«Gesunde Tiere sind wichtig für uns Bauern», erklärte Ruedi Bigler, der Gastgeber der heutigen Medienkonferenz auf seinem Betrieb in Moosseedorf BE. Auch wirksame Antibiotika sind wichtig für die Landwirtschaft.

In der Schweiz werden Antibiotikaverkäufe seit 2008 erfasst. In dieser Zeit ist der Verkauf um 45% gesunken. Trotzdem zeigen Berichte auf, dass Resistenzen dennoch zunehmen. «Das bedeutet, dass es offensichtlich nicht damit getan ist, die eingesetzten Mengen zu reduzieren», sagte Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie vom Schweizer Bauernverband, in seinem Referat. Es brauche folglich weitere Massnahmen.

Tiergesundheit darf nicht darunter leiden

Blaise Voumard, Vizepräsident der Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST), informierte darüber, dass ab 2019 alle Antibiotika-Anwendungen bei Tieren in einer Bundesdatenbank registriert werden. Diese Daten würden auskunft darüber geben, wann am meisten Antibiotika eingesetzt werden und so könnten Gegenmassnahmen in die Wege geleitet werden. 

Trotzdem sei es wichtig, dass die Tiergesunheit und das Tierwohl nicht darunter leiden, wenn die eingesetzte Antibiotikamenge weiter reduziert werden müsse. In gewissen Haltungssystemen sei es unmöglich, dass komplett auf Antibiotika verzichtet werden könne, obwohl schon viele Anstrengungen unternommen worden seien, die Hygiene und das Stallklima zu verbessern. Besonders anfällig sind Jungtiere, insbesondere wenn sie transportiert werden müssen, aus verschiedenen Betrieben zusammenkommen oder anderem Stress ausgesetzt sind.

Elektronisches Behandlungsjournal für Schweine

Seit 2016 dürfen Tierärzte kritische Antibiotika nicht mehr auf Vorrat abgeben. Im selben Jahr haben die Schweinehalter (Suisag) die «Plus-Gesundheitsprogramme». Landwirte die beid diesen Programmen mitmachen schreiben in einem Elektronischen Behandlungsjournal ihre Behandlungen ein. Mit den darin zusammenkommenden Informationen ist ein Vergleich zwischen den Betrieben möglich. Ausserdem sollen Landwirte individuell Beratung zur Verbesserung der Gesundheit erhalten und der verminderung des Antibiotikaeinsatzes.

Über 800 Betriebe mit Sano-Status, das ist das Ziel von Matteo Aeppli, Geschäftsführer Suisag, welches er bis Ende Jahr erreichen will. Die Suisag und der Schweinegesundheitsdienst  führen diverse Einführungsveranstaltungen durch, stellen eine Hotline zur Verfügung ebenso wie individuelle Beratung auf dem Betrieb. Ausserdem haben sie Verhandlungen über ein besseres Anreizsystem am laufen. 

Einsatz innert sechs Jahre halbieren

Im Sommer 2017 nahm der Kälbergesundheitsdienst seine Arbeit auf. Seine Aufgabe besteht darin, Präventionskonzepte zur Optimierung der Tiergesundheit zu erarbeiten. Er erfasst Kälbererkrankungen und deren Behandlung und bis so die Betreuung optimieren. Ziel sei es schlussendlich, dank guter Vorsorge den Einsatz von Antibiotika bei Kälbern innerhalb von sechs Jahren zu halbieren.

Die Schweizer Geflügel- und Eierproduktion komme dank flächendeckenden Hygienemassnahmen im internationalen Vergleich mit sehr wenig Antibiotika aus, schreibt der Schweizer Bauernverband in seiner Medienmitteilung. Die durchorganisierten Produktionsketten von der Bruteierproduktion über Kükenaufzucht, Pouletmast bis zur Schlachtung sicherten die Gesundheit über alle Stufen.

Das Denken muss sich ändern

Auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind sehr aktiv. Mit einer breiten Palette von Einzelmassnahmen wollen sie die Gesundheit der Kühe verbessern. Diese reichen on Beratung, Komplementärmedizin bis hin zur züchterischen Selektion. Seit 2013 werden die Gesundheitsdaten der Schweizer Milchviehzucht erfasst. Somit kann die Fitness und Robustheit der Rassen verbessert werden.

Stephan Hagenbuch, Direktor SMP, ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. «Der Trend stimmt, doch wir können noch besser werden», sagt er gegenüber der BauernZeitung. Er denkt, dass die Sensibilisierung der Landwirte und der Tierärzte läuft und das Bewusstsein für den Einsatz von Antibiotika noch wachsen muss.

jba