29 Jahre lang hatte Peter Gerber, Schüpfen, die Geschäftsführung des Bernischen Verbands für Landtechnik (BVLT) inne. Die Versammlung am 2. Dezember war seine letzte.

Peter Gerber, was hat sich seitdem verändert?

Peter Gerber: Ich habe den BVLT im Jahr 1993 mit 6000 Mitgliedern übernommen und gebe ihn ab mit rund 2000 Mitgliedern. Wäre meine Arbeit an der Mitgliederzahl gemessen worden, hätten die mich bereits vor 20 Jahren in die Wüste schicken müssen (lacht). Wenn du aber etwas mit Herzblut und gerne machst, machst du es in der Regel auch nicht schlecht. Der BVLT war viele Jahre lang mein Kind. Nun ist es aber Zeit zu gehen. Denn es macht einen Unterschied, ob ein bald 70-Jähriger einen 30-Jährigen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen versucht oder ob das ein Gleichaltriger tut.

Wie hat sich Ihre Arbeit konkret verändert?

Vor 29 Jahren waren viele Arbeitsabläufe aufwendig, weil nicht automatisiert. Heute gehen solche Prozesse viel einfacher und effizienter. Dafür verantwortlich ist auch die dazugewonnene Routine. Seit einigen Jahren wende ich mehr Zeit auf, um uns der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der BVLT ist mittlerweile Stammgast an der BEA, was zeitaufwendig ist. Der ganze Dienstleistungsbereich ist gewachsen. Heute werden etwa Bremstests durchgeführt, was früher nicht notwendig war.

Wird die Technik künftig noch weiter fortschreiten?

Ich bin persönlich der Meinung, dass der riesige technische Fortschritt in gewissen Punkten problematisch ist. Das Gefühl haben zu müssen, bei allem Schritt zu halten, ist gefährlich und führt die Betriebe in Verschuldungen, die nicht mehr zu stemmen sind. Die elektronische und auch digitale Weiterentwicklung wird kaum zu stoppen sein. Dies sicher auch im Bereich der Pflanzenschutztechnik. Die Wirtschaftlichkeit wird dabei aber zu wenig beachtet.

Verträgt es hierzulande noch mehr Grössenwachstum der Maschinen und Traktoren?

Laut einer Statistik eines Importeurs würden nicht wenige grosse Traktoren eine durchschnittliche Auslastung von jährlich 250 Stunden aufweisen. Unfassbar bei einem Kaufpreis von vielleicht 180 000 Franken. Ich hoffe sehr, dass jeder vor einer neuen Investition gut über die Bücher geht und rechnet. Ebenfalls hoffe ich, dass in der Ausbildung unseres Nachwuchses diesem Aspekt genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird.

An der DV sind die älteren Generationen in der Mehrzahl. Kommen die Jungen nur nicht an die Versammlung oder ist der BVLT ein Auslaufmodell?

Ich hoffe nicht, dass wir ein Auslaufmodell sind. Es kommt immer auch auf das Thema des Referats an, ob die Jungen an die Versammlung kommen oder nicht. Als etwa 2019 ein Polizist über die Verkehrskontrollen sprach, waren sehr viele Mitglieder, auch Junge, anwesend.

Abo Berner Landtechnikverband Die Ära Gerber und Brenzikofer ist vorbei Freitag, 2. Dezember 2022

Braucht es den BVLT künftig überhaupt noch oder vielleicht gerade mehr denn je?

Unser Angebot ist aus meiner Sicht wichtig und weiter nötig. Etwa die Kurse für Jugendliche zur Verkehrssicherheit und als Vorbereitung für die Theorieprüfung. Die technische Beratung, die neutrale Spritzenkontrolle sowie die Rechtsberatung nehmen an Wichtigkeit zu. Wir haben eine Juristin im Mandat angestellt, die unseren Mitgliedern für eine erste Konsultation gratis zur Verfügung steht. Immer mehr Vorschriften gilt es zu beachten, was auch mehr Fehler nach sich ziehen kann. Wir hoffen jedoch, dass die Rechtsberatung möglichst selten in Anspruch genommen werden muss.

Was waren Ihre Höhepunkte als Geschäftsführer des BVLT?

Sicher die Organisation der DV des Schweizerischen Verbands für Landtechnik (SVLT) 1999, die zwei Tage dauerte. Darüber reden die Leute noch heute. Nach der DV am Freitag haben wir auf der Münsterplattform die sogenannt sieben Stuben präsentiert. Alle Landesteile und deren Regionen präsentierten an Marktständen ihre Spezialitäten, was ein super Apéro riche ergab. Der BVLT hat zudem ein Projekt ins Leben gerufen, um die landwirtschaftliche Ausbildung in Rumänien zu fördern. Wir waren drei Meisterlandwirte, die das Projekt angestossen haben und bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) offene Türen einrannten. Das Projekt wurde dann gemeinsam geleitet. Du musst also nicht studiert sein, um so was auf die Beine zu stellen. Das macht mich extrem stolz.

Absolute Highlights waren auch die zahlreichen Tagungen, die wir mit dem Inforama und der Oekonomischen gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) organisierten. Im Jahr 2023 ist wiederum ein solcher Anlass geplant. Zu den Highlights zählen auch unsere Auftritte an den Ausstellungen (BEA, Agrimesse). Der Teamgeist innerhalb unseres Vorstandes war immer vorzüglich. Dafür bin ich sehr dankbar. Last, but not least, die unzähligen wertvollen Kontakte, die ich in meiner Amtszeit knüpfen konnte.

Gab es auch Tiefpunkte?

Ja, auch in diesem Jahr. Wir hatten heuer versucht, das Mitgliederinkasso mittels QR-Codes zu machen. Das ging komplett schief und funktionierte nicht. Wenn du über 2000 Rechnungen draussen hast und keiner kann sie bezahlen, ist das der Super-GAU.

Unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf das Mitgliederinkasso vor ein paar Jahren führten zu einer grossen Spannung zwischen dem SVLT und dem BVLT, das darin gipfelte, dass wir im 2016 einen Austritt aus dem SVLT ins Auge fassten. In sprichwörtlich letzter Sekunde konnten wir uns gemeinsam für einen Kompromiss einigen. Heute ist die Zusammenarbeit sehr erfreulich. Roman Engeler, Direktor SVLT, und dessen Präsident Werner Salzmann sind hervorragende Dirigenten. Das freut mich sehr!