Herr Bono, ist Amphorenwein ein nostalgischer Furz oder eine geniale Wiederentdeckung?

Michele Bono: Es ist sicher eine Art, Wein auf natürliche Weise, ohne Zugabe von Hefe oder Schwefel, herzustellen. Die Weine aus der Amphore sind in der Regel kräftiger im Geschmack als herkömmliche Weissweine. Sie eignen sich gut als Essensbegleiter als Alternative zu Rotwein. Solche Weine sind sehr lange haltbar, ohne Probleme bis zu 40 Jahren. Deshalb füllen wir sie auch in dunkle Flaschen ab.

 

Zur Person

Michele Bono leitet am Strickhof den Ausbildungs- und Versuchsbetrieb für Weinbau. Für seine Weine hat er bereits einige Preise gewonnen.

 

#YT0# 

Wer kauft und trinkt so etwas?

Trendlokale und Leute, die gerne einmal etwas anderes trinken und in der Regel experimentierfreudig sind. 

Wie wichtig ist die orange Farbe?

Wer solche Weine macht, dem ist die Farbe wurst. Farbe wird in der Regel sowieso überbewertet. Bei Blinddegustation ist es teilweise sogar für Profis schwer, zu erraten, ob es sich um Rot- oder Weisswein handelt. Einzig der Geschmack zählt.

Ist Orange Wine eine ernstzunehmende Alternative für die Schweizer Winzer?

Da die Schweiz nicht per se ein Wein-Exportland ist, werden aus dem Traubengut in erster Linie die Weine hergestellt, die im Inland nachgefragt werden. Dann kommt es auch noch auf den Krankheitsdruck an. In Jahren wie 2014 war abzuraten, solche Weine herzustellen. Wer aber Lust zum Experimentieren hat, dem rate ich unbedingt dazu. Da wir ein Ausbildungs- und Versuchsbetrieb sind, gehen wir gerne neuen Trends nach und geben unsere Erkenntnisse und unser Wissen weiter.

Gibt es weitere Wein-Trends?

Natursekt, sogenannte Pétillant Naturel (Pet Nat). Das sind Naturweine, die eine Gärung durchlaufen und dann in der Flasche noch nachgegärt werden. Sie werden in der Regel ganz jung getrunken. Wir machen pro Jahr etwa 300 Flaschen, die sich dann sehr rasch zu einem guten Preis verkaufen. 

Ein anderer Trend ist der zu weniger Alkohol, also zu leichteren Weinen bis maximal 13 Vol.-%. Zurzeit machen wir auch Versuche mit einem Gärtank aus Granit. Das ist ein weiterer Schritt zu mehr Natürlichkeit.

 

Weinprobe

Redaktorin Esther Thalmann wollte sich selber vom neuen Weintrend überzeugen und hat den Orange Wine  probiert. Hier ihre Einschätzung:

Farbe: Schöne orange Färbung.

Geruch: Fruchtig, ein Hauch von exotischen Früchten schwingt mit.

Geschmack: Kräftig, mit einer angenehmen Säure und leicht spritzig.

Preis-Leistung: Mit 28 Franken ab Produzent eher etwas teuer. Für eine besondere Gelegenheit aber sicher seinen Preis wert. 

Getestet wurde der Riesling-Silvaner Kvevri 2013 des Strickhofs. 12,5 Vol.-%. Verkaufspreis Fr. 28.–/75 cl. Die BauernZeitung hat für den Wein bezahlt.