zeitpunkt an beträchtlich entwickelt, als der prähistorische Mensch begann, Fleisch zu essen. Mit viel Humor, Charme und viel Leidenschaft für das Essen führte Ligron die Teilnehmer durch die verschiedenen Epochen. Obwohl sich die Art und Weise des Essens stark verändert hat, sind einige Punkte doch gleich geblieben. «Der Genuss von Fleisch war schon immer kostspielig, in der Vergangenheit noch mehr als heute», so Ligron.
Doch nicht nur der Preis ist beim Fleischkonsum entscheidend. Für eine zunehmende Konsumentenschar ist die Herkunft massgebend. «In Bezug auf tierfreundliche Haltungsverfahren nimmt die Schweiz eine Vorreiterrolle ein», zeigte sich
Martin Scheeder überzeugt. Scheeder arbeitet für die Suisag und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften.
Scheeder führte einige Beispiele auf, wie das Verbot der Käfighaltung für Legehennen, bei dem die Schweiz eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Auch auf die Ferkelschutzkörbe müsse seit 2007 verzichtet werden, währenddem in anderen Ländern nach wie vor gestritten werde, ob das überhaupt möglich sei. Scheeder führte aber auch an, dass eine Grundlage für die Entwicklung des erreichten Status sicherlich der hohe Wohlstand in der Schweiz sei.
Konsumenten haben hohe Ansprüche, kaufen aber im Ausland ein
Wie nicht nur Scheeder ausführte, kritisierte auch Heinrich Bucher, Proviande-Direktor, im Rahmen der Podiumsdiskussion, dass es oftmals schwierig sei, die hohen Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten zu erfüllen, wenn die gleichen Konsumenten dann lieber im Ausland einkaufen würden. «Es bleibt zu hoffen, dass die Konsumentenschaft eine mit den Ansprüchen gleichziehende Bereitschaft entwickelt, eine hervorragende Qualität zu honorieren», so Scheeder.
Sich auf den Konsumenten spezialisiert hat Hanni Rützler, Geschäftsführerin vom «futurefoodstudio» in Wien. Sie prophezeite, dass Konsumenten in Zukunft nicht mehr weitgehend passive Verbraucher sein würden, sondern aktive «Prosumenten», die sich als Partner verstünden. Vor allem die Fleischbranche werde sich in Zukunft noch mehr mit den gesellschaftlichen Diskursen über Gesundheit, Ökologie und Ethik konfrontiert sehen, so Rützler.
Fleisch in der Ernährung ist sinnvoll
Das 11. Symposium bot spannende Referate und interessante Diskussionen. Viele Fragen sollten gerade in der Landwirtschaft zu denken geben. So zum Beispiel die Frage einer Teilnehmerin, was GVO eigentlich bedeute. Genauso wie das Bekenntnis derselbigen, dass ihr nicht bewusst gewesen sei, dass in der Schweizer Tierfütterung darauf verzichtet werde. Oder der Input einer anderen Teilnehmerin, dass viele Schweizer Kühe ja sowieso nur mit Kraftfutter gefüttert würden und nie auf die Weide dürften.
Das Fazit des von Patrick Rohr moderierten Podiumsgesprächs lautete, dass Fleisch in der menschlichen Ernährung durchaus Sinn ergebe und die Qualität sehr wichtig sei. Man müsse in Zukunft lernen, bewusster zu geniessen, so die Referenten.
Julia Schwery